Veröffentlicht: 11.10.2026. Rubrik: Lyrisches
Das tote Haus
Das tote Haus, auf einer Tour –
ich sah es aus der Ferne nur –
doch schon zog es mich magisch an
und eilte hin durch Feld und Tann.
Der wilde Garten – welch ein Blick!
Die alten Bäume, mächtig, dick!
Ich überwand den Drahtverhau
vor diesem alten Ziegelbau.
Die Fenster blind, die Klingel stumm,
das Dachgeschoss von Würmern krumm.
Die Tür mit Brettern stark verblockt,
als ob ein böser Geist drin hockt.
Drang trotzdem ein ins Geisterhaus.
Doch was ich sah – o welch ein Graus!
Die Treppe schief, die Wände grau,
Verfall und Dreck, wohin ich schau.
Ein alter Ofen stand noch da,
mit breitem Maul, als rief er: „Ja!
Vor langer Zeit saß Groß und Klein
an diesem Ort bei meinem Schein.“
Im Keller gar, ein tiefer Schacht –
wurd´ da wohl jemand umgebracht?
Liegt da vielleicht ein bleiches Skelett,
vergraben tief im Erdenbett?
Voll Grauen lief ich schnell davon,
hinein in helle Mittagssonn´.
Wenn niemand um ein Haus mehr wirbt,
dann geht es ein, die Heimstatt stirbt.
2026





