Veröffentlicht: 19.08.2026. Rubrik: Aktionen
Der Goldschatz - eindeutig zweideutig
Die fünfjährige Carina saß auf dem Bett in ihrem Kinderzimmer, obwohl sie schon schlafen sollte, es jedoch nicht konnte. Sie vermisste ihren Vater sehr, welcher für vier Tage auf einer Geschäftsreise und daher Abends nicht bei ihr war. Normalerweise gab er ihr immer ein Gutenachtküsschen und erzählte ihr eine Geschichte, aber dies fehlte ihr nun, auch wenn ihre Mutter ebenfalls Geschichten vorlesen konnte. Diese waren jedoch längst nicht so lebendig erzählt wie die ihres Vaters. Plötzlich drang eine Stimme von draußen an ihr Ohr. "Hallo, mein Liebling", sagte die Mutter, und Carina wusste sofort, dass sie mit dem Vater telefonierte. Am liebsten wäre sie sofort hinausgerannt, doch ihr fiel noch rechtzeitig ein, dass dies Ärger geben würde, weil sie noch nicht schlief. Stattdessen gab sie sich damit zu Frieden, den Worten ihrer Mutter zu lauschen. Diese sprach mit ihrem Vater darüber, wie der Tag gewesen war, was sie auf der Arbeit erlebt und mit ihrer Tochter unternommen hatte. Nach einigen Minuten fiel dann ein Satz, welcher Carina aufhorchen ließ. "Unser Goldschatz liegt im Kinderzimmer", sagte sie, bevor sie sich von Carinas Vater verabschiedete.
Sofort erhob sich das Mädchen von ihrem Bett. Hatten ihre Eltern ihr etwas nicht erzählt? Gab es tatsächlich Gold in ihrem Kinderzimmer? Zuerst öffnete sie einige Schränke und räumte das gesamte darin befindliche Spielzeug aus, jedoch ohne Gold zu finden. Dann öffnete sie einige Schubladen einer Kommode, jedoch fand sie bis auf Kleidung ebenfalls nichts. Zum Schluss schaute sie noch unters Bett, da war aber ebenfalls nichts. Frustriert überlegte die Fünfjährige, wo sie noch suchen konnte, und ihr kam die Idee, dass in einer Wand ein Geheimgang sein könnte. Ohne daran zu denken, leise zu sein, begann Carina also, die Wände und den Boden abzutasten. Jedoch fand sie keinerlei Geheimtür. Gerade als sie sich enttäuscht ins Bett legen wollte, öffnete sich die Tür, und ihre Mutter kam ins Zimmer. "Warum schläfst du denn noch nicht?", fragte sie. "Ich konnte nicht schlafen. Ich vermisse Papa!" Ihre Mutter seufzte und nahm sie an die Hand, um sie ins Bett zu legen. Da fiel ihr das Durcheinander im Zimmer auf. "Was hast du denn da gemacht?", fragte sie mit tadelndem Unterton in der Stimme. "Ich habe nach Gold gesucht!", rief Carina. Ihre Mutter sah etwas verwirrt drein. "Wie kommst du denn auf die Idee, dass wir Gold hätten?" "Na, du hast doch zu Papa am Telefon gesagt, dass unser Goldschatz im Kinderzimmer liegt! Ich habe es ganz genau gehört!" Daraufhin musste die Mutter laut lachen und umarmte ihre kleine Tochter. "Damit meinte ich doch dich, meine Kleine!", rief sie, was nun Carina ziemlich verwirrte. "Ich bin doch kein Gold." "Das sagt man nur so zu jemandem, den man sehr gerne mag, dass er ein Goldschatz ist. Das bedeutet, dass du uns so viel Wert bist wie Gold. Nicht alles, was gesagt wird, bedeutet auch immer das Selbe." Nun nickte das Mädchen, denn sie hatte ihren Wissensdurst gestillt. Sie kuschelte sich an ihre Mutter und schlief kurz darauf ein. Vielleicht träumte sie sogar von einem Schatz aus Gold, wer weiß.
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