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geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 11.03.2026. Rubrik: Aktionen


Zeitparadoxon - Viel zu kompliziert! (März Aktion)

Für die Aktion 'Viel zu kompliziert!' hatte ich eine Idee und diese kam mir - wie meistens - kurz nach Mitternacht. Ich hatte schon einige Stories auf dieser bekannten Webseite - nur so zum Spaß - veröffentlicht. Diesmal hatte ich mich (wie ich fand) selbst übertroffen!

Wie immer schrieb ich diese Story flott auf meinem Smartphone. Dann durch die Rechtshreibkorektur jagen, Formulierungen final ändern und danach - zur Sicherheit - vorlesen lassen. Perfekt. Abschließend ein PDF davon erstellen und die Daten auf die Internetseite kopieren. Super!

Noch während mein Finger über den 'Senden'-Button schwebte, stand auf einmal ein alter Mann mit wallenden, grauen Rauschebart und einem übergroßen Kapuzenbademantel am Fußende meines Bettes und sah mich böse an.

Ich habe mir vor Schreck fast in die Hose gemacht.

"Du!", sagte er drohend und richtete seinen knorrigen Zeigefinger auf mich.
"Ich bin Tim, der Zeitreisende."

Um kurz nach drei Uhr morgens waren meine Smalltalk-Fähigkeiten nur begrenzt verfügbar.
"Äh. So wie der Zeitreisende aus Star Treck?"
Der Alte sah mich verdattert an.
"Was? Nein! Still jetzt!", pammte er mich an, zog ein Buch aus seinem Mantel und warf es auf meine Bettdecke.
"Hast du das geschrieben?"
Ich nahm das Buch und sah es unschlüssig und anschließend ihn fragend an.
Er rollte bedenklich mit seinen Augen.
"Seite 59!"

Verwirrt schlug ich diese Seite auf. Sie war leer.
"Das glaub' ich nicht, Tim.", sagte ich: "Da steht nix."
Der Typ riss mir forsch das Buch aus der Hand und überzeugte sich selbst.
"Verdammt!", fluchte er: "Wie spät ist es?"
Ich schielte auf meinen Radiowecker: "Elfter März, 3:15."
Das Buch steckte er wieder in den Untiefen seines Mantels.
Er sagte noch "Bin gleich wieder da!" und verschwand geräuschlos innerhalb einer Millisekunde.

Ich rieb mir die Augen. War das gerade wirklich passiert?
Mein Blick fiel auf mein Smartphone mit der noch immer geöffneten Webseite mit meiner Story. Kopfschüttelnd drückte ich den 'Senden'-Button.

Plötzlich war der bärtige Opa erneut am Fußende aufgetaucht. Er zog wieder das Buch aus seiner Kutte und schmiss es mir zu.
"Hast du das geschrieben?", wiederholte er sich.
"Seite 59?", fragte ich.
"Ja!", grollte er missgelaunt zurück.
Ich schlug die Seite auf. Da stand:
'Zeitparadoxon. Eine Kurzgeschichte von CaptainX.' CaptainX ist mein Pseudonym im Internet. Es war die Geschichte, die ich gerade geschrieben und gesendet hatte!

"Hmmmja. Sieht so aus, Tim."
Ich blickte auf die Uhr - 3:16. Neugierig las ich den Buchtitel: '100 Spannende Zeitreisen'. Auf der Rückseite des Buchs suchte ich nach dem Verlag, wurde aber schroff unterbrochen.

"Diese Geschichte hätte nie in diesem Buch veröffentlicht werden dürfen." Wieder zeigte der faltige Finger drohend auf mich und schien Blitze zu verschießen wie Zeus auf dem Olymp.
"Ja, das weiß ich doch.", stammelte ich.
"Und wie kommt dann deine Geschichte in dieses Buch?", knurrte er, riß mir den Wälzer aus der Hand und wedelte mit dem Ding vor meinem Gesicht herum.
"Weiß ich nicht.", sagte ich: "Ich habe meine Geschichten nie auf einer anderen Plattform veröffentlicht oder einem Verlag angeboten ."
"Sooo?", brummte Tim gedehnt.
"Naja. Nur einmal und das ist schon etwas her.", murmelte ich ein wenig verlegen: "Und damals hatte ich mir nichts dabei gedacht."
"Weiß ich.", knurrte der Bärtige: "Ich habe mich informiert. Aber darum geht es nicht. Diese Geschichte war sowieso Mist."

