Veröffentlicht: 24.04.2026. Rubrik: Satirisches
Robert und der Goldfisch
Robert und der Goldfisch
Robert, 35 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, arbeitete beim Finanzamt.
Ein gutmütiger, ehrlicher Mensch, der trotz aller Mühe immer auf der
Verliererseite stand. Seine Kollegen schoben ihm zusätzliche Akten zu,
sein Vorgesetzter übersah seinen Fleiß, und zu Hause warteten Chaos,
Streit und eine Frau, die lieber Netflix schaute, als sich um irgendetwas
zu kümmern.
Eines Morgens legte ihm ein Kollege einen dicken Stapel Akten auf den
Tisch.
„Robert, du bist doch so gründlich. Mach du das mal.“
„Aber das ist doch eigentlich dein Bereich…“
„Ja, aber ich hab gleich Feierabend.“
Es war 10:15 Uhr.
Nur am Wochenende fand Robert Ruhe. Beim Angeln, allein am See,
konnte er durchatmen. Doch selbst das wurde ihm vermiest.
War sein Fang groß, meckerte seine Frau:
„Super! Am Sonntag soll ich die Fische säubern, braten und einfrieren.“
War er gering, unterstellte sie ihm eine Affäre:
„Warst du wirklich angeln? Oder bei ihr?“
Egal wie er es machte — es war nie richtig.
Die Begegnung
Eines Abends, der See lag im goldenen Licht, spürte Robert plötzlich
einen kräftigen Ruck.
„Na endlich mal ein ordentlicher Brocken“, murmelte er.
Doch im Kescher lag kein Brocken — sondern ein großer, glänzender
Goldfisch.
Der Fisch blinzelte.
„Robert… du hast lange genug gelitten.“
Robert starrte ihn an.
„Ich… äh… trinke nie wieder Bier.“
Der Fisch seufzte.
„Ein Hecht wollte mich fressen. Du hast mich gerettet. Dafür erfülle ich
dir vier Wochenenden lang deine Wünsche.“
„Okay… äh… ich bräuchte ein neues Auto.“
Schwupp! Ein SUV stand am Ufer.
Robert fiel fast ins Wasser.
Der Aufstieg
Zu Hause erzählte er seiner Frau davon.
„Ein Goldfisch? Der Wünsche erfüllt?“
„Ja.“
Sie griff sofort nach einem Stift.
„Gut. Dann brauchen wir: neue Küche, neues Bad, neuen Garten — und
einen Pool. Einen großen. Und zwar schnell.“
Auch im Finanzamt blieb der Wandel nicht unbemerkt.
Sein Chef rief ihn ins Büro.
„Herr Müller, woher kommt der plötzliche Wohlstand?“
„Äh… das klingt jetzt komisch, aber… ein Goldfisch…“
Der Chef hob die Hand.
„Robert. Ich bin Beamter. Ich habe schon Schlimmeres gehört. Fahren Sie
fort.“
Robert erzählte die Geschichte.
Der Chef nickte ernst.
„Gut. Dann wünsche ich mir eine Yacht, ein Anwesen in Malibu und einen
Hubschrauber.“
„Äh… das ist nicht mein Fisch.“
„Robert… wir beide wissen, dass Sie das nicht entscheiden.“
Auch die Kollegen wurden plötzlich freundlich.
„Robert, alter Freund! Du siehst gut aus. Sag mal… könnte dein Fisch
vielleicht… äh… meine Kreditkartenprobleme lösen?“
„Ich dachte, du wolltest Feierabend machen.“
„Das war gestern. Heute bin ich teamorientiert.“
Vier Wochen lang erfüllte der Goldfisch jeden Wunsch — dann
verschwand er.
Kurz darauf erschien eine Prüfkommission.
„Woher stammen die Vermögenszuwächse?“
Alle zuckten mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Daten weg. Systemfehler. Vielleicht ein Update.“
Moral der Geschichte
Am Ende blieb nur eine Wahrheit übrig:
Wenn plötzlich Menschen reich werden und keiner weiß, woher — dann
ist das selten Zufall.
Es sind die üblichen Verdächtigen: jene Politiker, Banker und Lobbyisten,
die Korruption „Förderung“, Vetternwirtschaft „Netzwerkpflege“ und
Verantwortung „freiwillig“ nennen.
Und falls jemand fragt, wer schuld ist:
Wir sind nicht schuld!! Es war der Goldfisch!!
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