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geschrieben 2026 von Herbstsonne.
Veröffentlicht: 01.11.2026. Rubrik: Menschliches


Das still gewordene Haus *Thema Sternenkind wird behandelt

Diese Geschichte behandelt nicht das Gehen als solches, sondern die Zeit danach.

Diese Geschichte hat sich nicht zum Auftrag gemacht, zu trösten, so schön das natürlich auch wäre, wenn sie das könnte. Vielmehr möchte sie einfach sein und Partner damit umgehen lassen, indem es kein Richtig oder Falsch gibt, manchmal ein Gemeinsames und manchmal ein Anderes. Welches Ende mancher betroffener Leser vielleicht in seiner Biographie auch erlebt, wisse: Du wirst geliebt.

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Regina? … Regina? … Regina!! Ich stand vor der verschlossenen Türe, die Hand auf dem kupferfarbenen, von den Jahren gezeichneten Türknauf, das Ohr am Türblatt, mühe meine aufsteigende Wut noch unter Kontrolle zu halten.

Regina war heute Morgen als letzte von uns beiden aufgestanden, hatte sich einem gemeinsamen Erwachen, als der Hahn krähte, entzogen, das Surren der Kaffeemaschine ignoriert und war nicht zum Frühstück erschienen.

Sie hatte mich alleine damit gelassen, mich zurückgelassen, in all dem Schmerz.

Ich war raus zum Versorgen der Tiere gegangen wie jeden Tag, hatte ihr Marmelade, Butter und Brot auf dem Tisch stehen gelassen, den Kaffee heiß auf der Platte angeschaltet. Doch nun, bereits 3 Std. später, auch nach meiner Feldarbeit, in der ich heute mit der Sense manche Flur- und Wiesenbereiche zurückgeschnitten hatte und einen Zaun zu reparieren wusste, war sie nicht aus unserem gemeinsamen Schlafzimmer herausgetreten gewesen. Schlimmer noch, sie hatte sich eingesperrt.

Ich kannte Regina nun ein Viertel meiner Lebenszeit, fast 12 Jahre. Ihre dicken braunen Haare, die im Kontrast zu ihrem schmalen, vornehm blassen wirkenden Gesicht standen, waren mir als erstes an ihr aufgefallen. Gleich danach, dass sie zu dem von ihrem geblümten Sommerkleid, welches alle Knöpfe des Ausschnitts verschlossen hielten bis auf einen, der vergessen zu sein schien, barfuß durchs Tanzlokal schritt. Alle anderen Frauen waren mit Blumen im Haar, auffälligem Sonntagsschmuck und höheren Schuhen gekleidet gewesen, so ganz anders als sie.

Das hatte mich auf eine stille Weise angesprochen und im selben Moment hatte ich gespürt, dass diese Begegnung mit allem, was sich daraus ergeben würde, nicht nur aus einem Bett von Sonnenblumen bestehen würde.

Angestrengt, nachdem auch beim letzten Rufen ihres Namens kein Laut aus dem Schlafzimmer kam, presste ich erneut das Ohr an die mit Kassetten eingelassene Holztüre und lauschte in das Hinüber ein.

Da war unsere Kommode mit den bäuerlichen Verzierungen und der Mahagonischrank mit Vorhängen in den Glaseinsätzen der Türen, zwei Nachtkästchen, eines rechts und eines links neben dem großen Ehebett, und am Ende des Bettes ein kleines Bänkchen, das beim Entkleiden nach schweren Arbeitstagen half und zum Ablegen der Kleidung für den nächsten Tag diente, zwischen all dem unser Bett. Die Möbel passten nicht zusammen, wir hatten immer darüber gelacht, über unsere kleine Flohmarktkiste, wie wir früher oft gerne unser erstes kleines, also dieses Häuschen genannt hatten, ehe es zur stillen Uhr ohne Gong und Kuckuck wurde, ein Schreckgespenst, das niemals die Sonne sah.

