Veröffentlicht: 11.05.2026. Rubrik: Fantastisches
Das Hexenamulett, Teil 1
Da Rautus mich inspiriert hatte, meine zu Ostern geschriebene Geschichte, ihr wisst schon, das Mädchen, welches einen ganz besonderen Osterwunsch an den Osterhasen hatte, weiter zu schreiben, fange ich damit jetzt mal an.
Kapitel 1: Der seltsame Traum
Ein Klopfen an der Haustür erklang, und Clara wollte bereits öffnen, da kam ihre Mutter ihr zuvor. Ein recht junger Mann betrat das Haus, und Clara meinte, eine magische Aura an ihm zu verspüren. "Was verdammt nochmal willst du!", rief Claras Mutter Michaela. "Ich will reden, einfach nur mit dir reden, Michaela. Du kannst mir nicht ewig aus dem Weg gehen." "Reden?" Ihre Augen begannen zu funkeln, wie sie es immer taten, wenn Claras Mutter wütend wurde. "Du hast jede Chance zu reden verwirkt, indem du mich eiskalt angelogen hast!", rief Michaela, und Tränen der Wut liefen über ihre Wangen. "Verdammt! Ich musste es tun!" "Du musstest? Du musstest dafür sorgen, dass Clara ein Hybrid zwischen Hexe und Schamanin wird? Wolltest du sie etwa für ihr ganzes Leben zeichnen?" Die Wut ihrer Mutter wurde immer stärker, und Clara bekam es mit der Angst. Niemals hatte sie ihre Mutter so wütend gesehen. "Wie oft soll ich dir noch sagen, dass Clara nur so im Stande ist, die Dämonen zu vernichten!" "Das könnte dir nur so passen", erwiderte Michaela. "Du wirst Clara niemals bekommen, und ich möchte, dass du die Tür von außen schließt!" Der junge Mann atmete einmal tief durch und sprach dann etwas sanfter weiter. "Bitte, Michaela. Sei endlich vernünftig. Hier geht es nicht um irgendwelche Streitigkeiten zwischen uns als Partner, wie wir es damals waren. Hier geht es um mehr. Die Welt wird von Dämonen bevölkert werden, wenn Clara nicht in der Hexen- und Schamanenkunst ausgebildet wird. Willst du das?" "Meine Tochter wird ihre Kräfte nicht ausbilden. Seit ihrer Geburt trägt sie das Amulett, welches ich mit einem Blockadezauber versehen habe." "Du machst dir etwas vor!" Der Mann wurde wieder wütend. "Glaubst du wirklich, ein Hexenamulett wird gegen die Entwicklung der mentalen Gedankenenergie der Schamanen helfen? Das kannst du doch nicht wirklich glauben! Schamanen sind viel mächtiger, als es Hexen je sein könnten. Mit spätestens zwölf Jahren wird sie ihre Kraft entwickeln, und es ist meine Pflicht, sie dann zu unterstützen, bevor sie negative Energien durch ihre Gedanken freisetzt. Du kannst doch nicht wollen, dass es sie unvorbereitet trifft!" Michaela verzog keine Miene und schüttelte den Kopf. "Das Hexenamulett wird reichen. Ich erneuere den Zauber alle sechs Wochen. Und nun geh!" Dabei starrte sie ihn mit einem Blick an, welcher keinen Widerspruch zuließ. "Wenn ich Clara nicht lieben würde, würde ich sie einfach entführen", murmelte der Mann und verließ türenknallend das Haus.
