Veröffentlicht: 08.07.2026. Rubrik: Fantastisches
Der Drache in ihrem Geist, Teil 3
Kapitel 5: Das Portal
Als Rebecca wieder erwachte, fand sie sich auf einer grünen Wiese wieder. Erschrocken öffnete sie die Augen und richtete sich auf. "Es tut mir Leid, Rebecca", sagte Yakaru in ihrem Geist. "Was hast du gemacht?", fragte das Mädchen wütend. "Ich habe im Schlaf deinen Körper übernommen und habe dich zum Portal gebracht, welches die Erde mit Skyrona verbindet. Du musst es nun betreten, Rebecca." "Warum hast du das gemacht?", fragte sie den Drachen. "Weil heute der Tag ist, an welchem neue Anwärter rekrutiert werden", erklärte der Drache. Ein Schmerz stieg in Rebecca hoch, denn sie hätte sich gerne von ihrer Mutter verabschiedet. "Keine Sorge. Deine Mutter wird dich nicht vermissen, ich habe ihr die Erinnerung an dich genommen." "Ich dachte, du kannst nicht auf die Erde gelangen?", fragte sie entgeistert. "Das kann ich auch nicht, aber wenn ich deinen Geist übernehme, kann ich mit etwas Magie zumindest mental hier sein." "Warum hast du ihr die Erinnerung genommen!" Rebecca spürte die Verzweiflung in sich aufsteigen. "Ich hätte sie gerne nach Skyrona mitgenommen." Für einen Moment meinte Rebecca, Bedauern in den Gedanken ihres Gefährten zu lesen, bevor er weitersprach. "Das ist leider nicht möglich. Nur du kannst das Portal passieren, weil du meine Auserwählte bist. Trete nun hindurch, Rebecca." "Mach das nie wieder mit mir!", schrie Rebecca den Drachen im Geiste an. "Ich verspreche es", antwortete Yakaru. Das Mädchen erhob sich und holte tief Luft, bevor sie auf das Portal zuging, welches wie ein Flügel eines Drachen aussah. Kaum hatte sie einen Schritt darauf gemacht, spürte sie, wie sie nach oben katapultiert wurde. Gerade als sie schon befürchtete, sich ob des rasanten Aufstieges übergeben zu müssen, landete sie weich auf einem Waldboden. Sechs Jungen und fünf Mädchen standen in einer Reihe, doch sie sahen ganz anders aus. Jeder von ihnen trug eine Robe, welche den gesamten Körper bedeckte und mit roten Drachenmustern bestickt war. Auch die Stiefel waren von solchen Mustern verziert. Außerdem fiel Rebecca noch etwas Anderes auf. Alle von ihnen wirkten kriegerisch und selbstbewusst. Nicht bedrohlich, aber als wären sie auf alles vorbereitet. Alle Blicke richteten sich nun auf Rebecca, und sie kam sich seltsam deplatziert vor. "Was trägst du für sonderbare Gewänder!", rief ein Mädchen. Rebecca senkte ihren Blick, denn sie wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. "Wo kommst du denn her?", fragte ein Junge neben ihr. "Scheinbar weißt du nicht, dass jeder Bürger von Skyrona eine Drachenrobe tragen muss, um den Drachen Respekt zu erweisen." "Ich ... ich komme von der Erde." Das Mädchen, welches vorhin gesprochen hatte, runzelte die Stirn. "Ist das eine andere Welt? Solch ein Land kenne ich hier in Skyrona nicht. Wie kann das sein! Nur Bürgern von Skyrona ist es gestattet, am Duell der Drachenreiter teilzunehmen!" Mit einer fließenden Bewegung zog sie ein Schwert aus einer Scheide, welche Rebecca noch gar nicht aufgefallen war. Auch die anderen Skyronier zogen Waffen. "Haltet ein!", rief Rebecca und hob ihre leeren Hände. Die feindseligen Blicke der anderen Anwärter verwandelten sich in Staunen. "Du trägst keine Waffe bei dir?", fragte ein Mädchen, und Rebecca schüttelte den Kopf. "Hast du denn schon jemals gekämpft?" "Nein." Rebecca spürte, wie die Röte ihr ins Gesicht stieg. "Wie bist du hier hergekommen?", fragte ein Anwärter. Für einen Moment schwieg Rebecca. "Erzähle ihnen, dass du dich auf einen Spaziergang gemacht und aus Versehen auf einen losen Stein getreten