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geschrieben von Kater Moritz.
Veröffentlicht: 14.04.2026. Rubrik: Abenteuerliches


Eine böse Überraschung

Zwischen ihren beiden Gemütszuständen, Faromas Vorsicht und Gwynthias Optimismus, hin und her gerissen, näherten sich die Gefährtinnen den Festungszinnen. Obwohl schon eine geraume Weile ins Land gezogen sein musste, als der Riese von den gewaltigen Pfeilen niedergestreckt worden war, schließlich wäre sonst mehr von ihm übriggeblieben als seine von der Sonne ausgebleichten Knochen, hielt es Faroma für durchaus möglich, dass die Waffen, die solche Geschosse aus der Burg heraus zu schleudern vermochten, jetzt auf sie zielten.

Gwynthia dachte ähnliches, allerdings zweifelte sie daran, so einfach beschossen zu werden. Dafür gab es keinen Grund. Sie kamen zwar als Fremdlinge, aber warum sollte die Burgbesatzung ihnen deshalb von vornherein böse Absichten unterstellen? Viel wahrscheinlicher war es doch, dass man sie in die Festung ließ, um zu erkunden, was sie in diese Gegend geführt hatte. Sollten sie dann den Eindruck erwecken, feindlich gesinnt zu sein, wären Unannehmlichkeiten allerdings denkbar. Gelänge es ihnen jedoch, mit ihrer Friedfertigkeit überzeugen zu können und zudem die Warnung von den dem Weiher entstiegenen Kreaturen loszuwerden, hätten sie wohl nichts zu befürchten.

Zum Glück für die beiden Kriegerinnen bestätigten sich Gwynthias Ansichten. Sie erreichten mühelos das Burgtor und wurden eingelassen.

Als die beiden Flügel des Durchlasses wieder zu schwangen, witterten die Pferde das Wasser eines naheliegenden Brunnens. Sie waren nicht mehr zu halten und stürmten dorthin. Hierfür zeigten die Burgwachen Verständnis. Lachend folgten sie dem durstigen Quartett. Faroma und Gwynthia sprangen aus den Sätteln. Sie knieten sich neben die Pferde am Brunnenrand und labten sich an dem kühlen Nass. Als sie ihren Durst gestillt hatten, wandten sie sich den Bewaffneten zu.

Erst jetzt bemerkten sie, dass ausschließlich Frauen in den Rüstungen steckten. Desgleichen wurden sie von einer Menge umringt, in der sie nur kleine Mädchen und Frauen aller Altersstufen erkennen konnten. Jungen, Männer oder gar Krieger waren nicht dabei.

Nun wollten sie nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und ihre Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen, schließlich rechneten sie damit, bald über das Warum aufgeklärt zu werden.

„Wir danken euch dafür, dass ihr uns Einlass in eure Feste gewährt habt“, sagte Faroma deshalb erst einmal.

Und Gwynthia fügte hinzu: „Wir sind zwei Kriegerinnen, die die Welt durchstreifen. Und wir kommen mit friedlichen Absichten. Es liegt uns fern, Ärger zu machen. Dagegen sind wir jederzeit bereit, Hilfe zu leisten, wenn die erbeten wird.“

Die Wachen nickten. „Wir werden euch zu unserer Fürstin und Priesterin geleiten. Dort könnt ihr berichten, was euch hergeführt hat.“

Das war ganz im Sinne der Gefährtinnen.

Im Palast gewährte ihnen die Herrscherin die erhoffte Audienz. Allerdings mussten sie vorher ihre Waffen ablegen. Sie berichteten von ihren Abenteuern, ließen aber die dem Weiher entstiegenen Kreaturen vorerst unerwähnt. Diese Neuigkeit wollten sie sich aufsparen, um davon später profitieren zu können. Vorläufig sollten sich ihre Gastgeber deshalb nicht unter Dankbarkeitsdruck gesetzt fühlen.

