Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
hab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Herbstsonne.
Veröffentlicht: 06.11.2026. Rubrik: Nachdenkliches


Auf die Essenz runtergebrochen

Medizinisches Helferteam.

Mehrfacherkrankungen.

Hilfsbedürftigkeit.

Wie sie das mitnahm.

Wie sie es hasste.

Sie sah sich Filme an, in denen Frauen in ihrem Alter etwa

in ihrer Freizeit miteinander Squash spielten,

abends gut gekleidet in schicken Bars teure Getränke mit Eiswürfel darin tranken

welche sie abkühlten, nachdem sie mit einem Gegenüber getanzt hatten, dass

Heiratsmaterial war.

Sie sah, wie andere in ihrem Alter Karriere machten oder in ihrem Beruf aufgingen,

oder zumindest darin Vollgas gaben und ihren Lebensunterhalt selbst verdienten.

Sie sah sie in Autos steigen, die ihre waren, und an Ziele fahren, deren Route sie am Ende

bestimmten, nicht der Straßenbahnfahrer, der durch die ganze Stadt gondelte, anstelle

abzukürzen.

Sie fühlte, wie sie nicht mehr Teil von dem Allen war, und wie kurz sie früher nur bruchstückhaft Teil

davon gewesen war, in Phasen bemüht zu halten, doch das Leben, es kam immer dazwischen.

Vergangenheit – Krankheit, abgehängt sein – Hilfsbedürftigkeit.

Der Rand der Gesellschaft.

Erst noch zwei- bis dreimal Besuche, dann endeten diese,

die Leute im selben Alter wollen dynamisch sein, sie brauchen Erlebnisse, Abwechslung,

interessante Gespräche, kein Gegenüber, das mit Mehrfacherkrankungen lebt, abgehängt sein, Hilfsbedürftigkeit.

Sie sehnt sich nach Liebe, stellt fest, sie war nicht in der Lage dazu, zu viele Hürden, doch das Herz, es sehnte sich.

Die Einsamkeit liegt auf ihr wie ein Leichentuch und manchmal zieht es sie ins Grab hinab.

Doch sie bleibt am Leben.

Und irgendwann akzeptiert sie, dass ihr Erhalten und Geben im Leben anders aussieht als das der meisten in

ihrem Alter.

Sie gibt nicht ihre Arbeitskraft und erhält dafür nicht Geld, welches ihr wieder Dinge ermöglicht.

welche sie mit anderen teilen kann.

Sie gibt das, was sie noch geben kann und nie verloren hat: – Liebe, Sanftmut, Verständnis, ein offenes Ohr, jemanden sehen.

Was sie bekommt, ist Hilfe bei Wocheneinkäufen und Behördenkram, Begleitung zu Terminen, warme Worte hier und da an den ganz schlimmen Tagen und erste zarte Bande.

Sie leidet lange über den Verlust von Freundschaften, die über viele Jahre Teil ihres Lebens waren, die aber

nicht blieben. Sie kann lange nicht überwinden, dass diese Vertrauten ohne sie weiter machen, dynamisch, lebenshungrig, aktiv, sie – hilfsbedürftig.

Irgendwann erkennt sie, dass sie loslassen muss, aufhören muss, die Tür offen zu halten, auch wenn sie liebt, und sie hört auf.

Sie beschließt, wieder Menschen in ihrem Leben willkommen zu heißen, nicht mit vorgehaltener Hand, nicht mit Lügen über ihr Leben und ihren Zustand. Sondern mit der blanken Wahrheit. Und vor allem, ohne sie mit Vergangenem zu vergleichen.

Und es gibt erste zarte Banden.

Sie will sich schon lange nützlich machen, ein Teil von der Gesellschaft wieder sein, das für andere wirkt.

Sie findet im Internet eine Möglichkeit, unkompliziert ein wenig online für Klimaschutz zu helfen. Sie wird es hin und wieder tun oder regelmäßig, wie Kraft da ist, aber zumindest weiß sie nun, was sie tun könnte.

Sie hadert noch oft damit, hilfsbedürftig zu sein, findet es grausam, dass ihr das angetan wird, nicht die Erkrankungen, sondern dass sie dadurch hilfsbedürftig wird.

Dann erinnert sie sich an eine Zeit, in der sie sehr viel gearbeitet hat. Sie war gerade auf der Bank gewesen, checken, ob Geld drauf ist. Es war etwas Urlaubsgeld auf dem Konto und sie hob einen kleinen Schein ab und steckte ihn einem obdachlosen Mann in seinen Becher, welchen er in Händen hielt.

Dieser stand sofort auf, sah sie mit leuchtenden Augen an, sagte Danke und nahm ihre Hand. Er küsste diese.

In dieser Situation wurde ihr gewahr, was er für sie tat. Nicht sie hatte das große Geschenk gemacht, sondern er ihr, denn nur durch ihren Schein konnte er ihr das Geschenk machen, jemandem eine Freude gemacht haben zu dürfen.

Und Schenken erfreut meist am meisten.

Sie dachte daran, dass wir immer ans Geben oder Nehmen denken, doch ohne ein Gegenüber, das den Gegenpart einnimmt, kann dies nicht geschehen.

Wir können nichts Gutes tun, wenn es kein Gegenüber gibt, das es benötigt und oder annimmt.

Soziale Berufe können nicht bestehen, wenn es keine Menschen gibt, die auf die Unterstützung angewiesen sind.

Menschen, die soziale Berufe studieren oder Medizin mögen, mögen ihren Beruf in aller Regel, sonst würden sie sie nicht studieren.

Sie hasste ihre Hilfsbedürftigkeit, aber sie sah ein, dass sie ein Rädchen im Ganzen war und dass es an ihr lag, anzunehmen, was ohnehin nicht veränderbar war außer es lag in Gottes Plan für sie und was im Übrigen nicht weiter ausschloss, dass sie der Welt das gab, was sie gut konnte – Liebe.

----

Autorin: Meine Geschichten sind von Gott inspiriert und von mir Herbstsonne niedergeschrieben.

counterhab ich gern gelesen
Geschichte Nummer 11318

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

Mehr von Herbstsonne:

Briefgeflüster
Hannelore und der Sternenmann - eine Liebesgeschichte
Das still gewordene Haus *Thema Sternenkind wird behandelt
Automatismus - eine Geschichte der 90er
Meckerkasten