Kapitel 2: Das Amulett
Schweißgebadet erwachte Clara und war sich für einen Moment nicht sicher, ob sie das geträumt hatte, denn die Szene wirkte so real. "Ich habe wohl viel zu viel in Zauberbüchern gelesen", dachte sie sich. Seit ihrem Osterwunsch waren zwei Jahre vergangen, und jetzt mit ihren zehn Jahren wusste sie ganz genau, dass es keinen Osterhasen gab. Dennoch war ihr Wunsch, eine Zauberin zu werden, geblieben. Das Buch über Hexen hatte sie sich durchgelesen. Dort stand, wer seine Hexenkraft freisetzen wollte, sollte im Vollmond einen besonderen Hexentanz vollführen. Clara hatte es getan, und nicht nur einmal. Leider war es vergeblich. Nun wanderten Claras Finger zu dem Amulett, welches sie am Hals trug. Es war sternförmig und glitzerte in verschiedenen Farben. Schon öfter wollte sie es ablegen, doch ihre Mutter bat sie inständig, dies niemals zu tun. "Das ist ein Erbstück deiner Großmutter! Sie ist sehr traurig, wenn sie vom Himmel hinunterschaut und sieht, dass du dein Amulett nicht trägst." Daher hatte sie es bisher immer getragen, doch nun erwachte eine Neugier in ihr. Was würde passieren, wenn sie das Amulett abnahm? Sie sah in den Himmel hinauf und stellte fest, dass heute Vollmond war, also war dies der beste Zeitpunkt. Bevor sie es sich anders überlegen konnte, entfernte sie das Amulett von ihrem Hals. Ihr Hexenbuch begann plötzlich zu leuchten, und die letzte Seite veränderte sich. Bisher war diese immer leer gewesen, und Clara hatte sich schon oft gefragt, warum. Nun stand jedoch ein Text über Hexenamulette auf der Seite. "Hexenamulette dienen dazu, entweder die Hexenkraft zu verstärken oder bei einem Fluch die Kraft zu dezimieren. Außerdem kann es auch die Kräfte einer Hexe blockieren." Clara blieb die Luft weg, und sie starrte mehrere Sekunden auf die Seite. Dann zog sie sich an und ging in den Garten hinaus, wo sie den Hexentanz vollführte. Auf einmal bemerkte sie eine seltsame Kraft in sich. Eine gewaltige Kraft ließ Clara zu Boden gehen, und ein Wunsch wurde in ihr wach. Sie begann, eine Liebe für die Natur zu entwickeln, und plötzlich setzte sich eine Eule auf ihre Schulter. "Schön, dass du endlich eine Hexe bist!", rief die Eule. "Ich bin übrigens Felicia." Clara freute sich sehr, dass sie nun mit Tieren sprechen konnte, da sah sie noch etwas Anderes. Ein durchsichtiger Geist näherte sich ihr. "Mein Name ist Agorius, ich bin ein Schutzgeist und immer für dich da." "Seit wann haben Hexen denn Schutzgeister?", fragte Clara. "Normalerweise gar nicht. Sie können zwar auch mit einem mächtigen Ritual Geister beschwören, aber ich bin ein schamanischer Geist." "Was ist denn ein Schamane?", wollte Clara wissen. "Auf der Erde würde man ihn womöglich mit einer Hexe gleichsetzen. Sie denken, ein Schamane ist ein Heiler. Das sind wir zwar auch manchmal, aber wir unterscheiden uns deutlich von Hexen. Hexen benötigen für alle Zauber komplizierte Formeln. Schamanen besitzen eine Gedankenenergie in sich. Jeder Gedanke, welchen ein Schamane denkt, kann in Erfüllung gehen, wenn er noch nicht gelernt hat, diese Macht zu kontrollieren. Außerdem können wir Energien senden, welche entweder gut oder böse sind. Hexen und Schamanen mögen sich absolut nicht." Clara sagte für einen Moment nichts. "Dann bin ich ... eine Schamanin oder eine Hexe?" "Beides", erklärte der Geist. "Der Traum ... jetzt macht alles Sinn!" "Ich habe es bereits in deinen Gedanken gelesen. Dieser Traum war eine Vision, ein erstes Anzeichen schamanischer Kräfte. Der Blockadezauber gegen Hexenmagie hat scheinbar heute Nacht gegen Schamanenmagie versagt." Clara wurde ein wenig mulmig zumute. Die Angst, dass jeder Gedanke nun in Erfüllung gehen würde, packte sie. "Keine Sorge. Das funktioniert erst, wenn du zwölf Jahre alt bist", erklärte Agorius.
Fortsetzung folgt
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