Veröffentlicht: 24.05.2026. Rubrik: Fantastisches
Die Hexenakademie, Teil 4
Kapitel 7: Eine böse Überraschung
Zwei Jahre waren inzwischen vergangen, und Clara reifte körperlich und geistig immer mehr zu einer jungen Frau heran. Sie war nun zwölf Jahre alt und hatte schon viel gelernt. Inzwischen hatte sie auch einen Hexenbesen im Hexenwald gefunden und lernte das Fliegen darauf. Immer wieder wurde sie jetzt von Saphiras Tochter Astasia unterrichtet, wenn die Hexenmeisterin verhindert war. Heute war es wieder einmal soweit, und Clara bekam Flugunterricht von Astasia. Astasia führte mehrere Manöver vor, und Clara machte sie nach. Dann jedoch flog sie in eine andere Richtung. "Heute möchte ich dir etwas am Friedhof der Hexen zeigen", erklärte Astasia, und Clara wurde ein wenig mulmig zumute. Bald schon landeten sie auf dem Friedhof und spazierten noch eine Weile, bis Clara ein Flimmern sah, welches sie nicht passieren ließ. "Du weißt, wie man Schutzzauber aufheben kann", stellte Astasia nur fest und nickte dem Mädchen auffordernd zu. Clara atmete tief durch und legte ihre Hand aufs Herz. Dann murmelte sie konzentriert und langsam den Zauberspruch. Sofort verschwand das Flimmern und gab ein tiefes Loch frei, welches keinen Boden erkennen ließ. Astasia kletterte zuerst hinein und winkte Clara aufmunternd zu. Etwas ängstlich folgte sie der Hexe. Sie gelangten in ein unterirdisches Höhlensystem, und als Clara den Boden berührte, spürte sie sofort etwas Dunkles von dieser Höhle ausgehen. Es war eine Magie, welche ihr vertraut vorkam, aber woher? Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Dies war die Magie, welche sie gespürt hatte, als sie vor zwei jahren den Geisterdämon vernichtet hatte. Clara wollte instinktiv einen Schutzschild um ihren Geist weben, doch es war schon zu spät, denn sie spürte das Eindringen einer fremden Kraft. Es ging so schnell, dass sie kaum reagieren konnte, und eine seltsame Leere machte sich in ihrem Geist breit. Für einen Moment rasten ihre Gedanken noch, und sie wollte ihre Magie benutzen. Doch mit jeder Sekunde spürte sie, wie ihre Gedanken immer mehr verschwammen.
Kapitel 8: Hilflos
So als wäre es ein Traum, nahm Clara Astasias Stimme weiterhin wahr. Die Hexe gab ein lautes, boshaftes Lachen von sich und murmelte einen Hexenspruch. "Ich habe Botschaften an alle Hexen geschickt. Bald werden sie kommen, und dann wird mein Dämon ihre Seelen und Kräfte an sich nehmen!" Clara hätte Angst empfinden müssen, doch der Zugang zu ihren Gefühlen wurde von etwas Mächtigem blockiert. "Du willst Angst haben?", fragte die Gedankenstimme des Dämons. "Dann werde ich dir diesen Wunsch erfüllen!" Eine Welle der Panik überrollte Clara in diesem Moment und drückte sie unbarmherzig nieder. Clara rang nach Atem und versuchte, sich zu beruhigen, doch der Zugang zu ihren Gedanken war ihr weiterhin verwehrt. Plötzlich spürte sie jedoch wieder etwas. Es war Agorius, welcher sich zwischen sie und den Dämon stellte und diesen aus ihrem Geist warf. Sofort konnte sie wieder auf ihre Magie zugreifen und erschuf eine Barriere. "Tut mir Leid, dass es nicht schneller ging, aber die Hexe hat einen Bannkreis gezeichnet. Es war nicht leicht, diesen zu durchdringen." Ein Knurren kam aus Astasias Kehle, als sie merkte, dass Clara nun wieder frei war, und sie murmelte konzentriert einen Hexenspruch. Ein schwarzer Kater kam aus dem Nichts und setzte sich auf Astasias Schulter. Clara überlegte nicht lange, sondern öffnete die Tür zu ihrer Magie und dachte einen einzigen Gedanken. "Töte den Kater!" Da sie gelernt hatte, dass Hexen, welche ihre Vertrauten verloren hatten, entweder starben oder einen Großteil ihrer Hexenkraft einbüßten, war dies Claras Hoffnung. Tatsächlich starb der Kater, und Clara spürte förmlich, wie die Hexenmagie aus der Hexe wich. "Du glaubst wohl, damit kannst du mich schwächen?" Ein Gedankenzauber traf ihren Geist, welcher sie augenblicklich in Tiefschlaf versetzt hätte, hätte sie ihre Barriere nicht. Nun traf sie die Erkenntnis. "Du ... bist auch eine Schamanin?", fragte sie. Astasia lächelte. "Nein, eine Schamanin bin ich nicht, aber ich bin eine Verbindung mit dem Dämon eingegangen und habe seine Kräfte erhalten. Du wirst mich niemals besiegen!" "Das werden wir noch sehen!", erwiderte Clara und versuchte, ihre Stimme selbstbewusst klingen zu lassen, was ihr einigermaßen gelang.
Fortsetzung folgt
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