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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von Marianne Lubos.
Veröffentlicht: 04.11.2026. Rubrik: Unsortiert


Der Herbst hat auch schöne Seiten

Auch der Herbst hat schöne Seiten!
Natürlich ist es nicht schlimm, dass es jetzt früher wieder
dunkel wird, aber schön ist es nicht.
Um zu sparen, stolpere ich durch die Wohnung. Diese
Zeitumstellung finde ich nervig. Ich habe es bis jetzt nicht
kapiert. Außer, dass ich eine Stunde länger schlafen könnte,
finde ich gut. Was soll mir dieser Spruch „der Herbst hat
auch schöne Seiten“ eigentlich sagen? Was ist damit ge-
meint?
Ach, ich weiß, ich bin jetzt endlich eine ältere Dame.
Mein Sommer ist schon länger vorbei. Und Herbst bedeutet,
so langsam wird mein Körper und Geist kühler. Die Haut
sieht aus wie ein faltiges Blatt. Bitte schön, was soll daran
schön sein?
Herbst heißt auf feuchten Blättern ausrutschen, durch
die verfrühte Nacht stolpern. Ich blicke in einen grauen,
verhangenen Himmel. Schaue in müde, verdrossene Ge-
sichter.
Lange dicke Strümpfe, Mützen und Schals verhüllen gut
aussehende Menschen; ehe man an wichtige Körperteile
herankommt, vergeht die Zeit und die Lust noch mehr.
Zu guter Letzt läuft ein langweiliges Fernsehprogramm,
bestehend aus Koch-Quizshows und Volksmusik.
Es wird der vierte Regenschirm in der Bahn liegen ge-
lassen. Was soll‘s, wenn ich dadurch anderen Menschen
eine Freude machen kann.
Aber da ich ein optimistisch denkender Mensch bin,
kann ich natürlich alle Aspekte in angenehme positive
Formulierungen umwandeln. Das liegt daran, dass ich
viele Bücher gelesen habe mit den Titeln: „Ich finde mein
inneres Kind und spiele mit ihm – ich liebe mich selbst,
so wie ich bin, ich öffne mein drittes Auge, auch wenn es
schielt, in mir brennt ein Feuer und ich freue mich auf den
Feuerwehrmann!“ Ich lebe meine Träume, auch wenn es
ein Albtraum ist.“
Durch diese bahnbrechende Literatur fällt es mir leich-
ter, schöne Gedanken für den Herbst zu entwickeln. Das
geht so: Herrlich, es wird früher dunkel, ich lasse mir
Badewasser ein und dabei zünde ich mir Duftkerzen an.
Es klingelt an der Tür und ein Mann mit Helm trägt mich
aus der Wanne. Dazu spielt leise die Feuerwerksmusik
von Händel.
Am Abend freue ich mich auf eine Wiederholung vom
Tatort, zumal ich dadurch schon weiß, wer der Mörder ist
und dadurch doppelt entspannt sein kann.
Am nächsten Tag gehe ich durch die Straßen, das Ge-
räusch der vielen Blätter erinnert mich an ein rauschen-
des Meer. Ich rutsche aus und liege in einem Haufen
Hundescheiße. Na und! Welch ein Glück wird mich ereilen?
Wie erotisch mir die Menschen erscheinen, umwickelt
mit selbst gestrickten Strümpfen, Mützen und Schals.
Was kann alles im Verborgenen entdeckt werden? Erotik
pur und die Hormone machen Purzelbäume.
Dann kommt endlich der Tag der Vereinigung. Die meis-
ten Pärchen bereiten sich darauf vor. Vereinigung zwi-
schen Schwarz und Weiß, klein und groß, dick und dünn,
schlau und doof, Ost und West, Nord und Süd, oben und
unten – egal, es passt schon irgendwie.
Alles erscheint bei Kerzenlicht schemenhaft und das
schmeichelt manchen Körper. Es flackern nicht nur die
Kerzen, sondern auch die Herzmuskeln.
Aber eine bodenlose Frechheit ist es. Der 1. November
Allerheiligen ist kein Feiertag in Berlin, in der Hauptstadt
von Deutschland. Wieso nicht? Auch wir haben Heilige,
sicher nicht einfach zu finden. Andererseits hat die Kirche
in den letzten Jahren die Absolution nicht verdient. Die
Geistlichen tragen am 1. November zu diesem Anlass
weiße Gewänder, die die Reinheit verdeutlichen. Das ist
eine Farce.
Ich freue mich auf die Schokoladenweihnachtsmänner,
bei manchen scheint noch das Osterpapier hindurch, was
für ein schöner Moment. Und bald geht es los mit Aus-
schmücken, zum Verdruss von vielen Männern! Es blinkt
und bimmelt in jedem Raum.
Aber Geduld, vorher müssen wir noch den Sonntag hin-
ter uns bringen, da wo die Gestorbenen geehrt werden,
mit Weihnachtskränzen. Sorry, natürlich mit Grabgesteck.
Wobei vielleicht würden sich manche Verstorbenen auch
über ein wenig mehr Gebimmel freuen?
Jetzt geht es uns doch wieder besser! Oder? Es ist alles
eine Betrachtungsweise.
Der Herbst hat auch schöne Seiten, natürlich so pas-
send wie der Spruch „alles hat ein Ende, nur die Wurst
hat zwei“.

counter1xhab ich gern gelesen
Geschichte Nummer 11298

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Herbstsonne am 04.11.2026:

Liebe Marianne Lubos, ich habe herzlich gelacht über deinen sehr humorvollen Text, danke dafür! ♥️, liebe Grüße, Herbstsonne 🌻

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