Veröffentlicht: 18.09.2026. Rubrik: Aktionen
Der Wirbelwind im Kopf
Niko war ein siebenjähriger Junge und besuchte die zweite Schulklasse. Grundsätzlich war er ein sehr begabter Junge, doch da gab es ein großes Problem! Er beschrieb es so, als würde ein Wirbelwind durch seinen Kopf wehen. "Ach, Lino, du bist wieder da!", rief Niko dann in seinen Gedanken. Er hatte dem Wind diesen Namen gegeben. In der Schule sorgte der Wind dafür, dass er die ganze Zeit unruhig zappelte und fast vom Stuhl fiel. Jeder Gedanke wurde vom Wirbelwind davongeweht, und jeder Ansatz, sich zu konzentrieren, war sofort weg. "Kannst du mich nicht einmal ruhig bleiben lassen?", fragte Niko verzweifelt in seinen Gedanken. "Nein, ich bin der Wirbelwind. Ich bin immer voller Tatendrang!" "Aber du lenkst mich ab!" "Das mache ich gerne!", antwortete Lino. Niko seufzte.
Die Hausaufgaben brachten Niko und seine Mutter täglich an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Nach jedem Satz begann der Junge, mit dem ganzen Körper zu zappeln. "Schreib doch endlich mal eine Seite fertig!", rief Barbara, seine Mutter. "Ich kann mich nicht konzentrieren! Da ist ein Wirbelwind in meinem Kopf! Lino macht solchen Krach!" Barbara sah ihren Sohn besorgt an. Diese Sätze hatte er schon oft gesagt, und es machte ihr Angst.
Nur beim Streicheln seines Katers Kian war Niko vollkommen ruhig. Das regelmäßige Schnurren beruhigte seine Gedanken. Manchmal, wenn sein Kater sich während der Hausaufgabe an ihn schmiegte, beruhigte ihn auch das. Aber immer öfter spürte Niko große Selbstzweifel. Warum konnte er nicht sein, wie die anderen Kinder? Warum konnte er nicht richtig lernen und nichts zu Ende bringen? Obwohl er noch so klein war, spürte er deutlich die Diskrepanz zu seinen Altersgenossen.
Eines Tages nahm Barbara ihren Sohn zur Seite. "Morgen haben wir einen Termin bei einem Arzt, um zu schauen, woher dein Wirbelwind kommt", sagte sie, und Niko lächelte. Er wollte endlich Hilfe haben, auch wenn er große Angst vor Ärzten hatte. Er hasste jede Art von Untersuchung. Am nächsten Tag brauchte er zumindest nicht zur Schule gehen. Ein netter Mann, ganz ohne irgendwelche Untersuchungsgeräte wie Nadeln oder Abhörgerät wartete auf ihn. Niko war erstaunt. Wie würde die Untersuchung dann stattfinden? Der Arzt lächelte ihn freundlich an und stellte ihm einige Fragen. Auch seine Mutter bekam einen Zettel zum Ausfüllen mit. Dann musste Niko ein Arbeitsblatt ausfüllen, was ihm große Schwierigkeiten bereitete, da Lino in seinem Kopf immer unruhiger wurde.
Zwei Wochen später kam das Ergebnis. "Niko, du bist etwas ganz Besonderes", meinte der Arzt. "Dein Wirbelwind nennt sich ADHS, das bedeutet, dass du Schwierigkeiten hast, dich zu konzentrieren. Du brauchst ständig Bewegung. Es gibt nun zwei Möglichkeiten. Entweder, du musst jeden Tag eine Tablette schlucken, um diesen Wirbelwind zu unterdrücken, oder du machst eine Therapie." Barbara und Niko entschieden sich schnell gegen medikamentöse Maßnahmen. In der Ergotherapie lernte er, Lino in seinem Kopf ruhiger zu halten. "Ich weiß, dass du gerade wirbeln willst, aber ich muss gerade konzentriert arbeiten. Ab jetzt entscheide ich, wann du wirbeln darfst!" Dies dachte Niko jedes Mal, wenn der Wirbelwind die Oberhand gewinnen wollte. Außerdem trat er in einen Fußballverein ein. Am Anfang war er zwar noch sehr impulsiv und tat sich schwer damit, die Regeln einzuhalten, aber sein Trainer nahm ihm das nicht übel. "Ich hatte selbst so einen Wirbelwind in meinem Kopf, als ich ein Kind war", erzählte er ihm eines Tages. "Jetzt ist er ruhig geworden." Niko riss die Augen staunend weit auf. "Kann der Wind wieder verschwinden?", fragte er. Der Trainer nickte. "In vielen Fällen verschwindet er im Jugend- oder Erwachsenenalter." Darauf hoffte Niko nun, auch wenn er gelernt hatte, den Wind ruhig zu halten. Seine schulischen Leistungen hatten sich schlagartig verbessert, und er hatte sogar Freunde gefunden.
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