Veröffentlicht: 08.09.2026. Rubrik: Aktionen
Die Wandlerin zwischen zwei Welten, Teil 5
Kapitel 10: Der nächste Tag
Es war bereits wieder später Nachmittag, und Mila hatte diesmal keine Therapie verpasst, da wandte sie sich an Katja. "Hast du heute noch Therapien?" Das Mädchen schüttelte den Kopf. Mila rechnete nach. Es blieb ihnen noch eine Stunde zum Abendessen. "Wollen wir zusammen in den Wald gehen?", fragte sie schließlich, und nach kurzem Zögern nickte ihre Zimmergenossin. Schweigend spazierten sie durch den Wald, denn Mila wollte Katja keinerlei Druck machen. Wenn sie sprechen wollte, würde sie es schon tun. "Es ist schön mit dir", murmelte Katja irgendwann. Endlich hatte sie einen kleinen Schritt aus der Angst getan. "Ich freue mich sehr, dass du mitgekommen bist", antwortete Mila, was Katja zum Lächeln brachte.
Beim Essen saßen die Mädchen nicht weit voneinander entfernt und warfen sich immer wieder freundliche Blicke zu. Während Katja jedoch still blieb, unterhielt sich Mila viel mit Luka, um jede Sekunde zu nutzen, in der er noch hier war. Nach dem Abendessen war ein Spieleabend geplant, doch Mila, Luka und Katja zogen sich zurück. "Willst du wieder mit uns in den Wald gehen?", fragte Mila. Katja zögerte einen Moment und blickte zwischen den beiden Freunden hin und her. "Du musst auch nicht sprechen, wenn du nicht möchtest", fügte Mila hinzu, und Katja überwand ihre Angst wieder etwas mehr.
Im Wald unterhielten sich Luka und Mila, während Katja zuhörte. Nach einigen Minuten traute sie sich, auch etwas zur Unterhaltung beizutragen, und je länger sie unterwegs waren, desto mehr taute sie auf. Plötzlich erkannte Luka, dass die Sonne bereits untergegangen war. "Wir müssen auf die Station zurück!", rief er, und sie traten den Rückweg an. Zum Glück konnten sie sich rechtzeitig in ihre Zimmer schleichen, bevor die Betreuerin ihren Rundgang machte. "Danke, dass du mich mitgenommen hast", sagte Katja, nachdem die Betreuerin verschwunden war. "Das habe ich gerne gemacht", antwortete Mila.
Kapitel 11: Lukas Entlassung
Es verging eine schöne Woche mit immer mehr Waldspaziergängen, schönen Gesprächen und einer neuen Freundschaft zu Katja, welche ihre Ängste immer mehr ablegte. Zumindest in Milas und Lukas Gegenwart redete sie inzwischen wie ein Buch. Heute war der Tag gekommen, an dem sich die Mädchen von Luka verabschieden mussten. Seine Eltern holten ihn am Nachmittag ab, sodass Mila und Katja diese noch kennenlernten. Auch sie waren froh darüber, dass ihr Sohn hier Freunde gefunden hatte. "Wir bleiben in Kontakt", versprach Luka noch einmal, bevor er mit seinen Eltern das Klinikgelände verließ. Obwohl Mila etwas traurig über seinen Abgang war, hatte sie nun Katja, mit welcher sie ihre Spaziergänge machen konnte.
Mila ging die letzten drei Wochen in ihren Gedanken durch und stellte fest, dass sie hier kaum noch reizüberflutet war. Das Stimmengewirr in manchen Situationen, welches sie am ersten Tag noch überfordert hatte, machte ihr kaum noch etwas aus. Außerdem musste sie sich hier nicht verstellen, sodass sie sich erholen und wieder mehr von ihren Reizen ausblenden konnte. Dennoch wusste sie, dass dies nicht immer so bleiben würde. Irgendwann kam sie nach Hause und musste oder wollte wieder in eine Schule gehen. Sie würde nun immer gut auf ihre Grenzen achten müssen, um nicht wieder zu sehr überfordert zu werden. Bald würde auch ihre Diagnostik abgeschlossen sein, und dann würde sie wissen, ob ihre Vermutung zutraf.
