Veröffentlicht: 10.07.2026. Rubrik: Fantastisches
Das Duell der Drachenreiter, Teil 1
Kapitel 1: Der Turm im Gebirge
"Du bist gleich am Ziel deiner Reise angekommen", erklärte Yakaru und weckte Rebecca somit. Müde rieb sie sich die Augen und gähnte. "Warum hast du mich in Schlaf gezaubert, ohne zu fragen?", fragte sie mit tadelndem Unterton. "Du hast es gebraucht. Der Flug in die Berge ist sehr anstrengend, und du hast mit deiner Wut Einiges an Energie verbraucht." Nun öffnete Rebecca die Augen vollends und sah sich um. Das drachenförmige Flugobjekt hatte gerade den Gipfel eines hohen Gebirges erreicht und machte sich nun daran, einen riesigen Turm hinauf zu fliegen. Bald konnte Rebecca an der Spitze des Turms eine riesige Plattform erkennen. "Flugfeld. Zutritt nur für Drachen und deren Reiter" stand auf einem Schild zu lesen. Das Flugobjekt setzte auf der Plattform auf, und alle Anwärter stiegen aus. Schwerfällig erhob sich Rebecca und folgte ihrem Beispiel. "Du bekommst erst einmal eine Drachenrobe", erklärte der Drachenreiter und nahm sie mit sich. In einer kleinen Turmkammer wartete bereits eine junge Frau und drückte Rebecca wortlos eine Ganzkörperrobe in die Hände. Erst als sie diese angezogen hatte, lächelte die Frau zur Begrüßung. "Mein Name ist Alessia, ich bin die Schneiderin hier. Zum Glück hatte ich eine für dich passende Robe auf Lager." Rebecca lächelte zurück und folgte ihr wieder zurück auf das Flugfeld.
Eine ältere Dame landete plötzlich mit ihrem Drachen und stieg mit einer Anmut ab, welche Rebecca vor Neid erblassen ließ. Mit einem prüfenden Blick musterte sie die Anwesenden, so als würde dieser Blick schon genügen, um zu erkennen, wer würdig war. "Mein Name ist Laurora, ich bin die Leiterin der Gilde der Drachenreiter und auch der Schule. Herzlich willkommen, Anwärterinnen und Anwärter! Da ich als Leiterin der Gilde auch von den Drachen akzeptiert werde, kann ich mit meiner Magie die beiden bindungsfähigen Drachen rufen. Seht sie euch gut an und vergesst nicht, nur zwei von euch können gebunden werden!" Sie hob beide Hände gen Himmel und sprach einige Worte in einer fremden Sprache. Kurz darauf flogen zwei riesige, rote Drachen ein und landeten direkt neben den Anwärtern. "Dies sind Xantaro, 4127 Jahre alt und Sakira, 2149 Jahre alt. Sie sind dazu bereit, zwei Drachenreiter auszuwählen!" Rebecca stellte fest, dass Sakira nur wenig kleiner war als Xantaro, da spürte sie plötzlich seinen stechenden Blick auf sich gerichtet. Automatisch senkte sie ihren Blick ein wenig. "Du solltest sofort verschwinden, Teufelsanwärterin!", rief der Drache. Seine Stimme klang so laut in ihren Gedanken, dass sie dem Drang nur mühsam widerstehen konnte, sich die Ohren zuzuhalten. "Was?", fragte sie den Drachen mit Telepathie. "Du bist eine Ausgeburt des Todes! Du wirst alle vernichten! Besser, du gehst nach Hause, bevor es zu spät ist. Würde ich dir nun in einer anderen Situation gegenüberstehen, würde ich dich sofort töten, aber meine Drachenehre verbietet es, Anwärter zu vernichten." Er bedachte Rebecca mit einem letzten, finsteren Blick, bevor er abhob und zusammen mit der Drachin das Flugfeld wieder verließ.
"Xantaros Verhalten war sehr merkwürdig", meldete sich die Direktorin wieder zu Wort. "Normalerweise mustern Drachen Anwärter nicht auf diese Weise. Er hat in deinen Geist gesehen." "Hatte er schon einen Drachenreiter? Vielleicht war er einfach nur ... unsicher?" Rebecca suchte nach Worten, doch Laurora schüttelte den Kopf. "Er hatte schon drei Reiter in seinem langen Leben. Daran kann es eigentlich nicht liegen." Rebecca zuckte nur mit den Schultern und wandte ihren Blick ab. "Gordan wird nun die männlichen Anwärter in ihr Quartier bringen, während Osara die Mädchen übernimmt", erklärte Laurora, und eine noch recht junge Frau kam auf Rebecca zu. "Kommt mit." Die Mädchen folgten der Drachenreiterin sofort. Sie stiegen eine steile Treppe hinab, aber nicht bis ganz nach unten, denn dies hätte bei der Höhe dieses Turms viel Zeit in Anspruch genommen. Sie mussten nur ein Stockwerk hinabsteigen, da führte sie Osara bereits in den rechten Gang. "Hier habt ihr eure drei Mädchenzimmer. Entscheidet selbst, mit wem ihr es teilen wollt", erklärte Osara. "In einer Stunde hole ich euch wieder ab, denn ihr werdet bereits Unterricht über Drachen erhalten." Mit diesen Worten entfernte sich die Dame, und die Mädchen teilten sich auf. Schnell bemerkte Rebecca, dass es zwei befreundete Gruppen gab. Zwei dieser Freunde gingen in das erste Zimmer, doch die anderen stritten sich, da es nur Zweibettzimmer gab. "Ich wollte so gerne mit euch beiden in einem Zimmer schlafen", murrte das Mädchen, mit welchem Rebecca vor dem Flug gesprochen hatte. Sie diskutierten noch fünf Minuten, bis sie sich endlich entschieden hatten. "Komm mit mir, Rebecca", meinte das Mädchen, und Rebecca spürte, dass sie nicht gerne mit ihr das Zimmer teilte.
