Veröffentlicht: 25.07.2026. Rubrik: Fantastisches
Das Duell der Drachenreiter, Teil 3
Kapitel 5: Yakarus Gedanken
Der Drache flog unsichtbar über den Wäldern von Skyrona. Als Geisterdrache oder auch Mentaldrachenmagier, was er als Begriff bevorzugte, hatte er zum Glück die Fähigkeit, nicht nur seinen Körper unsichtbar zu machen, sondern auch seine mentale Präsenz zu verstecken, welche ihn ansonsten sofort verraten hätte. Seit viel zu vielen Jahren hatte er so gelebt, alleine, abgeschieden von der Außenwelt. Bevor er endlich vor 13 Jahren die Verbindung mit Rebecca eingegangen war, welche ihn mit ihrer kindlichen Fantasie aufheiterte und nun immer erwachsener wurde, hatte er die Stille kaum ausgehalten.
In ihm kämpften zwei Gefühle. Liebe zu Rebecca und ihrem Drachenkind, gleichzeitig jedoch ein massives Schuldgefühl. Yakaru fühlte sich schlecht dabei, Rebecca nicht alles sagen zu können. Er hasste sich dafür, dass er ihr Antworten verwehren musste, welche ihr wichtig waren. Trotzdem war es zu riskant. Er konnte ihr nicht sagen, was sie war. Nicht heute. Nicht morgen. Aber irgendwann. Diese Aussicht ließ sein Schuldgefühl zumindest ein wenig kleiner werden. Dennoch hatte er Bedenken. Rebecca würde ihm nie verzeihen, dass er sie in Unkenntnis über ihre wahre Identität ließ, aber es war ... notwendig. Zumindest solange, bis sie offiziell Drachenreiterin werden würde.
Yakaru seufzte. Es war sehr riskant, ihr schon jetzt Zauber beizubringen, aber es war ebenfalls notwendig. Jedoch hatte er Angst, denn Rebecca hatte bereits im Unterricht über die Mentalmagier gehört. Was, wenn sie es zu früh erkannte? Zumindest würde sie nicht erkennen, was sie eigentlich war. Yakaru landete zwischen zwei Büschen und errichtete einen mentalen Schutzschild um diesen Ort. Dies tat er bereits so routiniert, dass er es beinahe im Schlaf gekonnt hätte. Dann streckte er seinen Geist aus, zu der Verbindung mit Rebecca. Er erkannte sie, wie sie im Kampftraining saß, und sein Herz wurde schwer. Denn er musste zugeben, dass es stimmte. Rebecca konnte nicht kämpfen, dies war bei Mentalmagiern nicht möglich. Ihre Körper waren nicht robust genug. Es fiel ihm schwer, aber er musste ihr bald eine neue Fähigkeit beibringen. Schnell schüttelte Yakaru diese düsteren Gedanken ab und tauchte noch tiefer in die Verbindung. Sofort erkannte er Kiakara, wie sie ruhig schlief. Ein warmes Gefühl der Zuneigung stieg in ihm auf. Dies war seine Tochter, sein Fleisch und Blut. Er war sich ganz genau darüber im Klaren, dass dies für Rebecca eine zusätzliche Verantwortung war, aber es musste sein. Das Ei war bereits zum Schlüpfen bereit gewesen, es brauchte nur noch ihre Magie, welche durch die Berührung in das Ei geflossen war. "Sie wird es schaffen", dachte Yakaru und zog sich schweren Herzens wieder aus ihrem Geist zurück.
Kapitel 6: Drachenkunde, Grübeleien und etwas Unvorhergesehenes
Nach dem Kampftraining machte sich Rebecca zielstrebig auf den Weg zum nächsten Unterricht, Drachenkunde. Diesmal stand Gordan vor dem Lehrerpult. "Heute möchte ich euch etwas über Drachen erzählen", sagte er. Die Anwärter verstummten sofort. "Wenn ihr einen Drachen seht, ist es wichtig, einen Respektabstand einzuhalten. Sucht niemals direkt den Blickkontakt zu ihm. Wenn er den Blickkontakt sucht, erwidert ihn jedoch. Dies bedeutet, dass er euren Geist lesen will. Das können auch Feuerdrachen, auch, wenn sie nicht mit ihrem Reiter kommunizieren. Wenn ihr dann Reiter sein solltet, zeigt eurem Drachen, dass ihr ihn respektiert, aber kriegerisch und willensstark genug seid, um von ihm ebenso respektiert zu werden, denn er muss euren Befehlen gehorchen." Er hielt einen Moment inne, bevor er fortfuhr. "Nun etwas Allgemeines zu Drachen. Sie sind unsterblich, es sei denn, sie werden von Feinden getötet. Wenn der Drache stirbt, muss sein Reiter versuchen, einen bindungswilligen Drachen für sich zu gewinnen. Ganz wichtig ist, dass ihr die Drachenfeste niemals ohne euren Drachen betretet, wenn ihr Reiter seid. Als Anwärter ist es ohnehin untersagt. Drachen nehmen das Eindringen von Menschen in ihre Städte als Bedrohung wahr, und dann könnte es sein, dass diese Bedrohung wichtiger ist als die Drachenehre, Anwärter niemals zu töten. Ich hoffe, ich habe euch mit meiner Warnung erreicht. Den Wald in der Nähe des Turms dürft ihr gerne während Pausen oder Freizeit erkunden. Solltet ihr Drachen erkennen, und sei es auch nur ein einziger Drache, haltet genug Abstand. Rennt nicht davon, denn das sehen Drachen als Schwäche. Solltet ihr jedoch mehrere Drachen erblicken, dann zieht euch bitte geordnet! zurück, denn vor Drachenstädten sieht man öfters mehrere Drachen. So könnt ihr auch erkennen, ob ihr euch einer Drachenfeste nähert. Normalerweise fliegen die Drachen nur selten aus ihren Städten, aber manchmal wollen sie die Anwärter ein wenig testen oder beobachten." Alle Anwärter nickten zustimmend, und der Lehrer lächelte zufrieden.