Jetzt nahm ich ein Geräusch wahr… Ich nahm von hier oben das Traktorengroggeln vom Nachbarn Garry wahr. Das Fenster musste also geöffnet sein, denn bei geschlossenem Fenster konnte man nur das Summen des Beulers im Erdgeschoss hören.

Plötzlich überkam mich eine Angst.

Ich ging, so weit es mir der Flur ermöglichte, zwei Schritte zurück, bereitete meinen Arm mit meinem Körper zu einer Linie als Rammbock aus und rammte gegen die Tür an, die nach 2 Versuchen aufsprang und mir mit wehenden Vorhängen und bei guter Belüftung den Blick auf das leere Schlafzimmer preisgab.

Ich stürzte zum Fenster und blickte nach unten, Gott sei Dank. Sie lag nicht unten auf dem Kies.

Schnellen Schrittes war ich hinunter ins Freie gelaufen und suchte den Weg nach Spuren auf Verletzungen ab, doch es waren keine sichtbar.

Da sie selbst zugeschlossen hatte, lag aber auch der Weg nahe, dass sie anstelle, sich aus dem ersten Stock zu stürzen, für die Treppe entschieden hatte und die Schlafzimmertür vor ihrem Verschwinden abgeschlossen hatte, um mich zu täuschen und Zeit zu gewinnen.

Der Autoschlüssel hing noch am Haken, wo er immer hing, neben denen von Traktor und Mähdrescher. Sie hinterließ keine Spuren, keine Anhaltspunkte, außer denen der verbrannten Erde in ihrem Leben und derer zwischen uns.

Als ich aus der Einfahrt setzte, fragte ich mich, wo ich wohl langfahren sollte. Wo würde Regina entlanggehen?

War sie überhaupt zu Fuß unterwegs?

Hatte sie jemand mitgenommen? Abgeholt?

Was ging in ihr vor?

War es wegen …? Vermutlich oder …? Ich spürte einen dicken Kloß im Hals und das Aufsteigen von heißen Tränen in meinen Augen, die brannten. Ich schluckte und wischte mir mit meinem Jeansärmel das Nass aus den Augen, dann entschied ich mich für rechts und bog ab.

Raps- und Mohnfelder, Windmühlen, kleine Gemüsestände mit Pappschildern, die den gewünschten Zielpreis angaben, zogen an mir vorbei. Es begann zu regnen, die Tropfen rannen in kleinen Rinnsalen perlend die Scheiben hinab, eilig und dann unerträglich langsam stockend, als würden sie nie wieder von der Scheibe fortweichen. Nun begann ich doch noch zu weinen. Ich war alleine, alleine hier, alleine im Haus mit Regina gewesen all die Zeit seitdem, und alleine im Dorf, wo ich mich niemandem richtig anvertraut hatte, aus dem Gefühl heraus, ich wäre stark genug für das alles, für uns zu zweit, für einen Neuanfang, ohne das Alte zur Ruhe zu bringen. Und während ich so fuhr und Regina suchte, suchte ich nicht nur sie, sondern auch mich, und fand unser beider Verlorenheit mit ganz neuen Augen.

Er war erst 6 Monate, als er uns verloren ging, noch mitten in Reginas Leib, dem Schoß der Mutter, die ihn für alle Zeit der Welt, die es bräuchte, halten sollte, und ich, der beschützend über ihn wachen sollte gemeinsam mit Regina bis ans Ende ihrer beider Tage. Wir beide waren machtlos gewesen.

Meine Sehnsucht nach Regina war seitdem noch größer geworden, nach unserer Liebe und unserem Zusammenhalt, nach Familie, nach einem zweiten Versuch, den ich mir mit der Zeit erhoffte. Nicht um zu ersetzen, denn unser erstes Kind würde immer IMMER unersetzbar bleiben, aber um unsere Liebe in der Familie leben zu können, wobei wir im Herzen immer zu viert wären, oder zu fünft oder zu sechst, falls es Zwillinge oder Drillinge werden würden.

Doch Regina hatte dichtgemacht, bei meinen Wunsch nach einem weiteren Kind, aber auch unsere gemeinsame Liebe gegenüber und schließlich selbst meiner Liebe zu ihr nach.

