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geschrieben 2026 von Doris Fischer.
Veröffentlicht: 29.05.2026. Rubrik: Nachdenkliches


Verlorene Jahre

Bereits beim Aufwachen geistern wieder negative Gedanken durch ihren Kopf so wie jeden Morgen. Diese zerstörerischen Gedanken, die sich nicht verscheuchen lassen, kreisen immer um die gleichen schrecklichen Themen : um den verhassten Job, um die täglichen Mobbingattacken der toxischen Kollegen und um die traurige Tatsache, dass sie immer noch keinen Partner gefunden hat, der sie liebt so wie sie ist, mit all ihren Schwächen, aber auch ihren Stärken und ihrer empathischen Art, und der mit ihr das Leben teilen möchte, und sie nicht ablehnt und wieder fallen lässt. Auch eine gute Freundin, mit der sie sich über ihre Sorgen austauschen könnte, fehlt ihr ebenfalls. Es tauchen immer nur oberflächliche Menschen in ihrem Leben auf, die nur Spaß suchen, und nach kurzer Zeit wieder aus ihrem Leben verschwinden.

Durch diese unendlichen negativen Erfahrungen hat sich ihre jahrelange Lebenskrise in den letzten Monaten trotz Tagesklinikaufenthalt und psychotherapeutischen Gesprächen derart verschlimmert, dass sie sich dabei immer häufiger in „Weltuntergangsgedanken“ verstrickt. Sobald sie resigniert darüber nachdenkt, für immer alleine bleiben zu müssen, schießen ihr bereits wieder die Tränen in die Augen. Sie hasst die Menschen, sie hasst sich selbst und ihr beschissenes Leben.

Am liebsten würde sie sich die Decke wieder über den Kopf ziehen und heute einfach im Bett bleiben, und sich ihrem täglichen Gedankenkarussell hingeben. Sie empfindet schon wieder eine bleierne Schwere im ganzen Körper, eine aufsteigende Traurigkeit und eine zunehmend depressive Stimmung - und das alles am frühen Morgen, an dem die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und die Welt eigentlich noch in Ordnung sein könnte, wenn sie nicht diese katastrophale Lebenskrise hätte, diese quälende Einsamkeit, diese Ängste und die massiven Stimmungsschwankungen.

Unter diesen schrecklichen Umständen sieht sie keinen Sinn mehr im Leben. Sie hat den Glauben an alles verloren. Sie befindet sich in einer Sackgasse, aus der sie nicht mehr herauszukommen scheint. Die einzigen Menschen in ihrem Leben, die ihr etwas bedeuten und an die sie sich mit aller Kraft klammert, sind ihre Eltern. Sie haben ihr versprochen, immer für sie da zu sein und sie zu unterstützen, egal was noch kommt. Die Beziehung zu ihren Eltern gibt ihr an manchen Tagen ein klein wenig Kraft und Motivation, trotz der ganzen Probleme und Angstgedanken in ihrem Leben weiterzumachen und immer wieder stark zu sein und einen kleinen Funken Hoffnung zu haben, dass am Ende doch noch alles gut werden kann.

Jedoch kostet sie das ständige Hinfallen und das beschwerliche Aufstehen an den meisten Tagen unendlich viel Kraft, und sie ist sich nicht darüber im Klaren, wie lange sie diese Kraft und Energie noch aufbringen kann. Denn dazu fehlen ihr die nötige psychische Resilienz und es fällt ihr schwer, nach vorne zu schauen und darauf zu vertrauen, dass sich ihr Leben irgendwann zum Guten wendet.

Sie stellt sich oft die Frage, wie lange sie noch kämpfen muss, bis es das Schicksal einmal gut mit ihr meint, und endlich ein lieber Mann in ihr Leben tritt, der es ehrlich meint und sie liebt. Diese Frage jedoch bleibt ohne Antwort. Leider! Sie ist weiterhin einsam und alleine, unzufrieden und frustriert und muss trotzdem weiterkämpfen!!! Ihr Leben besteht gefühlt nur aus verlorenen Jahren! Stimmt das wirklich?

Nein, sagt eine innere Stimme, nein, das stimmt so nicht! Es gab auch viele schöne und unvergessliche Zeiten in ihrem Leben! Diese innere Stimme wird an diesem Morgen immer stärker und lauter und plötzlich wirft sie die Decke von sich und springt aus dem Bett. Die Schwere in ihrem Körper weicht in der nächsten Sekunde einer lange nicht mehr gefühlten Leichtigkeit, die sie dazu inspiriert, sich auf den neuen Tag, einzulassen. Vielleicht begegnet sie an diesem heutigen Tag einer neuen Chance, in ihrem „verlorenen“ Leben einen anderen und besseren Weg zu finden, der sie zunächst zu sich selbst führt und ihr zeigt, wie sie erfolgreicher mit ihrer Lebenssituation umgehen kann, und wie sie lernt, sich selbst so anzunehmen, um eines Tages aus ihrer Krise herauszufinden.

Diese Gedanken geben ihr neue Kraft und einen plötzlich aufkeimenden Lebenswillen und Energieschub, dieses Konstrukt in die Wirklichkeit umzusetzen. An diesem Morgen empfindet sie seit langer Zeit wieder einmal ein wenig Zufriedenheit und das selten gewordene Gefühl, dass alles gut werden kann!

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