Veröffentlicht: 03.06.2026. Rubrik: Satirisches
Ein Hoch auf Hans
Ein Hoch auf Hans
Neulich stieß ich auf einen Cartoon, der den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft erstaunlich
treffend zusammenfasste.
Zu sehen war ein modernes Hochhaus. Auf den Balkonen herrschte beste Stimmung. Franzosen,
Italiener, Spanier und allerlei internationale Fachkräfte genossen das Leben. Hier wurde gegrillt,
dort getanzt, anderswo lachten die Menschen bei einem Glas Wein in die Abendsonne. Kurz
gesagt: Europa lebte seinen Traum.
Und dann gab es noch Hans.
Hans Wurst, 68 Jahre alt, betrat gerade die Szene. Während die anderen ihren Nachmittag
genossen, machte er sich auf den Weg zur Spätschicht. Die Arbeitstasche hing schwer über seiner
Schulter, sein Gesichtsausdruck erinnerte an jemanden, der freiwillig einen Zahnarzttermin
wahrnimmt.
In dem Moment geschah etwas Wundervolles.
Die Bewohner auf den Balkonen bemerkten Hans. Sofort beugten sie sich über die Geländer und
riefen ihm begeistert zu:
„Haaans! Viel Spaß bei der Arbeit! Wir zählen auf dich! Du schaffst das!“
Ein Chor der Solidarität hallte durch die Häuserschluchten.
Hans lächelte gequält. Er nickte tapfer. Was blieb ihm auch anderes übrig? Schließlich war er in
diesem Augenblick nicht einfach nur ein Arbeitnehmer. Er war ein Symbol. Eine Institution. Der
letzte tragende Balken des gesamten Gebäudes.
Während über ihm die internationale Nachbarschaft den Feierabend zelebrierte, marschierte Hans
weiter Richtung Fabrikhalle. Die „Unterstützung“ und „Motivation“ seiner Nachbarn waren ungefähr
so stabil und aufbauend wie ein Klappstuhl vom Discounter.
Der Cartoon endete an dieser Stelle.
Die eigentliche Pointe allerdings begann vermutlich erst mit dem Einstempeln.
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