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geschrieben von Kater Moritz.
Veröffentlicht: 03.07.2026. Rubrik: Aktionen


Ein schwarzer Kater namens Peter

Mit einem trotzigen „Katze am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen“, hatte Lucille damals ihr Tun vor sich selber gerechtfertigt. Vielleicht wollte sie sich mit dem Spruch aber auch nur ein wenig Mut machen, das Wagnis einzugehen, dem schwarze Fellknäul, das eines frühen Morgens mitten auf ihrer Joggingpiste kläglich miaute, ein Zuhause zu geben? Wie auch immer? Jetzt war sie jedenfalls seit 3 Jahren eine Art Katermama. Beziehungsweise, um ihre Beziehung mit Kater Peter realistischer zu beschreiben, duldete sie der Kater seit dieser Zeit in seiner Nähe und erlaubte ihr, ihn zu füttern und zu verwöhnen. Allerdings konnte sie sich dieses Wohlwollens niemals dauerhaft sicher sein, denn Katzen im Allgemeinen und damit auch Kater gewähren Zweibeinern ihre Gunst stets nur zeitweise. Schnell kann es passieren, dass sie diese ihren Herrchen wieder entziehen, meistens ohne sie den Grund dafür wissen zu lassen.

Nach einigen frühen dieser Sympathieentzüge durch den Kater war Lucille auf die Idee gekommen, sich in gewisser Weise dafür zu revanchieren. Als das „liebe“ Peterchen eines Tages wieder einmal beschloss, seiner Ernährerin die kalte Schulter zu zeigen und all ihre Bemühungen um sein Wohlergehen zu ignorieren, ignorierte Lucille nun ihrerseits sein scheinbar ständig andauerndes Hungergefühl. Sein Futterschälchen blieb leer. Anfangs umschlich der Kater das plötzlich ziemlich nutzlos gewordene Behältnis. Er begann, es mit seinen Pfoten hin und her zu schieben. Hoffte wohl, dass das kratzende Schaben des leeren Schälchens auf den Fußbodenfließen der Küche Lucille dazu bringen würde, es endlich zu füllen. Als das nicht geschah, setzte er sich demonstrativ neben das Ding und peitschte mit seinem Schwanz durch die Luft.

Lucille lächelte ihn an. „Tja mein Freund“, erklärte sie ihm dann die Situation. „Wenn du dich stur stellst, mache ich das ab heute auch. Hochnäsigkeit wird in Zukunft zur Zwangsdiät führen. Ich denke, dass das nur fair ist. Du wirst deshalb jedoch nicht leiden müssen, es reicht, wenn du klein beigibst. Am besten zeigst du mir jetzt gleich wie klug du bist: Schnurre mich freundlich an und sofort werde ich auftafeln!“ Sie war sich sicher, dass er jedes ihrer Worte verstand. Und ihre pädagogische Strenge schien tatsächlich augenblicklich zum Erfolg zu führen. Kater Peter näherte sich ihrer ausgestreckten Hand und stupste die Finger mit seiner Nase an.

„Kluges Kätzchen“, lobte sie ihn daraufhin. Allerdings hatte sie die Rechnung ohne den Eigensinn ihres Mitbewohners gemacht. Statt unterwürfig zu schnurren, fauchte er sie plötzlich an. Er fuhr seine Krallen aus und hangelte sich an ihrem entblößten Arm zu ihrer Schulter hinauf.

„Aua. Das tut weh!“, jammerte sie und beäugte ungläubig die blutigen Kratzspuren, die seine Krallen auf ihrer Haut hinterlassen hatten.
Sein Mitleid hielt sich offenbar in Grenzen. Er fauchte ihr lediglich ins Ohr. Dann hechtete er mit akrobatischem Geschick von ihrer Schulter auf das Fensterbrett und schlängelte sich von dort durch das geöffnete Küchenfenster nach draußen.

„Wo willst du denn hin? Bleib doch hier! Ich bringe dir ja gleich dein Futter“, rief sie ihm hinterher. Alles ohne Erfolg. Der durch den Garten davoneilende Kater ließ sich durch ihr flehendes Rufen nicht bremsen. Er blieb weder stehen, noch warf er einen Blick zurück. Als wären tausend Dämonen hinter ihm her, verschwand er unter der Hecke.

Auf Nimmerwiedersehen, wie Lucille jetzt mit Tränen in den Augen befürchtete. Sie peinigte sich mit den schlimmsten Vorwürfen und schwur sich, ihr Peterchen nie mehr zu verärgern, egal, was er auch zukünftig anstellen mochte. Inständig hoffte sie, dass ihre Abbitte ihn erreichte und er schnell zurückkehren würde.

Zwei Stunden hielt sie es ohne ihn in der ihr jetzt völlig verwaist vorkommenden Wohnung aus. Dann trieb es sie nach draußen. Sie musste Peter suchen! Sie musste Peter finden! Unbedingt! Denn der arme Kerl hatte außerhalb ihrer vier Wände keine Chance, auch nur einen halben Tag zu überleben. Zumal er völlig ausgehungert mit quasi leerem Magen unterwegs und sicherlich schon irgendwo vor Schwäche zusammengebrochen war.

Lucilles erster Weg führte sie in den Garten. Zu der Stelle, an der Peter ein Schlupfloch in der Hecke gefunden hatte. Sie kniete sich hin und entdeckte einen Gang, der im Nachbargrundstück endete. Also konnte er dort drüben sein. „Peterli, du feines Kätzchen, es wird Zeit, dass du nach Hause kommst.“ Lucille stellte sich auf die Zehenspitzen, um wenigstens einen kleinen Blick über die Hecke werfen zu können. Leider war dort kein schwarzer Stubentiger zu sehen.
Es hieß für sie deshalb, ihren Suchradius zu erweitern. Sie durchkämmte als Nächstes die Straße, in der sie wohnte. Stöberte in jeder Ecke herum. Klingelte bei den Nachbarn. Sprach Spaziergänger an. Erkundigte sich sogar bei einem Paketboten, ob er auf seiner Tour nicht eine schwarze Katze gesehen hätte.

Als Lucille schließlich am späten Nachmittag die Wohnungstür hinter sich schloss, hatte sie praktisch jeden Winkel in ihrem Dorf durchforstet und wahrscheinlich auch mit jedem Einwohner gesprochen. Niemand konnte ihr weiterhelfen, aber alle versprachen, die Augen offenzuhalten und ihr Bescheid zu geben, sollte ihnen Peter über den Weg laufen.

Frustriert brühte sie sich einen starken Kaffee. Mit der noch heißen Tasse in der Hand stellte sie sich ans Küchenfenster und starrte, tief in Gedanken versunken, hinaus. Plötzlich wurde sie aus ihrer Grübelei gerissen. Jenseits der Scheibe tauchte ein dunkles Etwas auf, polterte gegen das Glas.

Lucilles Pupillen weiteten sich in feurigem Glanz. Ihr Mund verzog sich zu einem Lächeln, das dem spitzzähnigen Grinsen eines Vampirs glich. Ihre Kaffeetasse schien sich in einen eruptierenden Vulkan verwandelt zu haben. Und das alles nur, weil Kater Peter heimgekommen war.

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Weitere Kurzgeschichten von mir gibt es auf meiner Webseite:

https://katermoritzspricht.de/fantasy-stories

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!

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