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geschrieben 2026 von Herbstsonne.
Veröffentlicht: 24.10.2026. Rubrik: Unsortiert


Mr Gullivan macht das schon

Der Bus wogte durch die von Sonne ausgetrocknete Strecke, und mit den rhythmischen Bewegungen des großen Gefährts hob und senkten sich die Insassen, als würden sie auf einem Dromedar reiten.

Sonnenhüte lagen empor auf Häuptern mit Haar, die nach Sonnencreme und Talg rochen, und die Häute der Menschen funkelten in gefährlichen Rottönen des gesamten Farbspektrums dahin.

Es war Nebensaison, was bedeutete, Mr Gullivan hatte es hier mit ausnahmslos erwachsenen Passagieren zu tun, oder zumindest solchen, welche sich dafür hielten.

Man konnte nicht direkt sagen, dass diese Zeit wirklich ruhiger fürs Geschäft war, sie war einfach anders.

Ein anderer Geräuschpegel, den die Erwachsenen von sich gaben, Probleme von anderer Natur.

Ja, und manches blieb aber einfach auch stets das Gleiche: „Mr Gullivan, die Toilette ist verstopft, und ich muss mal!“

Mr Gullivan drehte sich, noch halb versunken in seinen Gedanken, aus seinem Sitz heraus der Stimme entgegen und betrachtete Mike Missmusch, ja klar, Mike Missmusch, den Futterautomaten. Schlank wie eine Gazelle aß er sich durch jede landestypische Spezialität, die er sich beschaffen konnte.

Dagegen wäre nichts einzuwenden gewesen, doch Mike vertrug kein Olivenöl und keinen Zucker sowie Teigwaren, und all dies gehörte hier quasi zu den Grundnahrungsmitteln, und so, wie sollte es Mr Gullivan schön ausdrücken, war die Toilette schnell zum Hotspot für Mike Missmusch geworden.

Mr Gullivan erhob sich schwer und angelte sich auf dem Weg zum Schreiten zur Tat Eimer und Werkzeug aus der Bordklappe, dann war er im Raum der Räume verschwunden und begann sein Werk für Mike und alle anderen zu vollbringen.

Einige Momente später, Mr Gullivan war längst fertig mit der Behebung der Dinge, und Mike belas sich bereits im Internet, was der nächste Stopp Kulinarisches zu bieten haben würde, tuckerte der Bus um eine steile, etwas uneinsichtige Kurve, und ein Geräusch, als wären 100 fauchende Wildkatzen gleichzeitig aus einem Käfig entlassen worden, zischte durch die Luft.

Konnte das wahr sein?

Mr Gullivan, erfahrener Reiseleiter und Mädchen für alles, stieg sogleich aus, nachdem der Bus humpelnd zum Stehen kam, und besah sich den Schaden.

Einen Platten, sie hatten eindeutig einen Platten.

Er griff sich mit beiden Händen in sein volles, angegrautes Haar, welches zu kleinen Büscheln nun durch seine Finger zweigte, er ließ wieder los und stieg die Treppen zum Bus hinauf, um sich vom Beifahrersitz das hiesige Branchenbuch und sein Klapptelefon zu angeln, und wählte nach kurzem Suchen die Nr. des Pannenservice.

Am anderen Ende der Leitung konnte er vernehmen, wie zu ihm gesprochen wurde, zumindest dachte er, man würde vermutlich mit ihm sprechen:

„Chalaroste, tha ertho argotera, tote tha to kanoume, kanena provlima.“

was so viel hieß wie:

„Entspannt euch, ich komme später, dann machen wir das, kein Problem.“

Aber das wusste Mr Gullivan nicht, denn er konnte nur Speisekarten- und Öffnungszeiten-Griechisch.

Er bedankte sich ins Blaue hinein und hoffte, ihnen würde geholfen.

Die Meute war in der Zwischenzeit ins Freie gestiegen.

Mr Gullivan stellte für alle ihre Campingstühle auf oder machte aus Koffern Sitze, dann ging er und öffnete das Geheimdepot für Getränke, welches für besondere Anlässe reserviert war, und gab eine Runde Kaltgetränke aus, Limo und Bier, Apfelschorle und Saft.

Bis zu den frühen Abendstunden, als dann endlich der Pannenservice kam, unterhielt Mr Gullivan mit Reisegeschichten und viel Lebenserfahrung aller Art sein Publikum, und so wurde das Warten insgesamt eine ziemlich vergnügliche Zeit für allesamt.

Nur Mike Missmusch knurrte und rumorte es im Magen.

