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geschrieben 2026 von Andy Loginius.
Veröffentlicht: 21.06.2026. Rubrik: Satirisches


Beobachtung aus der Perspektive

Ein Rabe saß oben auf einem Ast, weit über dem ganzen Durcheinander. Von dort oben sah die Welt angenehm klein aus: Probleme schrumpften, Verantwortung verdampfte, und unten rannte alles herum wie ein schlecht organisiertes Wahlkampfteam.
Nach einiger Zeit flog ein zweiter Vogel herbei, der aussah, als hätte er gerade eine Pressekonferenz ohne Inhalt hinter sich.
„Hey Rabe, was geht bei dir ab?“, fragte er. „Ich mache das, was die da unten auch machen: Ich schaue zu, kommentiere nichts und tue so, als hätte ich alles im Griff“, antwortete der Rabe. „Perfekt. Das ist exakt mein Kompetenzbereich“, sagte der Vogel und setzte sich dazu.
Die beiden saßen da wie zwei politische Beobachter, die alles sehen, aber für nichts zuständig sind.
Nicht lange danach hüpfte ein Hase vorbei. „Hallo ihr beiden! Warum sitzt ihr da oben so entspannt?“, fragte er. „Wir beobachten das Treiben da unten. Es ist wie Politik: viel Bewegung, wenig Ergebnis“, sagten die Vögel. „Klingt vertraut“, meinte der Hase. „Ich mache mit.“
Später kam ein Fuchs dazu, der aussah, als hätte er gerade eine Talkshow über „Sicherheit und Ordnung“ überlebt. „Was geht hier ab? Habt ihr keine Aufgaben?“, fragte er. „Doch“, sagten die drei. „Wir warten darauf, dass jemand anderes Verantwortung übernimmt.“ Der Fuchs nickte. „Das kenne ich aus der Regierung.“
Und so saßen sie alle herum und taten nichts — aber mit der Überzeugung, dass genau das ihre wichtigste Aufgabe sei.
Plötzlich kam ein Jäger aus dem Gebüsch. Er sah den Fuchs und den Hasen, dachte kurz nach und sagte: „Aha, zwei einfache Lösungen für meinen leeren Kühlschrank.“ Dann erledigte er beide, packte sie ein und ging davon.
Der Rabe schüttelte den Kopf und sagte spöttisch: „Tja, so läuft das: Wer unten bleibt, wird zuerst getroffen. Wer oben sitzt, nennt das dann ‚Sachzwang‘ oder ‚natürliche Ordnung‘.“
Moral der Geschichte
Bequemlichkeit schützt nicht vor Gefahr – außer man sitzt weit genug oben.

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