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geschrieben 2026 von Karolina Ka.
Veröffentlicht: 04.09.2026. Rubrik: Nachdenkliches


Die Froschkönigin, vierter Teil

Froschweib – die ersten Hochzeitsgäste hatten es bereits gehört. Froschweib – Froschweib ging es durch die Menge. Sie soll unsere Königin werden! Niemals! Wir wurden betrogen! Betrogen, betrogen! Und aus den eben noch fröhlich feiernden Hochzeitsgästen wurde augenblicklich ein pöbelnder Mob. Bringt sie um, hängt sie auf, die kalte Königin, und Prinz Lukas dazu.
Lukas spürte Undines Angst und zog sie schnell durch die Terassentür in den großen Saal. Dort stand König Heinrich, der, aufgeschreckt durch das Geschrei auf der Terrasse, sie bereits erwartete. Zu Lukas‘ Entsetzen verbeugte er sich tief vor der grünhäutigen, immer noch nassen Frau.
„Eure Hoheit, Prinzessin Undine von den Mooren, ich bin entzückt sie in meinem Schloss begrüßen zu dürfen. Möge Ihre Ehe mit meinem Sohn fruchtbar und glücklich sein.“
Lukas schluckte, was ging hier vor? Langsam zweifelte er an seinem Verstand. Vielleicht war alles nur ein böser Traum und er lag mit einer Gehirnerschütterung irgendwo im Schlossgarten. Doch dann wandte sich sein Vater an ihn.
„Lukas, ich bin sehr stolz auf dich. Dir ist es gelungen, Prinzessin Undine aus ihrer Froschgestalt zu erlösen. Ihr seid euch seit Kindertagen verspochen, und du hast bewiesen, dass du ihrer würdig bist. Gemeinsam werdet ihr das Königreich regieren. Undine wird dir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Als Tochter von König Mormer ist sie zum Regieren ausgebildet, was man von dir nicht gerade sagen kann.“
Lukas stand mit geradem Rücken und hocherhobenem Kopf vor seinem Vater, wie immer, wenn er einen Rüffel bekam. Die Aufruhr in seinem Inneren legte sich und machte einer unverhofften Klarheit Platz.
„Nein“ sagte er.
„Doch“ antwortete König Heinrich,
„morgen, nach dem Frühstück erwarte ich euch in meinem Arbeitszimmer. Ich werde Undine deine Pläne vorlegen, und sie von ihr beurteilen lassen.“
Dann richtete er sich an die Haushälterin, die an der Wand lehnte, bereit, Anweisungen entgegenzunehmen.
„Richtet ein Brautgemach her und stellt die Prinzessin unter die Dusche. So grün und schleimig, wie sie im Moment ist, möchte ich sie nicht einmal meinem Sohn zumuten.“
In diesem Moment brach Undine in Tränen aus. So hatte sie sich ihre Hochzeit nicht vorgestellt. Sie hatte zwar von ihrem Vater den Auftrag erhalten, König Heinrichs Reich an sich zu bringen, aber mit Lukas an ihrer Seite. Als ihren Ehemann und späteren Statthalter. Sie hatte nicht mit dem Hass des Volkes gerechnet, und auch nicht mit den Beleidigungen des Königs. Aber besonders weh tat ihr das ‚Nein‘ von Lukas. Denn sie hatte genau gespürt, dass es nicht nur dem König galt, sondern auch ihr.
Die alte Haushälterin kam und zog sie an ihren üppigen Busen. Sie wiegte sie wie ein kleines Kind und flüsterte:
„Es wird alles gut, Liebes…, morgen um diese Zeit seid ihr schon Königin.“

Als die Haushälterin und Undine den Saal verlassen hatten, und auch König Heinrich seinem Sohn den Rücken zukehrte, begab sich auch Lukas auf sein Zimmer. Nachdem er geduscht hatte und wieder Jeans und ein T-Shirt trug, holte er seinen schäbigen Koffer unter dem Bett hervor. Er packte seine Kleidung und seinen Laptop hinein. Dann nahm er die Bücher vom Nachttisch, um sie in die Schlossbibliothek zurückzubringen. Dabei versuchte er nicht zu denken, sich einfach nur auf sein momentanes Tun zu konzentrieren. In ein paar Stunden wäre er wieder zu Hause, in seiner kleinen Wohnung nahe der Universität.
Im Arbeitszimmer seines Vaters schaltete er den Computer ein und löschte alles von der Festplatte, was er in den letzten Wochen erarbeitet hatte. Ihre Hoheit, die Prinzessin, würde ganz von vorn anfangen müssen.

Lukas‘ Aufbruch blieb nicht unbemerkt. Als er seinen Koffer auf die Rückbank seines Wagens legte, stand Undine am Fenster ihres Brautgemachs. Wieder liefen ihr Tränen über die grünen Wangen. Die Erkenntnis, von dem Mann abgelehnt worden zu sein, auf den sie so lange in ihrer Froschgestalt gewartet hatte, tat weh. Aber sie musste den Auftrag ihres Vaters erfüllen, und wenn es mit Lukas nicht ging, dann eben ohne ihn.
Während der Fahrt durch das Königreich, durch die goldenen Felder und die üppigen Waldgebiete, begann Lukas mit sich zu hadern. War es richtig gewesen, alles aufzugeben und davonzulaufen? Das tat er sonst nicht, aber der Verrat seines Vaters belastete ihn schwer. Und mit einer Frau an seiner Seite, die vom ersten Tag an gegen ihn ausgespielt wurde, hätte er auf keinen Fall regieren können.
Auf der Autobahn wurde er ruhiger. Es war richtig gewesen, sich aus dem Geschehen herauszunehmen. Er hatte sein Bestes gegeben und es hatte seinem Vater nicht gereicht. Undine würde dafür sorgen, dass das Königreich sehr bald an König Mormer fiel. Und wo König Mormer regierte, herrschten Wohlstand und Glück.

Als der kleine grüne Wagen die Ausfahrt zur Universitätsstadt hinunterfuhr, spürte Lukas wieder Frieden in seinem Herzen.

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