Nachdem Faroma und Gwynthia der Fürstin von sich berichtet hatten, verstummten sie. Jetzt erwarteten sie, etwas von dem Burgvolk zu erfahren, denn sicherlich hätte die Herrscherin viel zu erzählen, unter anderem auch davon, wo die Männer abgeblieben waren und welche Geschichte sich um das Skelett des Riesen rankte. Erstaunlicherweise blieb die Fürstin sehr schmallippig. Hatte sie vorher noch Einzelheiten von Faromas und Gwynthias Erlebnissen erfragt, skizzierte sie nun nur ein grobschlächtiges Gemälde von sich und den ihren. Dafür benötigte sie lediglich wenige Sätze. Was sie preisgab, machte die Gefährtinnen nicht wirklich klüger. Alles, was die Feste betraf, blieb für sie weiterhin im Dunkeln.

Doch eine Überraschung präsentierte ihnen die Herrscherin noch. Sie erkundigte sich nämlich nach ihren Erlebnissen am Weiher, und das, obwohl Faroma und Gwynthia mit keiner Silbe erwähnt hatten, dass sie dort gewesen waren. Da sie nicht so unhöflich sein wollten, dieses Abenteuer zu verleugnen, schilderten sie auch jene Ereignisse. Gwynthia ergänzte den Bericht noch um ihre Befürchtung, dass das aus dem Wasser gestiegene Heer einen Angriff auf die Burg planen könnte.

„Wenn sie euch tatsächlich angreifen, werden wir euch natürlich zur Seite stehen und die Burg verteidigen, als wäre sie unsere Heimstatt“, versicherte Faroma.

„Oh ja. Ihr werdet die Burg erretten“, erwiderte die Fürstin mit einem kalten Lächeln. Zumindest erschien es den Gefährtinnen ein solches zu sein.

Dann überschlugen sich die Geschehnisse. Die Fürstin bellte einen Befehl heraus. Sofort tauchte wie aus dem Nichts die Palastwache auf. Sie umstellte die beiden Kriegerinnen. Wie in vielen bereits erlebten Gefahrensituationen auch griffen die nach ihren Schwertern, fassten aber ins Leere. Unbewaffnet mussten sie sich kampflos ergeben und wurden ins Verlies geschleppt, das tief unter den Palast aus dem Fels herausgeschlagen worden war.

Die Wächterinnen warfen sie in eine lichtlose, übelriechende Zelle, in der sie sich als einzige Eingekerkerten wähnten. Bald machte sich jedoch ein weiterer Insasse bemerkbar. Mit rauer, kaum verständlicher Stimme krächzte er die Beiden an. Nach geraumer Zeit konnten sie seine Laute deuten und erfuhren Schreckliches.

Ihr Leidensgefährte war der einzige Mann, der in der Burg noch existierte. Alle anderen waren von der Fürstin und der ihr ergebenen Meute geopfert worden. Man hatte sie den Weiherkreaturen zum Fraß vorgeworfen, die dafür die Feste ungeschoren ließen. Jedoch nur für eine gewisse Zeit. In unbestimmten Abständen tauchten die Untoten immer wieder vor den Mauern auf und verlangten nach frischer Beute. Seit es keine männlichen Untertanen mehr gab, wurden Fremdlinge überwältigt und gefangengesetzt, um als Opfer zu dienen.

„An einem heiligen Orte, der von mystischen Stelen eingeschlossen ist, lässt die mörderische Herrscherin des Nachts Feuer entzünden, durch die die als Opfergabe verdammten Gefangenen schreiten müssen, um gereinigt zu sein, bevor die Untoten über sie herfallen“, wusste der Leidensgenosse zu berichten. „Dieses Schicksal steht auch euch bevor. Und ich bin nur deshalb hier und noch am Leben, weil man mich dazu auserkoren hat, den armen Kreaturen, denen diese Pein gewiss ist, von ihrem schrecklichen Ende zu berichten. Denn nichts ergötzt die Fürstin mehr, als um das Grauen zu wissen, das die Gefangenen nach meinen Worten in ihren letzten Lebensstunden quälen wird.“


Weitere Kurzgeschichten von mir gibt es auf meiner Webseite:

https://katermoritzspricht.de/faroma

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen

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