Kapitel 12: Endlich die Wahrheit
Eine Woche später war es endlich soweit. Die Untersuchungen waren abgeschlossen, und der Psychiater holte Mila und ihre Mutter zum Gespräch. "Ihre Tochter ist eine sehr anpassungsfähige Autistin", begann er seinen Bericht. "Dennoch muss sie darauf achten, dass ihre Anpassung sie nicht zu sehr stresst, um nicht wieder in solch eine Situation zu kommen. Sie wird spezifische Therapie erhalten, und da ich weiß, dass Mila gerne ins Gymnasium gehen möchte, werde ich eine Empfehlung geben. Es gibt eine Schule, welche einen guten Ruf im Umgang mit Autisten hat." Milas Herz tat einen Satz. Vielleicht war ihr Traum doch nicht verloren. Vielleicht war da noch Hoffnung. Nach einer halben Stunde und einigen Fragen der Mutter war das Gespräch vorüber, und Mila stellte ihrer Mutter Katja vor. "Das ist meine neue Freundin", sagte sie stolz, und Katja begrüßte die Mutter sogar. "Ich muss nach Hause", erklärte die Mutter nach kurzer Zeit. Sie umarmte Mila nur kurz und verließ das Gebäude.
"Du hast eine nette Mutter", meinte Katja bei ihrem täglichen Spaziergang, und Mila lächelte. "Sie ist die beste Mutter der Welt", antwortete sie. Für einen Moment war es ganz still, bis Katja weitersprach. "Danke, dass du mich aus der Angst geholt hast." Die Worte ihrer Freundin ließen Freude in Mila aufsteigen, und die Mädchen umarmten sich. "Ich freue mich, dass es dir besser geht", sagte sie. "Der Psychiater meint, ich könnte in wenigen Wochen entlassen werden." Mila blieb stehen. Schon wieder würde sie eine Freundin verlieren. Doch vielleicht konnten auch sie in Kontakt bleiben, wie es auch mit Luka war. Jede Woche, wenn Mila telefonieren durfte, rief sie zuerst ihre Mutter, danach Luka an. Der Kontakt war schön, auch wenn sie sich jetzt nicht mehr sahen. Einmal hatte er sie sogar für kurze Zeit besucht, was Mila sehr gefreut hatte.
Kapitel 13: Wochen später
Inzwischen war Mila bereits seit acht Wochen hier und hatte ihre erste Belastungserprobung überstanden. Sie war ein ganzes Wochenende bei ihrer Mutter geblieben, und es war schön gewesen. Inzwischen war auch Katja entlassen worden, doch mit ihrer neuen Zimmergenossin kam Mila nicht gut zurecht, da diese zu Aggressionen neigte. Mila wollte nur noch Eines: Wieder einen normalen Alltag. Sie war bereits in ihrer zukünftigen Schule gewesen, um auszuprobieren, wie es ihr gefiel. Zwar war es am Anfang etwas ungewohnt, und ihre alten Ängste kamen kurz zurück, aber die Schüler nahmen sie freundlich auf, sodass Mila sich schon auf den ersten Schultag freute.
Nun hatte sie ein Gespräch mit dem Psychiater und ihrer Mutter. "Wir denken, dass du in wenigen Tagen entlassen werden kannst", sagte der Arzt, was Mila sehr freute. "Das würde mich sehr freuen", antwortete sie. "Ich habe gute Nachrichten. Unverhofft ist im Autismustherapiezentrum ein Platz frei geworden, sodass du nun jede Woche Therapie erhältst", fuhr der Psychiater fort. Mila lächelte. "Ich danke euch, dass ich hier sein konnte", sagte sie schließlich. "Hier konnte ich mich wieder erholen und herausfinden, was mich tatsächlich ausmacht."
Eine Woche später war es soweit, und Mila verließ zwar mit einem etwas mulmigen, aber dennoch guten Gefühl die Klinik. Nachdem sie durch das große Tor getreten war, drehte sie sich um und betrachtete das Gelände noch ein letztes Mal. Ein Gefühl der Traurigkeit stieg in ihr hoch. "Ich wusste nicht, wie sehr ich diese Klinik bereits als Zuhause angesehen habe", dachte sie. Es würde nicht leicht werden, sich wieder an einen normalen Schulalltag zu gewöhnen, aber Mila wollte es schaffen. Sie kannte nun ihre Einschränkungen und Grenzen, außerdem hatte sie wieder Hoffnung. Schnell drehte sie sich wieder um und tat den nächsten Schritt in ein neues Leben.
Ende
2x



