Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie Du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
FacebookMenu anzeigenMenu anzeigen
3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2019 von Christine Todsen.
Veröffentlicht: 07.10.2019. Rubrik: Horror


Schicksal

Anmerkung: Aufbaumäßig wurde die Geschichte inspiriert von Weißehex‘ Erzählung auf https://www.kurzgeschichten-stories.de/t_1035.aspx, in der ebenfalls drei Figuren ihre jeweilige Sicht der Dinge schildern.

TATJANA:

Fünfzehn Jahre. Erst dann kann ich als Lebenslängliche darauf hoffen, auf Bewährung entlassen zu werden. Und dabei bin ich doch unschuldig! Betrogen habe ich meinen Mann, ja. Aber nicht ermordet! Warum glaubt mir keiner? Als ich von einem Schäferstündchen mit meinem Schwippschwager Daniel zurückkam, lag Martin tot im Bett. Erstickt. Ich habe dann sofort den Notruf gewählt. Kurz darauf wurde ich festgenommen und jetzt wegen Mordes verurteilt. Nur ich hätte ein Motiv gehabt. Ich hätte meinen nach einem Unfall gelähmten Mann loswerden und ihn beerben wollen.

Daniel hätte mich retten können, aber er leugnete, dass er an jenem Tag mit mir zusammen gewesen war. Schon zu Beginn unserer Affäre hatte er klargestellt, dass niemand etwas davon erfahren dürfe. Vor allem nicht seine Frau Conny, Martins Schwester. Aber auch sonst niemand, damit sein Ruf in der Kleinstadt nicht ruiniert würde. Vor Gericht war mir das natürlich egal, und ich erzählte alles. Es nützte mir aber nichts. Daniel stellte mich als Lügnerin dar, und man glaubte ihm. Nicht mir.

Jetzt kann ich nur noch darauf hoffen, dass die Wahrheit durch einen Zufall doch noch ans Licht kommt. Oder dass der Täter reumütig wird und gesteht. Wer es war? Ich weiß es nicht.

DANIEL:

Da habe ich ja noch mal Glück gehabt. Diese dumme Pute Tatjana plauderte alles aus, aber niemand glaubte ihr. Zuerst hatte ich ja meinen Spaß mit ihr, aber dann wurde sie langsam lästig. Was für ein toller Zufall, dass dann der Mord passierte. Jetzt ist sie für mindestens fünfzehn Jahre weggesperrt. Wahrscheinlich zu Recht, denn wer soll es sonst gewesen sein?

Besonders froh bin ich, dass auch Conny mir glaubt, dass zwischen mir und Tatjana nichts war. Die Gute war immer ziemlich vertrauensvoll. Ich könnte keine bessere Frau haben. Wenn wir beide in Rente sind, machen wir eine Weltreise.

CONNY:

Männer sind so dumm! Daniel glaubt allen Ernstes, ich wüsste nichts von seiner Affäre mit diesem Biest Tatjana. Tja, ich bin wahrscheinlich die geborene Schauspielerin. Allerdings glaube ich, dass sie ihn verführt hat. Er selbst ist schon in Ordnung.

Ich bin sehr froh, dass sie jetzt weg ist und ich Daniel wieder ganz für mich habe. Da mein Bruder Martin keine Kinder hatte und Tatjana erbunwürdig ist, bin jetzt ich die Alleinerbin.

Gut, dass Martin nun von seinem Leiden erlöst ist. Es war alles so einfach. Als Daniel wieder einmal mit dem Biest zusammen war, bin ich zu Martins Wohnung gegangen. Ich hab ja einen Schlüssel. Er schlief. Es ging ganz schnell. Handschuhe an, Kissen geschnappt, fest gedrückt… War das Beste für ihn.

So hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst. Ich freue mich auf die Zukunft. Nächste Woche muss ich nur noch zur Vorsorgeuntersuchung bei meiner Gynäkologin. Passt gut, denn gerade gestern habe ich zufällig einen kleinen Knoten in der linken Brust gefühlt. Wird aber wohl nichts zu bedeuten haben…

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Weißehex am 08.10.2019:
Klasse Geschichte! Freut mich, dass dich eine Geschichte von mir dazu inspiriert hat.




geschrieben von Christine Todsen am 08.10.2019:
Danke, Weißehex! Übrigens bin ich mir oft unsicher beim Auswählen einer Rubrik. Da diese Geschichte ja ziemlich krass ist, habe ich schließlich „Horror“ gewählt, aber „Spannung“ oder „Menschliches“ wäre auch möglich gewesen. Im Zweifelsfall sollte man vielleicht besser „Unsortiert“ nehmen...

Weitere Kurzgeschichten von diesem Autor:

Kommissar Kuhlmann und der Zeuge P
Plastik
Antjes Trick
Ellen im Ausland
Die Zeitungsanzeige