Nach dem Unterricht und Mittagessen war eine einstündige Pause, und Rebecca nutzte diese, um in ihr Zimmer zu gehen. Ihre Gedanken kreisten gleich um mehrere Probleme. Erstens: Wie sollte sie Kiakara Dinge wie das Fliegen, Telepathie und den Selbstschutz beibringen, wenn sie ihre Tochter stets in ihren Geist sperren musste. Zur Antwort spürte Rebecca die fröhliche Präsenz der Drachin und musste lächeln. Zweitens: Wie sollte sie den Kampf überleben, wenn sie nicht kämpfen konnte? Der Kampf gegen den Krieger war ... miserabel. Ja, dieses Wort traf es am Ehesten. Es fühlte sich an, als hätte Rebecca zwei linke Hände. Es war ihr nicht möglich, den Dolch richtig zu halten, auch nicht nach mehrfachem Zeigen.
Rebecca hatte es nicht sofort bemerkt, da sie zu sehr in ihren Grübeleien versunken war, aber als sie plötzlich eine Berührung wahrnahm, zuckte sie heftig zusammen. Kiakara saß neben ihr auf dem Bett und sah sie schuldbewusst an. "Du darfst nicht aus meinem Geist, bevor ich es dir erlaubt habe!", schimpfte Rebecca telepathisch mit der Drachin. Diese ließ traurig den Kopf hängen. Plötzlich ging die Tür auf, und bevor Rebecca es verhindern konnte, stand Adina mitten im Zimmer und starrte auf das kleine Drachenkind. "Was um alles in Skyrona ... ist das?" Rebecca war so geschockt, dass sie keinen Ton herausbrachte. "Bei der Drachengöttin", stammelte Adina. "Ein Drachenbaby mit ... farblosen Schuppen!" Panik schlug über Rebecca zusammen, und auch Kiakara erkannte scheinbar trotz ihres jungen Alters ganz genau den Ernst der Lage. Etwas schien sich in ihrer Präsenz zu ändern. Es sah aus, als würde sie sich unsichtbar machen wollen, doch sie wusste nicht, wie das funktionierte. Beinahe hätte das Mädchen gelächelt, zügelte sich jedoch sofort wieder.
Adinas Augen weiteten sich, und Rebecca konnte Angst darin erkennen. Sie öffnete ihren Mund, um etwas zu rufen, doch Rebecca reagierte nach ihrem Instinkt. Ohne zu wissen, wie genau sie es tat, sandte sie einen mentalen Schlag aus, welcher Adina das Bewusstsein raubte. Sofort sperrte sie Kiakara wieder in ihren Geist und rief dann nach Yakaru. "Ich brauche deine Hilfe!" Der Drache antwortete sofort. "Du musst ruhig bleiben, auch wenn es schwer fällt. Konzentriere dich auf den Geist dieses Mädchens, dann kannst du ihre Gedanken lesen. Wenn du den Gedanken vor dir hast, wo sie Kiakara findet, setze deine Magie ein, um diese Erinnerung zu löschen." Rebecca nickte, auch wenn es ihr schwer fiel, die Gedanken einer Kameradin zu lesen. Dennoch war es notwendig. Als sie den Gedanken sah, der Kiakara zeigte, griff sie mit ihrer Kraft danach. "Verschwinde aus ihrem Geist", dachte Rebecca, und der Gedanke verschwand. Gleichzeitig verpflanzte sie andere Gedanken in Adinas Geist, bevor sie sich zurückzog.
Als sie das schlafende Mädchen so betrachtete, wurde ihr mit voller Klarheit bewusst, was sie da getan hatte, und sie erschrak vor sich selbst. Schnell versteckte sie die Schuldgefühle im Inneren ihres Geistes, als Adina auch wieder die Augen aufschlug. "Bin ich müde", murmelte das Mädchen. "Ich habe wohl schlecht geschlafen." Rebecca nickte, ohne etwas zu sagen, doch sie wusste, dass sie in Zukunft viel besser auf Kiakara aufpassen musste. "Sie hat daraus gelernt. Drachenkinder, vor allem Mentaldrachenmagier, sind sehr lernfähig. Sie lesen den Geist ihrer Mutter und erfahren dabei sehr viel über die Magie. Bald schon wird sie sich selbst schützen können. Dass sie aus ihrem geistigen Gefängnis ausgebrochen ist, ist kein schlechtes Zeichen, sondern war wichtig für ihren mentalmagischen Lernprozess." Yakarus Stimme beruhigte Rebecca langsam wieder, und als die Pause vorbei war, ging sie erneut zum Kampftraining. Bevor dieses begann, flüsterte Yakaru ihr noch eine wichtige Information zu, welche sie im Kampf gut gebrauchen konnte. Lächelnd bedankte sie sich und konzentrierte sich auf den Unterricht.
Fortsetzung folgt





