Veröffentlicht: 02.01.2026. Rubrik: Nachdenkliches
Einsteins-Realativitätstheorie
Robert und Tina hatten die Luxusvilla der Tante geerbt und wollten sich nun bei der Nachbarschaft vorstellen. Die Gäste waren fast ausschließlich Akademiker: Ingenieure, Manager, Ärztinnen, ein Physiklehrer – kurz: Menschen, die Diskussionen führten, als wären sie auf einem Podium.
Robert, Klempner, und Tina, Köchin, hielten sich höflich zurück. Hauptsache, die Häppchen waren warm und die Gläser voll.
Mitten in einer Debatte über Kunst, Politik und Weltfrieden fragte Eva, die Ärztin:
„Ich habe neulich einen Artikel über Einstein und die Relativitätstheorie gelesen. Aber ehrlich gesagt – ich habe nichts verstanden. Kann mir das jemand erklären?“
Der Physiklehrer setzte sein pädagogischstes Lächeln auf.
„Natürlich. Aber das dauert eine halbe Nacht. Sehr komplex.“
Er sah Eva dabei so tief in die Augen, dass man meinen konnte, er wolle die Gravitation persönlich neu definieren.
Da meldete sich Robert, leicht beschwingt vom Bier:
„Also… ich kann das ganz einfach erklären.“
Alle drehten sich zu ihm. Ein Klempner, der Einstein erklärt? Das versprach Unterhaltung.
Robert stellte sein Glas ab, räusperte sich und begann:
„Nehmen wir mal rein theoretisch an, jemand berührt dich – sagen wir an der Schulter, am Arm oder am Ohrläppchen. Ganz egal wo. Wichtig ist nur: Es ist eine Berührung.“
Tina flüsterte warnend: „Robert… bitte.“
Doch Robert war im Erklärmodus.
„So. Und jetzt die Frage: Wer spürt die Berührung? Du – oder derjenige, der berührt?“
Eva dachte kurz nach. „Na ja… beide irgendwie.“
„Eben!“ rief Robert triumphierend. „Das ist Relativität! Für dich fühlt es sich so an, für den anderen anders. Die gleiche Situation – zwei verschiedene Wahrnehmungen. Und jeder ist überzeugt, seine Sicht sei die richtige.“
Die Akademiker nickten langsam. Der Physiklehrer sah aus, als hätte er gerade seine eigene Existenz hinterfragt.
Eva lächelte. „Das… ist tatsächlich einleuchtend.“
Robert hob sein Glas. „Einstein für Anfänger.“
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