Ich wusste plötzlich, es würde keinen Sinn mehr machen, Regina zu suchen, um sie heimzubringen, um ihr meine Liebe aufzudrängen und meine Wünsche, die ich wie abgefranste Knochen in meinem Herzen sammelte. Was sie brauchte, war Zeit.

Auf dem Parkplatz von Murphys war einiges los, und ich sammelte meinen Mut zusammen. Dann schritt ich auf die Ladentür zu und ging direkt zum Tresen auf Lottie zu.

„Hey Lottie, Regina ist weg. Bitte sag Mel und allen anderen Bescheid. Wer sie findet, soll mich benachrichtigen. Ich werde ihr alles bringen, was sie braucht, und wohin sie es haben möchte. Ich verlasse auch das Farmhaus und komme nur zum Tiere- und Feldversorgen, wenn es das ist, was sie will.

Sie soll einfach wissen, sie hat Raum, Zeit, ist frei zu entscheiden, wie ihr Weg weitergeht und wann er das machen wird. Ich werde immer da sein, aber das ist keine Drohung, sondern ein Versprechen.“

Dann fuhr ich heim zum leeren Haus und versorgte wieder die Tiere am Hof und auf der Wiese.

Am späteren Abend kam dann der Anruf.

Sie wurde gefunden, am Glühwürmchensee, mit einer Flasche Wein, barfuß im Wasser stehend. Sie hatte geweint und mit einem Hund diskutiert. Ihre Freundin Sabrina hatte sie mit zu sich genommen, wo sie fürs Erste bleiben möchte.

Drei Monate später, wir hatten keinen Kontakt all die Zeit über gehabt, ich hatte nur mitbekommen gehabt, dass sich Regina langsam etwas erholte, was mich natürlich sehr freute, ich öffnete gerade die Türen zu einer kleinen Kapelle am Waldanfang. Dort hin zu gehen, war in den letzten Monaten für mich zum Ritual geworden.

Ich wollte gerade zu den Kerzen eine anzünden gehen, um mich im Anschluss in eine der Bänke zu setzen, hinaufblickend zu dem gelb funkelnden Stern an der Decke, der mich an unser Kind erinnerte, als ich innehielt. Vor den Kerzen stand eine Frau und sprach leise, vermutlich ein Gebet.

Um nicht zu stören, drückte ich mich hinter die Säule mit der Weihwasserschale und war ganz still.

Ich konnte durch das Echo fein ihre leise und gedämpfte dennoch selbstsichere Stimme wahrnehmen, die bei der Heiligen Mutter Maria um Fürsprache bat, für den Zusammenhalt ihrer Familie.

Die Worte berührten mich stark, kein Wunder bei meiner Geschichte.

Als die Person sich wieder zu gehen anschickte, vorbei an meiner Säule, hinter der ich noch versteckt stand, Richtung Ausgang lief, erkannte ich sie … und mir stockte für einen Moment der Atem … es war Regina gewesen.

Ich spürte, wie eine schwere Last sich von mir löste, die Last, nicht gewollt zu sein …

50 Cent rollten in die Kerzenkasse und ich entzündete eine Kerze genau neben der, die ich als Reginas ausgemacht zu haben glaubte, und sprach ebenfalls ein Fürbittengebet.

Draußen angekommen, spazierte ich zum Wagen, froh und bang zugleich. Wie soll es weitergehen, wie sollte ich mich verhalten? Weiter Abstand für sie wahren oder ihr sanft mit Grüßen begegnen?

Als ich um die Ecke bog, wo mein Wagen stand, sah ich sie sitzen. Regina hatte es sich auf der Motorhaube gemütlich gemacht.

Sie lächelte zaghaft, gerahmt von ihrem schönen Haar.

Sie sah mich an und sagte: "Ich habe auf dich gewartet, ich habe dich bereits in der Kirche gesehen. Hat dir meine Fürbitte gefallen?"

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Autorin: Von Gott inspiriert, von mir Herbstsonne niedergeschrieben.

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Geschichte Nummer 11251

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