Dann nahm er den Faden wieder auf.
"Du hast also 'Zeitparadoxon' auf dieser Webseite veröffentlicht. Du wirst sie diesen Verlag anbieten und sie wird in diesem Buch veröffentlicht werden! Das darf nicht geschehen!"
"Ja, ja.", sagte ich etwas genervt: "Aber ich war es nicht!"
"Wirst es nicht sein!", verbesserte mich der Alte.
"Wie bitte? Okay, meinetwegen auch das."
"Schlag' nochmal die Seite auf!", forderte mich Graubart auf und gab mir wieder das Buch. Auf Seite 59 war immer noch der Titel meiner Geschichte abgedruckt.
"Immer noch da. Aber der Punkt ist doch, dass dieser komische Verlag die Story vermutlich ohne meine Zustimmung veröffentlicht hat."
Rauschebart raufte denselben.
"Könnte sein, könnte sein.", sinnierte er: "Es gibt nur einen Weg, dem ein Riegel vorzuschieben."

Es blitzte und ich stand plötzlich in einem kleinen Büro. Eine helle Mittagssonne schien durch die Fenster. Werbeposter an den Wänden ließen erkennen, dass es sich um den betreffenden Verlag handelte.
Das Buch hatte ich noch in der Hand. Ich sah an mir herunter und stellte erleichtert fest, dass ich nicht mehr meinen Schlabberpyjama, sondern einfache Straßenklamotten trug.

An einem Schreibtisch saß ein junger Typ - so ein Youngstar mit Hippster-Brille. Er hatte mich noch nicht bemerkt und hackte betont wichtig auf seinem Tablett herum.

Ich wusste, was zu tun war und räusperte mich. Erschrocken fuhr der Mann hoch.
"Entschuldigen sie bitte. Ich wollte sie nicht erschrecken.", log ich: "Mein Name ist CaptainX und ich möchte nicht, dass ihr Verlag eine meiner Geschichten ohne meiner Zustimmung veröffentlicht."
"Was?" Er sah mich an, als ob ich nicht alle Tassen im Schrank habe.

Verstohlen blätterte ich in dem Buch die Seite 59 auf. Sie war leer. Meine Intervention hatte anscheinend Früchte getragen. Die Verlagsleute haben wohl in der Zukunft von einer Veröffentlichung Abstand nehmen haben geworden.

So langsam bekam ich Kopfschmerzen.

Nun erwartete ich wieder einen Blitz, der mich in meine eigene Raumzeit brachte, aber es geschah nichts. Die Situation wurde so langsam peinlich. Ich wandte mich mit selbstbewusstem Blick zur Tür und schritt hinaus.

Als ich die Tür mit einem satten Klick hinter mir schloss, blitzte es dann doch noch. Ich saß wieder in meinem Bett, das Buch in der Hand und im Schlabberpyjama. Graubart stand immer noch am Fußende und sah mich forschend an: "Und?"

"Alles in Ordnung, Tim.", sagte ich und gab ihm das Buch. Misstrauisch blätterte der alte Mann in dem Wälzer, um meine Worte zu überprüfen. Schließlich grinste er breit: "Ich bin zufrieden." und verschwand in einem Wimpernschlag.

Kopfschüttelnd sah ich auf die Uhr: 3:17. Dann rief ich auf der Webseite meine Geschichte auf und staunte nicht schlecht. Der Text hatte sich verändert und dokumentierte nun meine jüngsten Erlebnisse - viel besser als die ursprüngliche Story.

Ich musste sie wohl vorher schon geändert haben werden oder so.

Geschrieben: März 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
www.kurzgeschichten.de

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von lüdel am 11.03.2026:
Kommentar gern gelesen.

CaptainX: Sehr verrückte Story,
jetzt stellt sich für mich die Frage: Oder auch nicht? Viel zu kompliziert. Oder was ist mit der eigentlichen Geschichte passiert? Ich verstehe – viel zu kompliziert, oder …?
Lüdel🧚‍♂️




geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 11.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
Hallo @CaptainX,
irre Geschichte, auch deswegen gern gelesen.
Ja, über Zeitsprünge wurde hier im Forum schon eine Menge philosophiert und trotzdem bleibt es spannend.
Ich sehe gerne Youtube-Videos von Professor Hubert Zitt. Er setzt sich damit auseinander, ob Zeitsprünge und Beamen überhaupt technisch möglich sind.
Viele Grüße, Jo




geschrieben von CaptainX am 11.03.2026:

Hallo.
Danke für's 'Gern gelesen'.
@Lüdel: Ich weiß es selbst nicht so genau. Ist komplizierter (oder verrückter) geworden als gewollt. Ich glaube, er hat die ursprüngliche Geschichte bevor er sie nachdem übertragen hätte geändert oder auch nicht.
@Jo: Da muss ich mal reinsehen. Bis jetzt habe ich mich an den Büchern von Stephen Hawking und Brian Greene gehalten. Multiversen, Zeitsprünge, Schwarze Löcher, Singuralitäten! Wirklich tolle Themen.

Gruß
CaptainX




geschrieben von Butterblume am 11.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
Viel zu kompliziert 😇😉

Gern gelesen 😁

Abendliche Grüße

Gute Träume
Butterblume

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