Nachdem der Bus wieder rollte wie ein Rudel Babykätzchen, kamen sie bald im Hotel an, die Rezeption war längst geschlossen, und so lag es in der Natur der Dinge, dass es bei der Zimmervergabe das reinste Chaos gab.

Und Mr Gullivan ließ dieses mit einem Augenzwinkern geschehen.

Er merkte genau, wo die Passagiere ihn versuchten zu betrügen und meinten, es wäre ganz richtig so, so hätten sie es gebucht, und machte ihnen die Freude und ließ sie zusammen schlafen, die restlichen aber trennte er säuberlich, so wie es gewünscht war und sich gehörte.

Am nächsten Tag stand dann endlich ein Ausflug an.

Mr Gullivan rasierte sich nass, wobei er sich nur einmal schnitt, was er mit Zahnpasta und einem Schnipsel Toilettenpapier versorgte, dann zog er sein bestes Hemd an, denn für altehrwürdige Sehenswürdigkeiten machte er sich stets schick.

Als er nach draußen vors Hotel trat, standen erst 3 von seiner 37-köpfigen Gruppe da, was ihn auf dem Absatz umkehren ließ hin zur Frühstücksbar, alle zusammentrommeln.

Nach 22 Minuten gelang es, sie waren abreisebereit, der eine oder andere mit einem halben Brötchen samt tropfendem Ei in den Händen haltend.

Vor Ort angekommen, zogen sie los, die Sonnenhütchen auf und samt roten und braunen Häuten, Kameras mit Super-8-Filmen und Apparate zur Sofortentwicklung, vor allem aber Sandalen, in denen sie jedes Steinchen spüren würden.

Er zuckte mit den Schultern, dann war eben morgen ein Strandtag, falls kaum noch einer vernünftig laufen konnte, heute würden sie sich auf jeden Fall den Olymp ansehen, und das war schließlich ein Genuss mit oder ohne Sandalen.

Mr Gullivan erzählte voller Leidenschaft und Leben von all seinem Wissen über diesen Ort, der etwas ganz eigen Magisches hatte, und alle lauschten ihm wie am Vorabend auch schon gerne wieder, Mike Missmusch mit einem ölig belegten Auberginen-Baguette, welches ihm ein Autofahrer am Parkplatz als landestypischen Pausensnack verkauft hatte.

Als der Himmel eine Brücke spannte vom hellen Blau ins Farbenspiel des Abends, saßen sie gemeinsam in einer Taverne unter dem Dach des Himmels und aßen.

Mr Gullivan hatte den meisten die Speisekarte übersetzt.

Es floss etwas Wein, vor allem aber gute Laune, und als ein paar Musizierende vorbeikamen, um das Restaurant zu unterhalten, da standen sie auf, nahmen einander an den Händen und tanzten, während Mike die Restaurantoilette aufsuchte.

Es war ihr vorletzter Abend auf dieser Reise gewesen, die zwei weiteren waren von Strand und Wellenspielen und Fahrten durchs Land mit kleinen Stops gekennzeichnet.

Und wie auch von Anfang an bereits sichtbar, doch spätestens jetzt auch für jeden wahrnehmbar, hatte sich an einem jeden Tag ihrer Reise herausgestellt, welch Segen es war, einen wie es Mr Gullivan war mit an Bord zu haben.

Wie oft, fragte sich Maja auf Platz 35 rechter Reihe, wie oft dankten wir eigentlich jenen, welche Tag für Tag sich für unser Wohl sorgten?

Für uns da waren, einstanden?

In der Not den Karren aus dem Dreck zogen?

Manchmal sind das Personen aus dem öffentlichen Raum, aber manchmal, da sind es auch Menschen, die unser Privatleben berühren, sei es Mr Gullivan oder noch privater.

„Danke“, dachte Maja, und dann sagte sie einmal laut in die Stille des Busses hinein, erst etwas leiser:

„Danke“

und dann schließlich mit kräftigerer Stimme:

„Danke Mr Gullivan!“

Und dann klatschte sie dazu.

Erst war es ganz still, einzelne Köpfe drehten sich zu ihr um, doch dann blickten alle auf Mr Gullivan, und der gesamte Bus verfiel in ein wildes Gewackel, so sehr klatschten nun alle Beifall, einem Mann, der alles getan hatte, um ihnen ihre Reise so angenehm wie möglich zu machen.

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Autorin: Meine Geschichten sind inspiriert von Gott, niedergeschrieben von mir Herbstsonne.
Meine Texte sind in Rechtschreibung und Grammatik geprüft mit Hilfe mittels KI.

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Geschichte Nummer 11156

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