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3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Phoberos (Phoberos).
Veröffentlicht: 13.08.2026. Rubrik: Aktionen


Zum Essen eingeladen

Es ist wieder einer dieser Tage.

Ich habe mich extra herausgeputzt, trage mein schönstes, tiefstes Purpur und habe mein bestes Parfum aufgelegt. Ein süsser, schwerer Duft liegt in der Luft.

Aber der Tisch bleibt leer.

Früher, ja, früher gab es noch echten Besuch. Heute schaut kaum noch jemand vorbei. Die Welt da draussen ist so hektisch geworden. Alle eilen nur noch an mir vorbei.

Sitzt mein Make-up überhaupt noch?

Ich verströme noch ein wenig mehr von meinem Aroma. Man wird schliesslich nicht jünger. Und ich will einfach nicht mehr so einsam sein.

Dann höre ich ihn.

Ein tiefes Summen kündigt ihn an.

Endlich.

Er nähert sich zögerlich, dreht erst eine Runde um mich. Dann noch eine. Er scheint von meiner Pracht beinahe ein wenig eingeschüchtert zu sein.

Komm nur näher, denke ich und öffne meine Arme noch ein Stückchen weiter. Im fahlen Licht präsentiere ich ihm meine leuchtenden Farben.

Er hat mich bemerkt.

Er riecht mich.

Ich spüre, wie mein Duft seine Wirkung entfaltet. Seine Zurückhaltung ist plötzlich vergessen, seine guten Manieren offenbar ebenfalls. Ohne weitere Umstände landet er direkt auf meiner Schwelle.

Ein stürmischer Typ.

Ein echter Naturbursche.

Langsam kommt er näher. Er kann offenbar nicht widerstehen.

Dann kostet er.

Gierig nimmt er den süssen, klebrigen Nektar auf, den ich für meinen Besuch bereithalte.

Es schmeckt ihm.

Natürlich schmeckt es ihm.

Er will mehr.

Also wagt er sich weiter hinein. Vorsichtig zunächst, dann immer selbstverständlicher. Dabei streift er eines der feinen Härchen auf meiner Haut.

Einmal.

Er hält kurz inne.

Dann geht er weiter.

Noch eine Berührung.

Zweimal.

Ach, mein Lieber.

Du hättest dich wirklich nicht so gehen lassen sollen.

Ich bin schliesslich eine grosszügige Gastgeberin. Und wenn ich jemanden zum Essen einlade, dann meine ich das auch so.

Klapp.

Meine beiden Hälften schnellen zusammen.

Die weichen Borsten, die eben noch wie eine Einladung wirkten, greifen ineinander und bilden einen Käfig.

Für einen Augenblick geschieht gar nichts.

Dann begreift er.

Er summt auf, wirft sich gegen meine Wände, zappelt und strampelt. Die charmante Gelassenheit von vorhin ist wie weggeblasen.

Wie schade.

Dabei war der Abend so nett.

Er dachte wohl, er sei hier der Gast.

Wie niedlich.

In den nächsten Tagen werde ich ihn ganz langsam in mich aufnehmen. Was von ihm übrig bleibt, darf der Wind mitnehmen.

Ich muss schliesslich Platz schaffen.

Der nächste Besuch kommt bestimmt.

Und man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Catarina am 13.08.2026:

Hallo Phoberos
Eine fantastische Geschichte - perfekt in Szene gesetzt bzw. geschrieben.
Liebe Grüße
Catarina

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