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geschrieben 2026 von AndyLoginius (Andy Loginius).
Veröffentlicht: 29.05.2026. Rubrik: Nachdenkliches


Ruhestand in Sonnenruh

Ruhestand in Sonnenruh – Teil 2

In Sonnenruh begann ein neuer Tag – also das, was man dort Routine nannte: ein Wechsel aus Frühstück, Arztterminen und der Suche nach Gegenständen, die man vor fünf Minuten noch in der Hand oder zumindest gesehen hatte.

Herr Krüger hatte ein Problem: Seine Brille war verschwunden. „Ich schwöre, das Haus verschluckt Dinge“, sagte er. „Oder ich werde unsichtbar für meine eigenen Sachen.“

Frau Meier, die zufällig vorbeikam, nickte verständnisvoll. Gemeinsam starteten sie die Operation Brille, die offiziell als Spaziergang zur Küche begann und nach zwanzig Minuten im Badezimmer endete – ohne Erfolg.

In der Landbäckerei hatten sich inzwischen die Senioren versammelt. Jemand hatte eine Neuigkeit: „Der Supermarkt hat die Marmelade woanders hingestellt.“ – „Das ist psychologische Kriegsführung“, murmelte jemand.

Frau Meier und Herr Krüger kamen dazu. Herr Krüger, immer noch ohne Brille, sagte mit Würde: „Ich habe beschlossen, das Leben nicht mehr zu kontrollieren. Es gewinnt sowieso.“

Ein kurzer Moment der Nachdenklichkeit entstand.

Frau Gerda Schulz, 71 Jahre, Witwe und noch berufstätig, sagte: „Aber es gibt auch positive Neuigkeiten. Gestern las ich in der Zeitung, dass Arbeitnehmer, die mit dem Rollator zur Arbeit gehen, ab Juli eine Wegegeld‑Entschädigung bekommen. Ähnlich wie die Kilometerpauschale.“

„Ja, aber nur, wenn der Weg zur Arbeit mehr als drei Kilometer beträgt. Bis drei Kilometer ist es zumutbar. Danach gibt es zehn Cent pro Kilometer“, ergänzte einer aus der Runde.

Es wurde still am Stammtisch. Manche waren aufgeregt, aber gleichzeitig resigniert.

Plötzlich klingelte das Handy von Herrn Koslowski. „Hallo Opa! Wie geht es dir?“ – es war der Enkel. „Danke der Nachfrage. Man schlägt sich so durch“, sagte Koslowski.

„Opa, du hattest doch gestern ein Blind Date mit einer Dame. Wie ist das gelaufen?“
Koslowski überlegte kurz. „Ach, es sind doch meine Freunde hier. Da brauche ich keine Geheimnisse. Wenn ich sterbe, sollen sie sich an mich erinnern und lustige Geschichten über mich erzählen.“

Also erzählte er: „Gestern Nachmittag waren wir im Park verabredet. Sie kam pünktlich, ich auch. Ich lachte sie an, sie mich auch; dann haben wir dreißig Minuten im Gebüsch und im Gras unsere Zahnprothesen gesucht.“

Die Gruppe war still und nachdenklich. Immerhin hatte einer versucht, wenigstens kurzfristig aus dem Alltag auszubrechen.

Am Ende des Tages saßen sie wieder auf der Bank. „Das Leben wird nicht einfacher“, sagte Frau Meier.
„Aber wenigstens länger“, antwortete Herr Krüger.

Und irgendwo in Sonnenruh tickte eine Uhr, die niemand stellte – aber alle irgendwie hörten.

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