Veröffentlicht: 11.01.2026. Rubrik: Nachdenkliches
Der Zug des Lebens.
Der Zug des Lebens
Manchmal denke ich zurück an den Moment,
als mein Sohn nach der vierten Klasse
seinen nächsten Zug besteigen sollte.
Ein neuer Abschnitt, ein anderes Gleis.
Zum Abschied schenkten die Kinder ihrer Lehrerin
kleine Worte, kleine Funken Dankbarkeit.
Wir schrieben damals einen Reim:
Die Schule verging wie im Flug,
mal leicht, mal schwer, mal voller Fahrt.
Nun wartet auf mich der nächste Zug
Frau Backhaus, danke für die gute Art.
Und je älter dieser Spruch wird,
desto wahrer scheint er mir.
Denn wir alle reisen.
Wir halten an, steigen um,
verpassen manchmal den Anschluss
oder verlassen den Wagon früher als gedacht.
Auf unserer Fahrt begegnen wir
Eltern, Großeltern, Geschwistern,
Menschen, die uns prägen.
Irgendwann steigen sie aus,
manche leise, manche plötzlich.
Ihr Platz bleibt warm,
doch das Abteil wirkt leerer.
Trotzdem rollt der Zug weiter.
Neue Gesichter setzen sich zu uns,
Freundschaften, Lieben, Kinder,
ganze Generationen, die einsteigen
und unser Abteil mit Leben füllen.
Diese Reise trägt alles in sich:
Freude und Frieden,
Toleranz und Zärtlichkeit,
aber auch Schatten
Neid, Leid, Trauer,
manchmal sogar Gewalt und Unrecht.
Und doch liegt es an uns,
welche Gäste wir mitnehmen.
Freundlichkeit darf bleiben,
Respekt soll sitzen,
Liebe bekommt den Fensterplatz.
Hass, Neid und Krieg
lassen wir auf dem Bahnsteig stehen.
Sie sollen unseren Zug
nicht mehr erreichen
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