Veröffentlicht: 16.10.2026. Rubrik: Unsortiert
Ein Traum geht in Erfüllung
In der Höhle war es angenehm kühl, Wasser tropfte von den salzigen Steinzapfen hinab auf das Dach meines Helmes oder fielen auf den Boden. Mit meinen Schritten war ich vorsichtig, aber nicht übermäßig, denn nur kleinere Steine säumten den Weg, die Brocken waren zur Seite geräumt worden. Tageslicht würde durch eine Stelle der Decke fallen, hatte man uns am Eingang verraten und uns neugierig gemacht. Aber nun hier: noch Dunkelheit. Kleine Petroleumlampen leuchteten mir und den anderen den Weg.
Vor meinem inneren Auge entblätterten sich Bilder aus vergangenen Tagen. Ich sah mich in Bauchlage auf dem Bett liegen Zeitschriften und Prospekte durchblickend. Ich war ein Teenager gewesen mit Flaum auf der Oberlippe und rundlichen Wangen, damals schon wollte ich in die weite Welt, wollte verreisen.
Meine Eltern versuchten, mir diesen Wunsch so oft wie möglich zu ermöglichen, und sendeten mich wie ein Carepaket, zusammen mit guten Wünschen und Küssen, zu verstreuten Verwandten im Land. So kam es, dass ich manches sah, wie den Rasenmäher von Tante Monty, die mich regelmäßig für ihre Arbeiten im und ums Haus einsetzte, aber ganz und gar zu vergessen schien, für was ich eigentlich gekommen war. Aber es gab auch andernorts andere Erfahrungen wie den Roller von Cousin Lukas, der mich damit herumfahren ließ und ich so zum ersten Mal Landschaftliche Weite ganz für mich erleben und aufsaugen konnte.
Bei Onkel und Tante Naff Naff, mir war nie klar gewesen, wie sie zu diesen Spitznamen gekommen waren, konnte ich dann regelmäßig die Stadt besuchen, um dort Museen und Bildergalerien aus meinen verschiedenen Prospekten, die ich mitgebracht hatte, zu besuchen.
Mein eigentlicher Wunsch jedoch: in die wirklichen Weiten zu fahren, Tage und Wochen damit zu verbringen,- das mitzunehmen, was der Highway zu bieten hatte an seinen Rändern und Orten, an denen ich vorbeikommen würde. Nur ein festes Ziel, welches erreicht werden müsste, vor Augen, der Rest würde freie Fahrt sein. Ich sah wieder das Hochglanzfoto in Großaufnahme von der Tropfsteinhöhle in New Mexiko, welches damals den Prospekt zierte und mich all die Jahre nicht losließ. Wie oft habe ich mit dem Daumen darüber gestrichen, wie oft eine Rolle auf den Rücken mit dem Prospekt in der Hand gemacht und mich in den Prospekt hinein geträumt, während laut die Sex Pistols liefen und meine Zehen zum Beat der Musik hämmerten. Und nun war ich also hier,mein Oberlippen Flaum Vergangenheit, meine Wangen mittlerweile schmal und mein Gesicht von einem Bart umgeben, nahm ich die nächsten Schritte weiter auf den Weg der Grotte auf mich dessen schmaler Weg in eine Kurve mündete.
Mit meiner freien Hand, welche die Lampe nicht halten musste, tastete ich die Wände entlang, die feuchten, kühlen und salzigen Steine. Es war fantastisch. Diese einfache Handlung erfüllte mich mit so viel Freude. Es ging gar nicht darum, auf meiner Reise möglichst viel Actiongeladenes zu sehen und zu erleben, es ging mir um etwas anderes. Schon immer war mir wichtig gewesen, das Schöne wahrzunehmen, Gottes Schöpfung selbst, und mich interessierte auch sehr, wie die Menschen mit dieser Schöpfung umgingen, mit ihr lebten, sie nutzten, formten und gestalteten, vor allem aber achtsam würdigten, so war stets meine Hoffnung.
Ich war nun bei der Kurve des Weges angelangt und umwanderte sie, als ich meine Lampe sinken ließ. Licht fiel von der Decke, zunächst einzelne kleine Strahlbündel aus kleineren Gewölbeöffnungen in der Decke, dann eine große Gewölbeöffnung, durch deren Mitte das Sonnenlicht flutete, als würde es für die Grotte das Lied der Ewigkeit singen. Senkte man seinen Blick zum Grund, lag dort ein grüner, stiller See, glitzernd und funkelnd, sich badend im Lichte.
Alle, die schon da standen, waren mucksmäuschenstill, wie ich selbst auch. Ich schloss die Augen und sprach still durch die Gewölbedecke empor: „Herr, du erquickest meine Seele“, dann öffnete ich wieder meine Augen und meine Gedanken fielen darauf, am Grottenausgang im Shop, den ich zur Grotte gesehen hatte, Jenny eine Karte zu kaufen von diesem Wunder der Natur.
Jenny war meine ehemalige Freundin gewesen in Schultagen, mit ihr konnte ich meine Highway-Träume besprechen, sie verstand mich, obwohl sie selbst das Verweilen in der Kleinstadt stets favorisierte. Ich würde die Karte an Jennys Eltern schicken, die noch in Village Suhseen lebten, sicher könnten sie sie früher oder später an Jenny weiterleiten.
Am Ende des Besuchs draußen angekommen, schritten meine Schuhe über den staubigen Boden des Parkplatzes, kleine Steine knirschten. Ich trug jetzt eine kleine Tüte des Naturadventure-Shops, mit der Karte für Jenny darin, in meiner Hand. Die Tüte flatterte im Wind und schlug mir sanft mit jedem neuen Schritt gegen meine Jeans.
Die Sonne schien mich milde, aber durchaus sehr warm auf Nacken und Kopf an. Ich atmete noch einmal kurz die Luft der Straße, die des Ortes ein, welche nicht anders roch als anderswo auch, aber für mich war sie besonders.
Dann stieg ich ein und sah auf meine Landkarte. Darauf hatte ich einen Kreis gezeichnet, was es so, sagte man mir, als Nächstes hier zu sehen gäbe. 30 Meilen weiter gab es eine wunderschön wilde Kakteenfarm.. Ich legte eine CD mit Musik von Melissa Etheridge ein und startete den Motor, bereit, mehr Schöpfung in mich aufzusaugen und Träume wahr werden zu lassen.
____
Autorin: Von Gott inspiriert, von Herbstsonne niedergeschrieben.
Meine Geschichten sind in Rechtschreibung und Grammatik geprüft von Copilot.
3x



