Veröffentlicht: 14.06.2026. Rubrik: Fantastisches
Die verbotene 6. Magie, Teil 4
Kapitel 7: Erinnerungen
Nachdem Torius einen Spaziergang durch den nahegelegenen Wald gemacht hatte, zog es ihn wieder zum Verließ, um, wie er sich sagte, noch einmal zu kontrollieren, ob Ticias Magie noch immer außer Funktion und die Blockaden intakt waren. Insgeheim hatte er einen ganz anderen Grund, um noch einmal zu ihr zu gehen. Sein Herz schlug jedes Mal schneller, wenn er sie sah oder an sie dachte. Bevor er die Tür zum Verließ öffnete, sah er sich noch einmal um, ob ihn kein anderer Magier dabei beobachtete. Schließlich trat er ein. Die junge Todesmagierin lag noch immer mit geschlossenen Augen auf der Pritsche, und die Ketten waren noch immer intakt. Er konzentrierte sich auf ihre Magie und stellte fest, dass diese aufgehört hatte, sich gegen die Blockaden zu wehren. Vielleicht konnte er ihre Magie bald wieder eingeschränkt in Funktion setzen. Langsam ließ er sich auf dem Boden nieder und starrte an die Decke. Erinnerungen blitzten wieder vor seinem geistigen Auge auf. Seine Eltern hatten ihn ausgesetzt, als klar wurde, dass er Todesmagie in sich trug. Sein Mentor Aldor hatte ihn gefunden und aufgezogen wie sein eigenes Kind. Seine Magie hatte sich das erste Mal mit 14 Jahren gezeigt, und wenn er daran dachte, wurde er immer noch traurig über die Ausmaße seiner damaligen Magieentwicklung. Damals hatte er Aldors Frau ermordet, was ihm bis jetzt Schuldgefühle bereitete. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre lernte er, seine Magie zu kontrollieren, dennoch hatten sich die Schuldgefühle nie ganz unterdrücken lassen. Torius hatte keine richtigen Freunde, auch nicht unter den Todesmagiern, da er niemanden an sich herangelassen hatte. Jetzt konnte er jedoch nichts gegen die Gefühle tun, welche er für Ticia entwickelt hatte. War das tatsächlich Liebe? Plötzlich überkam ihn das Bedürfnis, ihre Hand zu halten, und er warf alle Bedenken über Bord. Zwar konnte sie darauf nicht reagieren, aber das störte ihn im Moment nicht. Er dachte über die Worte nach, welche sein Mentor gesagt hatte, als sie sich auf den Weg zu Ticias Elternhaus gemacht hatten. "Du wirst sehen, Torius. Bald haben wir eine neue Verbündete, und wenn sie ausgebildet ist, können wir Rache an den Magiern nehmen." Da hatte Torius noch genickt, denn er verspürte selbst ebenfalls einen Hass auf die Magier, da sie Todesmagier töteten und ihnen nicht die Chance gaben, ihre Kraft vielleicht sogar für etwas Gutes einzusetzen. Doch in dem Moment, als er Ticia gesehen hatte, hatte sich seine Meinung grundlegend geändert. Es fühlte sich wie ein Schalter im Kopf an, welcher umgelegt worden war. Es widerstrebte ihm zutiefst, Ticia für Rachepläne zu benutzen. Zum Glück waren nicht alle Todesmagier in dieser Gemeinschaft so rachsüchtig. Die meisten hatten sich nur zusammengetan, um einander gegenseitig zu helfen und vor anderen Magiern zu verstecken. Die Häuser der Todesmagier lagen fernab von Eskardia in einem tiefen Wald, welcher nur selten besucht wurde. Dennoch war Torius im Zwiespalt, weil er Aldors Frau getötet hatte. Er stand tief in seiner Schuld, denn sein Mentor hätte ihn dafür auch töten können. Nach etwa einer halben Stunde, wo er so vor sich hin grübelte, verließ er das Gefängnis wieder.
Kapitel 8: Aldors Pläne
Inzwischen saß Aldor im Wohnzimmer und summte eine fröhliche Melodie. Alles hatte bisher so geklappt, wie es sein sollte. Zwar missfiel es ihm, dass Torius Ticias Magie außer Funktion gesetzt hatte, doch das war für den Moment nicht zu ändern. Außerdem musste er zugeben, dass er doch ein wenig Respekt vor Ticias starker Magie hatte, welche er meilenweit spüren konnte. Solch eine starke Kraft hatte er noch bei niemandem gesehen, und dann noch zwei Arten der Magie. Lächelnd rieb er sich die Hände. "Du wirst meine Kriegerin sein", dachte er sich und stellte sich Ticia vor, wie sie eine Spur der Verwüstung in Eskardia hinterließ. Er musste es nur noch schaffen, sie ein wenig zu manipulieren, und er hatte ein paar Bedenken, was seinen Schützling Torius anging. Torius war viel zu weich für solch eine Aufgabe, befand er. Dennoch war er froh, dass dieser auf Ticia achtgab. Schnell erhob er sich nun und ging in den Keller seines Hauses. Dort hatte er einen Gefangenen, von dem keiner wusste. Nein, es handelte sich dabei keineswegs um einen Magier, sondern um einen einfachen, jungen Wanderer, welcher so töricht war, das Quartier der Todesmagier zu betreten und zu durchstöbern. Dario saß auf der Matratze, welche Aldor für ihn in den Keller gelegt hatte, als der Magier hineinkam. Die Augen des Mannes waren vor Angst geweitet. "Bitte, Herr. Lasst mich endlich gehen. Ich werde auch niemandem etwas verraten." Aldor schüttelte den Kopf. "Dann lasst mich wenigstens für euch etwas tun, was euch etwas nützt. Ich möchte nicht Tag für Tag hier eingesperrt sein!" Der Magier lächelte. "Die Lebensenergie, welche ich dir täglich abziehe, nützt mir am meisten. Außerdem hast du keine magische Kraft, sodass ich keinen Nutzen für dich als Diener oder Sklave habe. Meinen Haushalt erledige ich lieber selbst." Plötzlich erhob sich Dario und kam mit schnellen Schritten auf Aldor zu. Bevor dieser reagieren konnte, spürte er einen Tritt in die Magengrube. Dario benutzte ein Holzstück, welches irgendwo abgesplittert war, als Waffe und vollführte einen Angriff. "Ich will lieber sterben, als weiterhin dieses Verließ ertragen zu müssen!", rief er. Aldor griff schnell nach der Lebensenergie des Mannes. "Na gut, dann tue ich dir diesmal den Gefallen", sagte er grinsend, und Darios Körper erschlaffte bald. Nun hatte Aldor zwar keinen Gefangenen mehr, welchen er um seine Energie berauben konnte, aber zumindest musste er nicht immer mit einem Angriff eines aufsässigen Sklaven rechnen.
Fortsetzung folgt





