Veröffentlicht: 30.05.2026. Rubrik: Märchenhaftes
Der Traum
Ich höre den Kies unter meinen Füßen knirschen. Ein beruhigendes Geräusch. Durch das Flimmern der Hitze kann ich die blauen, verschwommenen Umrisse meines Vans sehen. Ich ziehe die Tür auf, spüre, wie das warme Leder unter meinem Gewicht nachgibt, und drehe den Zündschlüssel um.
Das Brummen des Motors ist wie ein rauer Gruß an den nahenden Mittag. Ich kurbel das Fenster herunter und spüre den Fahrtwind. Vor mir eine Straße, die kein Ende zu kennen scheint, während im Rückspiegel die zurückgelegte Strecke verschwimmt. Rote Felsen ragen aus der Erde – uralte Gesteinsformationen, die es schon gab, lange bevor an uns zu denken gewesen war.
Ich fahre lange, während sanfte Country-Klänge mein Gehör streicheln. Ein kleiner Kaktusanhänger pendelt im Takt der Musik am Spiegel hin und her. Dahinter, auf der Rückbank, sehe ich ihn sitzen. Ein alter Mann mit Federschmuck auf dem Kopf. Er ist stumm und beobachtet meine Fahrt, während hoch über mir ein Adler seine einsamen Runden dreht.
Ich mache erst Rast, als die Sonne langsam und rostrot von den Felsen und Hügeln verschluckt wird. Ich zünde das Lagerfeuer an, während der Mann wortlos in der Endlosigkeit der Steppe verschwindet.