bist. Dann bist du hier gelandet." Rebecca berichtete, was Yakaru ihr empfohlen hatte. Langsam verloren die Anwärter ihre Angst und umringten das Mädchen, um sie mit Fragen über die Erde zu löchern. Zum Glück wurde Rebecca bald erlöst, denn ein seltsames Flugobjekt in Form eines Drachen landete auf dem Waldpfad. "Sind dies die Anwärter des Duells der Drachenreiter?", rief eine laute, strenge Stimme. "Ja!", riefen alle im Chor. "Steigt ein", kam der Befehl des Mannes, und alle gehorchten. "Mein Name ist Gordan, ich bin der Abgesandte der Drachenreiter", erklärte er, nachdem er alle Anwärter durchgezählt und zufrieden festgestellt hatte, dass es tatsächlich nur zwölf waren. "Gut, dass ihr nur zu zwölft seid", meinte er noch. "Sonst hätte einer von euch bereits jetzt in einem Kampf sein Leben lassen müssen." Rebecca spürte, wie sie die Angst überrollte. Wo war sie da bloß hereingeraten? Gordans Blick blieb für einen Moment an ihr hängen, und sein Gesicht zeigte Ärger. "Wo hast du deine Drachenrobe gelassen!", rief er. Rebecca starrte zu Boden, da sie nicht wusste, was sie darauf sagen sollte. "Sobald wir im Quartier sind, wirst du eine Robe bekommen, und zur Strafe wirst du die Erste sein, welche sich in einem Dreikampf behaupten muss." "Dreikampf?", fragte Rebecca geschockt. "Natürlich! Oder dachtest du, wir würden ein nettes Spiel miteinander spielen, um danach die Verlierer auszusortieren? Ein Drachenreiteranwärter geht immer das Risiko ein, bei einem Dreikampf zu sterben, denn er muss seine beiden Gegner vernichten, um weiterzukommen." Rebecca verschlug es die Sprache, doch es war auch nicht nötig, etwas zu sagen. In diesem Moment schoss das drachenartige Gefährt in die Höhe.
Kapitel 6: Ein Gespräch mit ihrem Drachen
"Was hast du dir nur dabei gedacht!", schrie Rebecca wütend. "Wie kannst du mich ohne Vorwarnung nach Skyrona schicken! Ich habe noch nie gekämpft! Willst du, dass ich bei dem Duell sterbe?" "Bleib ruhig, Rebecca", sagte Yakaru mit sanfter Stimme. "Du wirst nicht sterben, das verspreche ich dir." "Wie kannst du dir da nur so sicher sein?", fragte Rebecca den Drachen. "Das werde ich dir erst verraten, wenn ..." "Nein, Bürschchen! So kommst du nicht wieder davon! Ich warte jetzt so lange, bis ich die Antworten von dir bekomme!" Yakaru lachte in ihren Gedanken, bevor er wieder ernst wurde. "Ich kann sie dir hier noch nicht geben, Rebecca. Das würde dich zu früh in Gefahr bringen. Bitte vertraue mir." "Vertrauen? Ich soll dir vertrauen, nachdem du mir das angetan hast? Vergiss es!" "Du hast keine andere Wahl", erwiderte Yakaru. "Oh doch! Ich werde so lange nicht mit dir reden, bis du mir die Wahrheit gesagt hast!" "Nur zu. Ich habe Zeit", meinte der Drache. "Yakaru, ich habe Angst. Bitte sag mir, was los ist", flehte Rebecca nun. Ihr Gefährte seufzte laut auf. "Ich habe dir bereits erklärt, dass ich das noch nicht tun kann. Aber ich kann deinen Geist beruhigen, damit deine Angst erst einmal vergessen ist", schlug er vor. Rebecca schüttelte heftig den Kopf, als sie spürte, wie ihr Drache bereits seine Magie einsetzen wollte. "Wie du willst." Rebecca spürte, wie die Wut in ihr immer größer wurde. Was bildete sich ihr Drache nur ein, die Wahrheit vor ihr zu verbergen? Angst und Wut verstärkten einander gegenseitig. "Ich werde nie wieder mit ihm sprechen", beschloss Rebecca in diesem Moment der Wut, als sie eine unbändige Müdigkeit spürte. Ihr Drache hatte den Moment des Wutes genutzt, um doch seine Magie einzusetzen, und sie hatte es nicht verhindern können. Im nächsten Moment fielen ihr die Augen zu.
Ende, aber Fortsetzung bald in der Geschichte "Das Duell der Drachenreiter".





