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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von AndyLoginius (Andy Loginius).
Veröffentlicht: 03.05.2026. Rubrik: Menschliches


Ruhestand in Sonnenruh

Ruhestand in Sonnenruh
Es war ein ganz normaler Dienstagmorgen im Wohngebiet "Sonnenruh". Herr Krüger
stand um 6:04 Uhr am Fenster und stellte fest, dass sein Wecker seit Jahren
arbeitslos war - sein Körper hatte den Job längst übernommen. "Das Leben wird
langsamer", murmelte er, "außer mein Rücken. Der bleibt konsequent im
Leistungssport."
Unten im Treppenhaus traf er Frau Meier, die bereits in Gedanken - wie ein
Algorithmus - ihren Tag durchging: Arzttermin, Apotheke, Kaffee. "Rente ist wirklich
verrückt", sagte sie. "Früher hatte ich Termine. Heute habe ich einen Lebenslauf in
Kalenderform."
Sie gingen gemeinsam zum Bäcker, denn Frühstück ohne soziale Interaktion galt in
Sonnenruh als verdächtig.
"Früher war ich im Stress", sagte Herr Krüger und betrachtete die Warteschlange.
"Heute bin ich im Ruhestand ... und trotzdem müde." Frau Meier nickte. "Ich habe
endlich Zeit für alles. Ich vergesse nur manchmal, was alles war."
Am Tisch saß bereits die kleine Rentnergruppe, die sich jeden Morgen traf, um die
wirklich wichtigen Themen zu besprechen: Wetter, Gelenke und die Frage, warum der
Tag schon wieder so schnell vorbeiging.
"Rentner sind die einzigen Menschen, die sich über Post freuen", sagte einer stolz
und hielt einen Umschlag hoch. "Außer Rechnungen", ergänzte jemand trocken.
Herr Krüger nahm einen Schluck Kaffee. "Früher hatte ich Karrierepläne. Heute habe
ich Einkaufszettel in Großbuchstaben." "Das ist Fortschritt", sagte Frau Meier.
"Immerhin kann man die noch lesen."
Ein kurzer Moment Stille entstand, in dem alle über das Leben nachdachten. Die
Stille unterbrach Herr Koslowski, der Witzbold der Gruppe. Er erzählte immer
Sprüche und kleine Geschichten, lenkte vom Alltag ab und brachte alle zum Lachen.
"Neulich habe ich einen alten Bekannten getroffen", begann er. "Der wollte mit 72
eine 20-jaehrige heiraten. Aber die Rentenversicherung hat es ihm verboten." "Wie?
Warum? Weshalb?", fragte die Runde. "Die Begründung war plausibel", grinste
Koslowski. "Wenn er in ein paar Jahren stirbt, müsste die Rentenkasse der jungen
Frau 40 Jahre lang Rente zahlen."
Alle lachten und amüsierten sich koestlich.
Dann stand Herr Krüger auf und sagte: "So. Ich gehe jetzt nach Hause. Mein Sofa hat
mich seit einer Stunde nicht gesehen - das wird emotional."
Die Gruppe löste sich auf, jeder in seine eigene kleine Welt aus Ruhe, Routine und
dem festen Vorsatz, morgen wieder genau dasselbe zu machen - nur vielleicht mit ein
bisschen früherem Kaffee

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von lüdel am 03.05.2026:

Ich habe ich sehr gerne gelesen.
Lüdel🧚‍♂️

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