Veröffentlicht: 01.10.2026. Rubrik: Unsortiert
Franz schreit auf!
Im Kino ist es still. Mein Sitz knarzt als einzigstes Geräusch in die Dunkelheit hinein, während der Vorhang sich langsam schließt und gedimmtes Licht für einen kleinen Moment, bevor der Film losgeht, den Raum in getupftes Licht verwandelte. Letzte Kurzentschlossene nehmen ihre Jacken vom Schoß und schlängeln sich leise durch ihre Bankreihen. Draußen Toilette machen, vielleicht auch eine Packung saure Süßigkeiten und Rabarbersaftschorle kaufen, die hier angeboten wird. Der Film wird kurzstrecke laufen und ist weder in HD, noch hat er Dolby Surround, was sonst herkömmlich so angeboten wird in Kinos, aber hier ist nicht sonst und hier geht es um nichts als um die Realität, Fakten und um die blanke Wahrheit. Nicht gerade das, wofür die meisten durch einen feuchten, trüben, Herbstabend noch hierher gekommen wären, doch die, die hier waren, hatten etwas miteinander zu begehen, Abschied oder ein Freudenfest des Bestands. Ihr aller Viertel, in dem auch das kleine alte Kino lag mit den weinroten Samtsitzen und den kleinen Leuchten mit Blasblau bespannten Lampenschirmchen, war eines der älteren der Stadt, alt genug, um viele, ja außerordentlich prägende Geschichten für die Anwohner und ihre Leben mit sich zu bringen, zu jung, um in großen Teilen unter Denkmalschutz zu stehen. Der Film würde die Entstehung der Stadt zeigen und seine wunderbare Reise durch den außergewöhnlichen Zusammenhalt der Bewohner untereinander. So wurde bei Bau damals rasch viel Fläche erschlossen und individuell treffsicher genutzt. Ich strich über meinen Schnäuzer, eine Angewohnheit um mir selbst Behagen zuzuführen. Die ersten kommen wieder zurück von ihrem Versorgungsweg, durch den Vorhang in den Vorführraum, setzen sich auf ihre Plätze. Leises Klirren von Rabarberschorlenglasfläschchen, die in den dafür vorgesehenen Flaschenhalterungen der Sitze Platz finden. Das Licht erlischt. Inzwischen sind alle, die den Film sehen möchten, da. Nur Frau Meliot hat wohl Darm und sitzt im Toilettenraum fest, jemand vom Kinopersonal wird ihr eine Tablette bringen. Ich überschlage meine Beine von links nach rechts und denke in die Dunkelheit, in der nun der Film losstreift, hinein, wie sie nun vorhaben, die Stadt, das ihr Städtchen war, das der Anwohner nun platt zu machen, um dort Kohle abzubauen. Denke an all den Dreck, den Lärm und Verlust, vor allem den Verlust. Fast alle müssten von uns aus ihren Häusern, die wir hier versammelt sind, außer jene, welche ganz an den Rändern des zukünftigen Abbaugebietes liegen. Am Ende ließ sich der Bau nur noch stoppen, wenn eine andere ertragreiche Finanzquelle gefunden würde, wurde gerade von einem Reporter mit gelbem Bauhelm, drei Tage Bart und blauem Kaschmier Mantel gesagt. Allgemeines Schlucken erfüllte den kleinen Raum. Dass es so schlimm um uns steht ... keiner hatte es so recht glauben wollen. Ja, die Stadt ächzt und jocht an vielen Ecken und Kanten, aber dann geht es eben doch jede Woche weiter. Wie aber soll es nun nur wohl weiter gehen? Wie lässt sich diese Tragödie verhindern?
In diesem Moment schreit Franz auf. Ich erkenne diese markante, etwas selten genutzte Stimme, und jetzt, wo er aufgesprungen ist, sehe ich seinen zerstrubbelten Haarbestand vom Bildschirm engelsgleich angeleuchtet.
„Lottogewinn!“, schreit Franz.
Und alle horchen auf. Franz liest eine horrend hohe Zahl vor. Im Checkpott sind ein paar Billionen. Ein Raunen verfüllt den kleinen Kinosaal und im Bolognese-Marsch,schieben wir uns alle gegenseitig allen voran Franz hinaus Richtung Licht. Was wir jetzt zu sehen bekommen, ist die Fata morgana von Franz mit einigen 0 weniger. Es wird langen, beschließen wir, nachdem Franz einen halben Herzkasper vor Scham bekommt und ihm keiner böse sein will, uns alle für eine Woche beim Wirth um die Ecke mit Getränken und kleinen Brotzeiten zu versorgen. Die Zeit, in der wir Brainstorming und das Auswerten von neuen Lottoscheinen machen wollen. So schnell geben wir nicht auf.
„Und wenn wir doch gehen müssen“, sagt die junge Ilse, unsere Studierte und recht neu in der Stadt, „dann ziehen wir alle nach Hamoln, da ist es ruhig, billig und wegen dem Moor will keiner etwas von denen.“
„Aber die haben zu wenig Wohnraum“, werfe ich in den Raum hinein.
Da sagt Ilse etwas ziemlich Kluges.
„Wie viele von euch leben alleine? Wie viele von euch fühlen sich oft einsam in ihren Wohnungen oder haben Probleme, die Miete alleine zu zahlen? Wir machen Wohngemeinschaften!“
Und so wurde aus der Zeit von innerer Not eine der inneren Aufregung. Erste WG-Partner fanden sich zusammen, die gemeinsam wohnen wollten, ob in Hamoln oder weiter bei ihnen im Ort, und es wurde Lotto gespielt, nur wie Franz schreien, das traute sich keiner mehr.
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Autorin: Von Gott inspiriert, von mir Herbstsonne niedergeschrieben.
Meine Geschichten sind von Copilot oder Chatgpt in Rechtschreibung und Grammatik überprüft.
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