Veröffentlicht: 27.07.2026. Rubrik: Persönliches
Grübeln und Gedankenkreisen
Meine Gedanken waren nie wirklich still. Stets dachte ich, entweder an fantastische Welten, oder an reale Dinge. Was mich aber am meisten nervte, war Grübeln und Gedankenkreisen, ohne einen Zweck zu erfüllen. Fast jeden Tag trat es zeitweise auf, meist dann, wenn ich eine Verhaltensweise von mir hinterfragte. Habe ich etwas Falsches gesagt? War mein Verhalten angemessen? Ich entschuldigte mich auch immer sehr häufig, immer darauf Bedacht, mich für alles und jedes rechtfertigen zu wollen, nein, müssen, obwohl es ein ganz normales oder zumindest nicht negatives oder schlimmes Verhalten war. Meist ärgerte ich mich dann während dem Grübeln auch noch über das Grübeln, was es nicht besser machte.
Heute war wieder einmal so eine Situation. Ich erfuhr in der Arbeit, dass morgen eine Radveranstaltung stattfand, sodass Busse und Taxis nicht zu meiner Arbeit zufahren konnten. Mir wurde angeboten, Urlaub zu nehmen. Leider setzten meine Gedanken meist dann aus, wenn ich mit einer Entscheidung überfordert war. Sie wurden nicht ruhig. Nein, das Gegenteil war der Fall. Aufregung. Sie hemmte meine Entscheidungsfähigkeit.
Schließlich entschied ich mich für Urlaub, doch am Nachmittag ging das Grübeln los. "Warum hast du nicht einen Freund angerufen, dass er dich zumindest nach der Arbeit abholen kann, damit ihr dann mit der Straßenbahn nach Hause fahren könnt? Warum warst du so faul und hast den Weg von deiner Arbeit zum Hauptplatz nicht gelernt? Dort könntest du dann mit der Straßenbahn fahren."
Mit dem Grübeln kam das schlechte Gewissen. Schlechtes Gewissen, weil eine Kollegin nun morgen meinen Dienst verrichtete. Schlechtes Gewissen, weil ich den Weg hätte lernen müssen. Dennoch hatte ich mich immer gescheut. Zu wenige Anhaltspunkte auf diesem Weg. Irgendwann wurde das Grübeln belastend, und ich ging in meine Gedankenwelt. Ein tiefer, grüner Wald breitete sich vor mir aus, auch wenn ich die Farbe nicht wirklich sehen konnte. Aber Wälder waren nunmal grün. Ich stand vor der Erdhöhle meines Walddrachen Tilaro. "Ich brauche dich jetzt", sandte ich telepathisch zu ihm. Sofort kam er angeflogen und schmiegte sich an mich. "Dein Geist ist aufgeregt." Er las in meinen Gedanken wie in einem offenen Buch. "Nicht weitergrübeln. Konzentrieren", meinte er. "Mama!", rief eine Stimme, und mein kleiner Drachenjunge Takyrius kam aus seinem Baum geflogen. Er war noch so klein, ein vor zwei Tagen erst geborener Drache. Ich war ein Mensch, und dennoch konnten Tilaro und ich ein Kind schaffen, mit Magie. "Mama grübelt", stellte Takyrius treffend fest. Ich nickte und strich ihm über die weichen, grünen Schuppen. "Haaaalllo, Rika!" Drei Gnomkinder kamen auf mich zu. Schnell bemerkten sie meinen noch aufgeregten Zustand. "Was ist los?", fragte Pitt, der Älteste von ihnen. "Sie grübelt nur", antwortete Rosalie für mich. Ich nickte und genoss die Wärme meiner beiden Drachen. Bald hörte ich ein Geräusch. Es war ein Knacken von Zweigen, und ich wusste genau, wer da war. "Hallo Kimara!", rief ich. Der weibliche Baumtroll senkte seinen Kopf aus Zweigen und Blättern. "Schön, dass du da bist, Rika." Ich lächelte sie freundlich an. "Ich wollte mich von dir verabschieden", ergänzte Kimara. "Ich werde für vier Baumtrolltage weg sein." Das bedeutete acht Menschentage. "Wohin gehst du?" Kimara schüttelte den Kopf. "Baumtrollgeheimnis", erklärte sie. Ich löste mich von den Drachen und umarmte sie. Ihr Stamm war so dick, dass meine Hände nicht ganz um ihn herumreichten, und wenn man nicht genau hinsah, konnte man sie tatsächlich mit einem Baum verwechseln. Nur ihr seltsames Gesicht und die Mimik ließen auf einen Troll schließen. "Gute Reise", wünschte ich Kimara, und im selben Moment bemerkte ich, dass meine Gedanken ruhiger geworden waren. Nicht vollständige Ruhe, aber nicht mehr dieses erdrückende Grübeln. "Dein Geist ist ruhiger geworden", stellte Tilaro fest, und auch Takyrius entspannte sich ein wenig. Ich lächelte und bedankte mich dafür, dass sie da waren. Nicht real existent, aber da. In einer verborgenen Welt, zu der nur ich Zugang hatte.
Zusammenfassung: Fantastische Welten helfen manchmal hervorragend gegen das Grübeln!
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