Veröffentlicht: 29.10.2026. Rubrik: Persönliches
Der Babyberg ist doch nur was für Winzlinge
Erste!
Schnellen Schrittes stapfte ich zur Tür, schon jetzt war mir warm unter all den Kleidungsschichten, die mich und meine Schwester draußen vor dem schützen sollten, was bald folgen würde.
Doch noch waren wir im Inneren.
Meine Mutter kam mit einer Dose Penaten Creme aus dem Bad in den Flur, und meine Schwester und ich befreiten unsere Kindergesichtchen vom Schal, der über das Kinn und den Mund gerutscht war, und die Stirn von den Mützen, die es sich dort bereits heimisch gemacht hatten. Dann folgte das übliche winterliche Prozedere, Tupfen für Tupfen wurde auf Stirn, Wangen, Nase und Kinn getupft, dann mussten wir die Creme verreiben.
Noch ein paar Minuten warten, sonst friert die Penaten Creme am Gesicht fest! Hieß es.
Ja und dann holten wir die Schlitten aus dem Keller.
Meine Schwester den Holzschlitten auf Kufen, mit dem meine Mutter als Kind schon gefahren war, und ich meine rote "Rennschüssel", eine Plastikwanne mit einem schwarzen Bremshebel an jeder Seite, nicht sehr zuverlässig, aber es fetzte und überhaupt, wer wollte schon bremsen?
Mittlerweile war auch der Nachbarsbub dazu gekommen, ebenfalls mit Schlitten, seiner Luxus-Ausführung für die Bandscheiben, mit Gewebesitzmatte.
So zogen wir los, mittlerweile wieder mit Schal über Kinn und Mund und Mützen auf der Stirn, Richtung Hauptstraße über die große Kreuzung. Die Kufen und das Plastik meiner Rennschüssel quietschten über Streukiesel und blanken Asphalt, immer dort, wo Eis und Schnee sich nicht blicken ließen.
Dann war der Eingang zum Park erreicht. Interessanterweise hatten wir keinen Proviant mit, auch nichts zu trinken, als Kinder brauchten wir sowas nie, wir waren ausdauernd wie Kamele, tranken oder aßen eigentlich nur, wenn wir darauf angesprochen wurden, spielen und erleben waren viel wichtiger, und die Regel war eher: Wenn du was brauchst, kommst du kurz heim, als dass wir versorgt mit allem drum und dran außer Haus geschickt worden wären.
Wir passierten den Babyberg, da gingen wir natürlich dran vorbei, denn wie der Name schon sagt, war der nur für die Winzlinge, da waren wir lange schon drüber, wir gingen zum großen ein Stück weiter.
Endlich angekommen, besahen wir uns die Lage, wie viel war los? Wo hatte man am meisten Platz? Rodelten sie kreuz und quer oder gab es freie Bahnen? Wie wurde gerodelt? Mutige? Bauchlage? Augen zu? Rückensitz nach vorne? Vier auf einem Schlitten? Alles schon gesehen!
Es wurde geprüft, wer in den eigenen Reihen wohl am mutigsten heute wäre. Ich war meistens unter den Mutigsten von 3en, meine Schwester an diesem Tag wohl leider auch, denn ich erinnere mich an einen Baum, der zu schnell kam, und daran, dass das Mittelstück des Schlittens herausbrach, welches Jahrzehnte gehalten hatte und neu ersetzt werden musste.
Bei ihr musste wohl nichts neu ersetzt werden, aber ich glaube, sie war dann eine Weile vorsichtiger, und ich meine, sie wollte uns eine Zeitlang lieber auf den Babyberg lenken, aber! keine Chance, der war schließlich nur etwas für Winzlinge ... und da waren wir doch schon lange drüber.
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Geschichte Nummer 11210




