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geschrieben von Kater Moritz.
Veröffentlicht: 30.04.2026. Rubrik: Satirisches


Freddy und Oscar – Der Titelgewinn

Vorab-Information: Dies ist eine Geschichte aus längst vergangenen, besseren (Fußball)-Zeiten!

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Hallo Freunde. Lasst mich mal kurz erklären, mit wem ihr es hier zu tun habt. Also, ich bin Freddy, meines Zeichens Pferd. Genauer gesagt das Prachtexemplar eines schweren Warmbluts, mit fast 1,80 m Widerrist und schönem braunen Fell. Einem, dem die Stuten nur so hinterher wiehern. Durch eine kleine chirurgische Gemeinheit, die mir ein Jahr nach meiner Geburt vor 9 Jahren, angetan wurde, kann ich die Pferdedamen zwar nicht mehr so beglücken, wie sie es von einem Kerl wie mir eigentlich erwarten, aber das Leben bietet ja auch einem Wallach noch eine Menge anderer schöner Momente.

Einer davon war sicherlich meine Begegnung mit Oscar, meinem - seiner Ansicht nach - dominantem Besitzer und Reiter. Seit sechs Jahren gehen wir nun schon unseren gemeinsamen Weg, beziehungsweise schleppe ich ihn über Stock und Stein. Und genau so lange schüttet er mir sein Herz aus. Aber lest selbst …

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Na nun, dass klingt ja so, als ob Oscar auf dem Parkplatz die Bremsen quietschen lässt. Wenn ich mir den Stand der Sterne anschaue, müsste es kurz nach Mitternacht sein. Ist er jetzt unter die Schlafwandler geraten? Oder ist etwas Schreckliches geschehen? Oder hat er etwas Schreckliches vor? Zu einer so ungewöhnlichen Zeit war er ja noch nie hier.

Da kommt er auch schon angekeucht. Verfolgt wird er nicht. Es muss sich etwas Furchtbares in seinem Kopf abspielen, das ihn durch die Nacht treibt, wie den Vater auf der Suche nach seinem Kinde.

„Freddy, Freddy. Steh auf! Wir haben es geschafft.“

Sieh mal an, er weiß, dass ich mich heute zum Schlafen hingelegt habe. Aber nicht, weil ich es geschafft habe, sondern weil ich geschafft bin: So ein gemeinsamer Nachmittag mit Oscar schlaucht nämlich ganz schön - allerdings mehr mental als körperlich!

„Freddy, schau dir das an: Das schönste Tor seit 24 Jahren.“

Vor 24 Jahren war es mir noch 14 Jahre vergönnt, dieser seltsamen Welt samt ihren seltsamen Bewohnern - wen ich damit wohl meine - fern zu bleiben. Und in den 10 Jahren, die ich über diese Erde trabe, habe ich mir noch keine Gedanken über die Schönheit der Tore gemacht, durch die ich mehr oder weniger hindurch gezwungen worden bin.

„So ein Tor schießt man nur einmal im Leben. Das ist so wunderbar, dafür habe ich dir eine Banane mitgebracht.“

Verschone mich mit dem Gebrüll um dieses Tor. Ich habe nichts damit zu tun und will auch nichts davon wissen. Und die Banane fresse ich nur, weil ich sie als Wiedergutmachung dafür ansehe, dass du mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen hast.

„Hier kannst du selber sehen, was für eine Granate im gegnerischen Tor eingeschlagen ist.“

Oh, jetzt kommt wieder dieses Tablet zum Einsatz. Davon trennt er sich wohl überhaupt nicht mehr?

„Erst dieser Alleingang auf der linken Seite ... Dann der Traumpass ... Dann diese Ballannahme mit der Brust ... Und jetzt schau: ... Er lässt sich die Kugel auf den linken Spann fallen und drückt ins lange Eck ab ... Und was macht der Keeper? ... Der springt in die kurze Ecke. ... Tooor! ... Wir haben den Titel gewonnen!“

Jetzt wirst du meinen Leidensgenossen in den anderen Boxen das alles auch noch mal erklären müssen. Von deinem Geschrei sind alle wach geworden. Wahrscheinlich befürchten sie, dass ein Feuer ausgebrochen ist oder jemand den Hafer stehlen will, obwohl der bestimmt nicht so einen Krach machen würde.

„Mein liebes Freddchen. Nein. Mein lieber Freddy, ...“

Jetzt wird er pathetisch. Und mein Oscar wischt sich tatsächlich die Tränen aus den Augen.

„... du bist mit 99,9-prozentiger Sicherheit das erste Pferd, das diesen historischen Treffer zu sehen bekommen hat. Nach dir werden sich andere Pferde ebenfalls ein Bild davon machen können. Aber du wirst immer der Erste gewesen sein. Und darum bin ich so stolz auf dich!“

Und noch stolzer kannst du auf dich selber sein, mir das ermöglicht zu haben. Dass ich mir dafür die halbe Nacht um die Ohren schlagen muss, dass dafür fast der Katastrophenalarm im Stall ausgerufen worden ist, kehren wir unter den Teppich. Hauptsache du hast mich zum einmaligen Pferd gekürt und kannst dich jetzt in meiner bzw. deiner Einmaligkeit sonnen!

„So ist es. Jetzt muss ich aber los. Der große Sieges-Autokorso wartet auf mich.“

Hau bloß ab!

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Weitere Kurzgeschichten von mir gibt es auf meiner Webseite:

https://katermoritzspricht.de/fantasy-stories

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Butterblume am 30.04.2026:
Kommentar gern gelesen.
Deine Geschichte hat einen Oscar verdient.

Gern gelesen.

Beste Grüße




geschrieben von Kater Moritz am 30.04.2026:

@Butterblume
Vielen Dank fürs Lesen und Dein Lob! 😀
Es grüßt
Kater Moritz

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