Veröffentlicht: 03.11.2026. Rubrik: Nachdenkliches
Hannelore und der Sternenmann - eine Liebesgeschichte
Hannelore
Es entsprach der ungeschminkten Wahrheit, dass sie sich verliebt hatte.
Hals über Kopf, verliebt.
Es war gestern am Markusplatz vor dem Kino passiert.
Er große Augen, dunkles, volles Haar, beides hatte geglänzt wie Sterne am Nachthimmel.
Sie hatten zunächst aneinander vorbeigeblickt gehabt, wohl beide auf der Suche nach
jemanden oder etwas, doch dann hatten sich ihre Blicke flüchtig gestreift – ahnungslos – Unvorbereitet, zunächst einfach offen und erstaunt, so sagte sie es sich nun rückwirkend, doch dann voller Zauber.
Wenige Meter waren zwischen ihnen gelegen, um sie Gestalten, die sich in den Hintergrund verwischten, als hätte sie ein guter Fotograph gearbeitet.
Er hatte ihr ein Lächeln geschenkt, kein angreifendes, ein Lächeln, das man jemandem schenkt mit der man sich vielleicht gerade den Rest seines Lebens vorstellte, ohne es zu erahnen.
Sie hatte ebenfalls zu einem Lächeln angehoben, da wahr ein Wagen die regennasse Straße entlang gefahren gekommen und hatte angehalten , der Sternenmann hob zum Gruße seine von Hand zur Rolle geschlagene Zeitung und schickte sich an, zum Auto zu gehen. Noch bevor er einstieg, drehte er sich ein letztes Mal um, suchte ihren Blick und sah sie ein letztes mal träumend an, dann war er verschwunden.
Hannelore seufzte tief, dann nahm sie ihr Tagebuch aus ihrer Nachttischschublade, und befüllte den roten Füller rasch mit Tinte,
die Tinte kleckste. Erst ärgerte sie sich, dann fand sie, es hatte etwas von einem Stern.
Sie füllte wenige Zeilen mit den Geschehnissen des gestrigen Abends,
wie wäre es möglich, in Worte zu fassen, was in diesem Moment zwischen ihnen und in ihr gelegen hatte?
Wie würde sie ihn wieder sehen können? Diese Frage beschäftigte sie, als sie mit angezogenen Beinen auf dem breiten Fensterbrett im zweiten Stock der schon etwas heruntergekommenen Altbauvilla saß und auf die Straße blickte, vor ihr eine Kerze brennend, in der Hoffnung, es wäre ihm ein Zeichen, heimzufinden.
Heim zu ihr, Heim ja … den Platz, den sie ihm gegeben hatte, seit sie ihn das erste Mal gesehen hatte.
Und auch wenn sie es sich nicht erklären konnte, beruhigte sie die tiefe innere Ruhe, welche sie in sich verspürte, so als würde alles gut.
4 Monate später sahen sie sich wieder. Sein Kaschmirmantel vom Kinoabend war gegen Hemd und Pullunder gewichen, wodurch sie ihn nicht sofort wiedererkannte, als er ihr noch den Rücken wies. Doch als er sich umdrehte, hielt die Welt an. Zwischen ihnen huschten keine Gestalten und keine Autos parkten, und doch lächelten sie sich an, wissend das sie sich diesmal nicht gehen lassen würden.
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Gedanken zum Text:
Vielleicht ging es uns manchmal schon wie Hannelore und den Sternenmann, eine Begegnung, die wir nicht vergessen können, manchmal eine zweite Chance auf ein Wiedersehen.
In der heutigen Zeit geht das oft so viel leichter, sich über das Internet zu finden, und doch fällt es uns häufig so viel schwerer, Zeichen unseres Herzens wahrzunehmen, das Vertrauen von tiefer innerer Ruhe in Bezug darauf, in Verbundenheit mit dem Anderen zu bleiben, zu spüren. Überhaupt sich zu erlauben, jemandem einen besonderen Status einzuräumen und diesen auch offen zu legen, ohne die nächsten Matches in der Dating-App zu suchen, einfach weil schneller und weiter nicht immer die Antwort ist, sondern weil Stehenbleiben, Innehalten manchmal Heimkommen bedeuten kann.
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Autorin: Meine Geschichten sind inspiriert von Gott und niedergeschrieben von mir Herbstsonne.
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Geschichte Nummer 11271




