Veröffentlicht: 04.09.2026. Rubrik: Nachdenkliches
Die Froschkönigin, dritter Teil
Als Lukas erwachte, war es bereits dunkel. Mit geschlossenen Augen lauschte er dem Lachen auf der Schlossterrasse und roch den Duft von Grillfleisch.
„Au weh,“ dachte er bei sich, diese Hochzeit wird meinem Vater teuer zu stehen kommen. Das habe ich nicht gewollt. Aber andererseits ist es gut, wenn das Volk sich einmal satt isst, auf die Kosten seines Königs.“
Platsch… irgendetwas landete auf seiner Brust.
„Quak…“
„Na, mein kleiner Freund, hast du immer noch nicht genug?“
Lächelnd richtete Lukas sich auf und nahm den Frosch auf seine Handfläche. Irgendetwas hatte der Kleine auf dem Herzen. Er schien sich zu konzentrieren, dann holte er tief Luft und…
„Kannst du mich bitte küssen?“
Irritiert beugte Lukas sich zu dem Frosch hinunter.
„Dich küssen ???“
De Frosch nickte, dann hob er den Kopf und sah Lukas eindringlich an.
„Ich habe doch gar keinen Wein getrunken…“, dachte Lukas.
„Aber was soll’s“, er beugte den Kopf herunter, spitze die Lippen und hauchte dem Frosch einen Kuss aufs Mäulchen.
Es gab einen lauten Knall, der die Grundfesten des Schlosses erschütterte. Die Druckwelle schleuderte Lukas fort und das Wasser des Teichs schoss wie ein Geysir hoch in die Luft. Es kam genau über Lukas herunter. Als er sich aus Wasser und Schlamm herausgearbeitet hatte, sah er die junge Frau. Sie war genauso durchnässt wie er. Ihr grünes Kleid war am Saum zerfetzt, das dunkle Haar war verfilzt und stand nach allen Seiten ab. Lukas ging auf sie zu.
„Hey, hast du zufällig einen Frosch gesehen? Doppelt so groß wie ein Laubfrosch, aber genauso grün.“
Sie sah ihn belustigt an.
„Ich bin – nein ich war der Frosch. Ich bin Undine…“
Sofort machte Lukas einen Satz rückwärts.
„Ein Wassergeist? eine Nixe? Und du wolltest mich heiraten? Damit du eine Seele bekommst?“
Lukas war fassungslos. War das die Idee seines Vaters gewesen? Ihn mit dieser merkwürdigen Hochzeit handlungsunfähig zu machen, vielleicht sogar dem Tode preiszugeben. Wenn Lukas diese Undine heiratete, und er schaute nur ein einziges Mal einer anderen Frau hinterher, hätte sie das Recht, ihn zu töten. Wollte sein Vater ihm auf diese Art eine Lektion erteilen? Zum zweiten Mal an diesem Tag sah sich Lukas mit der Bosheit seines Vaters konfrontiert. Ihm wurde klar, dass der Alte ein stärkerer Gegner war, als er gedacht hatte.
„Lukas, beruhige dich… ich bin keine Nixe, ich bin Prinzessin Undine von den Mooren, die Tochter von König Mormer. Wir sind uns seit unserer Kindheit versprochen.“
„Ja, sicher“, sagte Lukas sarkastisch, „wie hatte ich es vergessen können… und warum hockst du dann als Frosch verkleidet in unserem Teich?“
„Mein Vater hat mich in diesen Frosch verwandelt, um dein Herz zu prüfen. Ob du gut bist, und ohne Hintergedanken. Denn nur, wer so freundlich ist, sich um einen kleinen Frosch zu kümmern, ist auch fähig, sich um die Bürger seines Landes zu kümmern.“
„Und… habe ich die Prüfung bestanden, Gnädigste?“
Lukas war so wütend, dass er sich zusammenreißen musste, um diese unverschämte Nixe nicht in das große Loch zu stoßen, dass die Explosion hinterlassen hatte. Dafür packte er sie am Oberarm und zerrte sie in die Richtung des Schlosses.
„Au, du tust mir weh!“
„Du wirst es ertragen, Froschweib.“
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