Veröffentlicht: 03.11.2026. Rubrik: Fantastisches
Die Akademie des Geistes, Teil 1
Dies ist die Fortsetzung der Geschichte "Magier der geistigen Welt".
Kapitel 1: Das Gespräch mit dem Geist
Ich hatte mich wieder ins Zimmer zurückgezogen, um die Ruhe zu genießen, während Esther im Gemeinschaftsraum blieb. Sie war eben extrovertierter als ich. "Du hättest Elarius gegenüber nicht sagen sollen, dass wir bereits eine Verbindung miteinander haben. Das macht dich auffälliger", meinte Kiron. "Wir können es uns nicht leisten, zu viel Aufmerksamkeit auf dich zu lenken." "Warum nicht?", fragte ich. "Das sind Dinge, die ich dir noch nicht sagen kann", erwiderte Kiron. "Kannst du nicht, oder willst du nicht?", fragte ich. "Ich darf es nicht", antwortete Kiron mit einer Gedankenstimme, die keinen Widerspruch duldete. "Ich fühle mich von dir nicht richtig respektiert. Es ist mein Recht, die Dinge zu erfahren, die mich betreffen. Du hättest mir wenigstens sagen können, dass unsere frühe Verbindung nicht normal ist. Dann hätte ich es Elarius vielleicht nicht gesagt." Meine Gedankenstimme schnitt förmlich durch unsere Verbindung, so wütend wie ich war, und mein Geist sagte einen Moment lang nichts. "Du hast Recht", meinte Kiron nach einigen Sekunden des Schweigens. "Ich hätte dich darüber nicht im Unklaren lassen sollen, es tut mir Leid. Ich respektiere dich mehr als jedes andere Wesen der geistigen oder menschlichen Welt, aber ich darf dir jetzt noch nicht alles sagen." Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf meine geistige Verbindung zu Kiron. Ich versuchte, mittels Telepathie seine Geheimnisse zu lesen, doch ich traf auf einen Widerstand. "Gib dir keine Mühe. Wir Geister sind viel zu widerstandsfähig", meinte Kiron nur so ruhig, dass es mich aus der Fassung brachte. "Ich rede nicht mehr mit dir, bis du mir endlich alles gesagt hast!", griff ich zu meiner letzten Möglichkeit, ihn zum Umdenken zu bewegen. Für einen Moment spürte ich ein Gefühl von Schmerz in ihm, doch das verschwand so schnell, wie es gekommen war. Hatte ich es mir nur eingebildet? "Das kannst du gerne versuchen, aber du brauchst unsere Verbindung. Das Reden wirst du bald vermissen." Ich seufzte, denn Kiron hatte Recht.
Kapitel 2: Das erste Essen in der Akademie
Es klopfte, und nach meiner Erlaubnis trat Lena ins Zimmer und lächelte mich an. "Komm in den Gemeinschaftsraum. Das Essen ist da." Ich erhob mich und folgte ihr in den Raum, wo die anderen neuen Schüler bereits an zwei Tischen saßen. Esther, die gerade den Tisch gedeckt hatte, winkte mich heran. "Ich habe einen Platz neben mir freigehalten", sagte sie lächelnd und deutete auf einen Stuhl. Ich setzte mich und bedankte mich mit einem weiteren Lächeln. Rechts neben mir saß ein Mädchen, welches mich nur stumm betrachtete und mir kurz in die Augen sah, als könnte sie etwas darin erkennen. Ich wollte nicht, dass sie in meinen Geist sah und zog die Mauern hoch. Der intensive Blick des Mädchens ruhte noch immer auf mir. "Du hast eine turbulente Zukunft vor dir", flüsterte sie. "Ich sehe Dämonen." Da war es wieder, dieses Wort, das ich in den Gedanken meiner Mutter gesehen hatte. Dämonen. "Wer bist du?", fragte ich. "Ich bin Lamira", erklärte sie. "Und ich kann in die Zukunft sehen." "Kora", antwortete ich nur und wandte meinen Blick ab. Esther setzte sich links neben mich und lächelte. "Ich bin schon gespannt, was es zu Essen gibt", sagte sie. Kurz darauf kam Lena mit einem Topf hinein. Das Essen war ein leckere Eintopf mit Gemüse und einigen Stücken Fleisch darin. Gierig griff ich zu, als sie das Essen geschöpft hatte. Immer wieder sah ich mich um, um die Gesichter der anderen Schüler zu studieren und ihre Gewohnheiten kennen zu lernen. Links neben Esther saß noch ein Mädchen, welches sehr verträumt und abwesend wirkte. "Wer bist du?", fragte ich und initiierte damit das erste Mal ein Gespräch selbst. "Viola", antwortete sie nur, ohne aufzusehen.
Als ich aufgegessen hatte, wanderte mein Blick zum Nebentisch, wo die Jungs saßen. Einer der Jungen wippte unruhig auf seinem Stuhl hin und her, und ich spürte seinen hyperaktiven Geist. "Alexis, sitz bitte ruhig", ermahnte ihn Lena. Der Junge seufzte. "Ich habe nunmal ADHS, was kann ich dafür!", schnauzte er. Plötzlich begannen sich die Messer zu bewegen und landeten mit einem lauten Geräusch auf dem Boden. Ich atmete tief durch und versuchte, die Reize nicht zu nahe an meine Gedanken zu lassen, was mir durch die geistige Mauer gut gelang. "Alexis", sagte nun eine Männerstimme, die viel Ruhe ausstrahlte. "Beruhige dich", sagte er sanft. Plötzlich konnte ich seinen Namen in seinen Gedanken lesen. Er hieß Dorian und war in der Hypnose begabt. Alexis reagierte scheinbar auf die Ruhe in seiner Stimme und wurde schlagartig ruhiger. Die Messer landeten wieder auf dem Tisch. Neben Dorian saß ein anderer Junge, der sehr traurig dreinblickte. Ich fragte mich, welches Geheimnis ihn umgab, und plötzlich war ich auch in seinem Geist. Ich sah, wie er von Mitschülern gemobbt wurde und erschrak, als ich bemerkte, dass er einen der Schüler mit seiner Gedankenkraft schwer verletzte, indem er in dessen Körper griff. Der Junge verzog sein Gesicht, als er bemerkte, dass ich mich in seinem Geist befand. "Tut mir Leid, das war keine Absicht. Wie heißt du denn?" "Ich bin Darius", antwortete er und wandte sich sofort ab. Der letzte Junge war die Ruhe selbst, und ich bemerkte seine geistige Mauer. "Und du?", fragte ich. "Ich bin Mirko", sagte er und lächelte freundlich, bevor auch er sich abwandte. "Das Essen ist beendet", sagte Lena. "Ab morgen wird es einen Plan für die Küchen- und Putzdienste geben. Für die Badezimmer seid ihr selbst verantwortlich. Esther, Kora, wascht bitte das Geschirr ab. Bis 21 Uhr dürft ihr euch auf dem Gelände noch frei bewegen." Ich war heilfroh, als ich mich erheben durfte und half Esther beim Abwasch. Das war eine willkommene Abwechslung zu den sozialen Interaktionen, die ich beim Essen geführt hatte. Die Reize waren etwas viel gewesen, und nun genoss ich diesen Moment der Ruhe.
Fortsetzung folgt
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Geschichte Nummer 11283