Kapitel 2: Zwei Welten
"Wie heißt du eigentlich?", fragte Rebecca, als die beiden Mädchen im Zimmer angekommen waren. "Adina", antwortete sie kurz angebunden und begann damit, ihre Sachen in einen Schrank zu räumen. Erst jetzt stellte Rebecca fest, dass sie ein Waffenarsenal bei sich trug. "Wieso so viele Waffen? Reicht dir dein Schwert nicht?" Für einen Moment drehte sich Adina zu ihr um, doch ihr Blick sagte Rebecca, dass sie diese Frage für ziemlich dumm hielt. "Dumme Frage. Skyrona ist eine Welt des Krieges. Ich wurde schon mit sieben Jahren dazu ausgebildet, eines Tages eine Drachenreiterin zu werden. Das ist für die einfachen Bürger eine große Ehre. Da ich in verschiedenen Waffengattungen ausgebildet wurde, habe ich stets mehrere Arten von Waffen bei mir." Dann drehte sie sich wieder weg und räumte weiter auf. Nun fanden noch einige Bücher und Ersatzroben ihren Platz. "Packst du gar nicht aus?", fragte Adina nach einigen Minuten der Stille. Rebecca schüttelte den Kopf. "Ich habe nichts, was ich hätte auspacken können." Das Mädchen rollte mit den Augen. "Du kommst tatsächlich völlig unvorbereitet?" Rebecca nickte. "Ich wusste vorher gar nicht, dass ich hier herkommen würde. Deshalb konnte ich mich auch nicht vorbereiten." Adina seufzte. "Wir leben scheinbar in zwei verschiedenen Welten", stellte sie fest, und Rebecca musste ihr zustimmen.
Bald klopfte es auch schon an der Tür, und Osara nahm die beiden Mädchen mit sich. Einen weiteren Stock tiefer befand sich ein Unterrichtszimmer, welches die Drachenreiterin nun ansteuerte. "Ihr werdet nun etwas über die Drachengeschichte lernen", erklärte sie, als alle Anwärter Platz genommen hatten. "Skyrona war die erste Drachin, weshalb diese Welt nach ihr benannt worden war. Sie wird noch heute als Göttin und Drachenkönigin geehrt, da sie der Sage nach die ersten Drachen schuf. Dies war vor etwa 20.000 Jahren. Die Drachenreitergilde entstand etwa vor 10.000 Jahren. Wer weiß, was ihre größten Feinde waren?" Ein Junge hob die Hand. "Magier", erklärte er, als Osara ihn ansah. "Ja, das ist fast richtig, Albin. Aber welche Art von Magier?" Adina schnippte nervös mit den Fingern. "Ja, Adina?" "Mentalmagier. Sie waren in der Lage, mit der Kraft ihrer Gedanken zu heilen oder zu töten. Meist setzten sie ihre Magie zum Töten ein. Am Anfang gab es nur Elementarmagier, keine Mentalmagier, aber vor vor 7000 Jahren verbündete sich ein Geisterdrache mit einem Magier und gab ihm die geistigen Kräfte. Plötzlich war dieser jedoch stärker als der Drachengeist, sodass er diesen unterwarf und es irgendwie fertig brachte, die mentale Kraft an seine Anhänger weiterzugeben. Diese Mentalmagier schlossen sich dann mit Dämonengreifen oder manchmal sogar mit weiteren Geisterdrachen zusammen, um Skyrona anzugreifen. Die meisten Geisterdrachen waren friedlich und heilten nur, aber einige wenige gab es leider doch, welche den Pfad der Tugend verließen. Vor etwa drei- oder viertausend Jahren starb dann die letzte Geisterdrachin, Elysra."
"Bravo!", rief die Lehrerin. "Besser hätte ich es nicht nacherzählen können. Du kannst die Geschichte unserer Welt wohl auswendig?" Adina nickte stolz. Rebeccas Herz begann plötzlich schneller zu schlagen. Als Adina den Namen der Drachin gesagt hatte, kam es ihr so vor, als wäre ihr dieser Name seltsam vertraut. Nicht in diesem Leben, sondern in einem Leben vor ihrer Zeit. Langsam schüttelte sie den Kopf. "Das bilde ich mir bestimmt nur ein. Wahrscheinlich sind es wieder nur Yakarus Erinnerungen, welche ich gerade empfange", dachte sie.
Fortsetzung folgt





