Veröffentlicht: 13.10.2026. Rubrik: Kinder und Jugend
Freundschaftstage
Pepe stromerte durch die Stadt. Zitronenlimo war seine Lieblingslimo, und darum war das einer seiner ersten Wege gewesen, eine Zitronenlimonade zu suchen, nach dem Umzug in dieser immer noch etwas neuen Stadt Frankenheim. Eine in einer schönen Flasche, die er, wenn die Flasche leer war, auf sein Regal stellen konnte, das er eigens hatte sich dafür von seinem Onkel Harry anfertigen lassen. So standen nun schon einige Fläschchen Limonade nebeneinander gereiht, leer getrunken, mit süß pappendem Hals auf ihrem Regalbrett und staubten ein. Und Pepe? Pepe war mächtig stolz darauf. Er war auf alles stolz, was ihm gehörte, denn es waren seine Schätze, sein Besitz. Erwachsene hatten Autos, sie besaßen teure Uhren und mehrere Paar Schuhe für jeden Anlass verschiedene, aber er besaß auch Dinge, Dinge, die von größstem Wert waren, denn sie wurden nicht schlecht, sie gingen nicht kaputt, sie alterten nur. So sammelte Pepe auch Glassplitterstückchen von Buntglasflaschen. Wenn die Sonne schien, dann nahm er so ein Stückchen Buntglas, hielt es zwischen Daumen und Zeigefinger, kniff ein Auge zusammen und blickte durch zur Sonne, und das Glas leuchtete dabei herrlich auf. Auch sammelte er Bierdeckel. Sein Vater brachte ihm von seinen gelegentlichen Wirtshausaufenthalten immer einen mit, und so hatte er schon einige verschiedene, allesamt wirklich recht stabil. Wertarbeit nannte man das.
Pepe hatte auch eine Uhr, wie die Erwachsenen, nur seine war günstiger gewesen. Er sagte sich, weil sie kleiner war, weniger Material, weniger Kosten, ist doch klar. Dass das Uhrenband aus Plaste war, das übersah Pepe dabei gerne großzügig, er war eben gerne in seiner eigenen Welt.
Seine Socken und Unterhosen bewahrte er in seinem kleinen Lederkoffer unter dem Bett auf. So kam er sich morgens geschäftig vor, wenn er sich schnell ankleiden musste, nachdem sein Fix-und-Foxy-Wecker zum dritten Mal am Nachttisch neben seinem Kopfkissen geschrillt hatte. Er nahm dann seine vorgebundene Krawatte, die an der Nachttischlampe hing, und legte sie sich wie eine Schlinge um den Kopf. Dann klappte er seinen Koffer auf, und es kam ihm dabei vor, als wäre er ein Handelnder auf Geschäftsreise, sich fertig machend im Hotel für den Tag oder die Weiterreise.
Seine Mutter belächelte dies, wusste nicht, von wem er das hatte, ließ ihn aber, und die Socken- und Unterwäscheschublade blieb leer.
Am Fensterbrett stand ein Dosentelefon, das heißt das eine Ende, das andere Ende stand bei Felix. Die Schnur, also das Leitungskabel, ging zum Nachbarfenster gegenüber. Die Häuser waren dicht an dicht, nur ein kleiner Baum, der hoch, aber schmal war, stand zwischen ihnen. Ideal, denn wenn kein Erwachsener zuschaute, nutzten sie ihn manchmal als Brücke zwischen den Zimmern, was nicht ganz ungefährlich war, denn der Baum war wirklich mehr dazu gedacht, Vögel zu tragen als Menschen, wie es mal Felix' Mutter gesagt hatte, als sich ein Kind beim Daran turnen den Arm brach. Felix und er sprachen oft durchs Dosentelefon, doch in den letzten Tagen war es Felix nicht gut gegangen. Er hatte hohes Fieber, und Pepe sorgte sich um ihn. Da wollte Pepe morgens auch gar nicht reisen und lief deshalb die Tage ohne Socken herum, und seine Mama schimpfte deswegen. Es ging so weit, dass sich Pepe, um der Meckerei zu entgehen, Unterhosen und Socken von seinem Vater lieh. Die Unterhosen musste er mit einem Einweggummi seitlich am Bund enger knubbeln, so hielten sie. Dennoch gingen sie ihm über die Kniekehlen.
Felix war Pepes bester Freund, und anders als Pepe war Felix kein Sammler, sondern Sternegucker. Pepe saß in der Schule, konnte sich aber nicht recht konzentrieren. Er dachte über Sterne nach und über Felix und darüber, dass er sicher Zwieback essen musste. Bah, wie scheußlich, der arme Kerl. Ob er ihm sein Wurstbrot von der Pause mitbringen konnte nach der Schule? Eine Gurke, glaubte er, war auch noch drauf. Seine Mutter wusste, er mochte Gurken, sicher hatte sie ihm eine Gurke mit draufgelegt.
Als die Schule vorbei war, trödelte er ein bisschen auf dem Nachhauseweg. Er hatte Sorge, zu Felix zu gehen. Wer wusste schon, ob man einen Kranken besuchen durfte? Erwachsene schickten einen doch ständig wohin, ins Bett, in den Keller Getränke holen, schnell zum Kiosk um Zigaretten und zum Zahnarzt, obwohl man Milchzähne prima alleine ziehen konnte. Vielleicht schickte man ihn ja dann auch von Felix fort?
Sicherer war es, ein Gastgeschenk mitzubringen. Bei einer netten Geste konnte man vielleicht schlechter Nein sagen.
Er fand, das war eine gute Idee, und seine wertige Plasteuhr am Handgelenk zeigte, es war noch zeitig genug am Tag, um ein Wurstbrot vor dem Abendzwieback vorbeizubringen.
Also lief er nach Hause und riss sämtliche Schubladen und Schachteln auf, die er so finden konnte, in dem Versuch, das schönste Mitbringsel zu finden, das er besaß. Doch er fand nichts Aufregendes für Felix.
Sein Blick fiel beim müden letzten Rundblick des Zimmers auf seine kleine Glückskatze mit dem geklebten Köpfchen, die ihm beim Umzug hierher heruntergefallen war, und ihm kam eine Idee.
Aus Vaters Werkzeugkiste holte er sich einen Uhu-Kleber, und dann suchte er sich verschieden schöne Stücke Buntsplitterglas heraus und klebte sie zu einem, na ja, einem Felix-Stern zusammen. Dann nahm er eine Zitronenlimonadenflasche vom Regal, was beinahe schiefgegangen wäre, da das Regal hoch angebracht war und er beim Versuch, eine zu angeln, beinahe alle abgeräumt hätte. Doch er schaffte es und klebte Felix' Stern ganz oben auf den Flaschenhals. Nun sah das richtig schön aus.
Dann besah sich Pepe, und er fand, jetzt wäre es Zeit zu reisen, und so klappte er zum ersten Mal seit einer Woche seinen Koffer auf und zog sich frische Unterhosen und Socken an. Dann kämmte er sich die Haare durch, putzte sich sogar die Zähne, nahm sein Gastgeschenk in beide Hände und ging über die Treppe nach unten zum Nebenhaus.
Zwei Wochen später, die Sonne schien milde aufs Fensterbrett und funkelte bunt Felix' Stern an, da klingelte Pepes Dosentelefon.
Es war Felix, der dran war. Ob Pepe spielen kommen will, in fünf Minuten unten im Hof?
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Autorin: inspriert von Gott, niedergeschrieben von mir Herbstsonne.
Meine Geschichten sind Rechtschreib und Grammatik geprüft von Copilot.
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