Veröffentlicht: 07.11.2026. Rubrik: Unsortiert
Eine Tasse Tee als Brücke
Er spähte durch den kleinen Spalt am Vorhang, 12 Uhr Mittag, die Sonne schien als fahles Licht auf sein Gesicht, und er wich augenblicklich zurück, den Saum des Vorhangs loslassend, so dass dieser sich sogleich wieder verschloss.
Gut so, er wollte, dass es dunkel war. Die Nacht sollte nicht enden, nicht heute und auch nicht in nächster Zeit, vielleicht für immer.
Er verzog sich wieder ins Bett, doch seine Glieder schmerzten bereits vom ungewohnt vielen Liegen. War er doch nicht umsonst von athletischer Figur, er war es, weil er ein Sportler war, ein Gewinner, ein Champion. Doch gestern, gestern hatte er verloren und zwar das, was ihm am liebsten war.
Es klopfte an der Tür, er zog die Decke bis über seine Augen, seine Lider zuckten unregelmäßig, während sein Atem stoßweise gegen die Daunen der Decke stieß.
Es klopfte erneut, dann wieder.
Er schlich barfuß auf Zehenspitzen den Flur entlang, der gesäumt war mit all seinen Medaillen und Pokalen, die aufgereiht in dafür angefertigten Schaukästen ausgestellt waren.
Durch den Spion erkannte er nur Nebel, die Linse war trüb.
Er drehte sich um und wollte wieder ins Bett zurückschleichen, als unter einem schabenden Geräusch begleitet ein Briefumschlag unter der Tür durchgeschoben wurde.
Ellis.
Er starrte den Umschlag an.
Dann riss er die Türe auf.
Doch es war zu spät, sie war verschwunden.
Er rang mit sich, unfähig zu weinen, unfähig, es nicht zu tun.
Mit Augen, die sich hilfesuchend im Flur umsahen, als könnte er Halt in etwas finden, was dort stand, ließ er sich zu Boden gleiten, zwischen seiner Ansammlung von Sneakern und einem Schirmständer, der einmal seinem Opa gehört hatte.
Seine Hände befühlten den Umschlag, tasteten, als könne er alleine durchs Befühlen erspüren, was darin stand.
Doch er fühlte nichts als Wogen von Meeresrauschen und Wellen, die groß gegen die Ufermauern klatschten.
Im Umschlag selbst lag nur ein kleines Stück Papier, es war angerissen, sah aus wie aus einem Taschenkalender ausgerissen.
"Komm mich treffen, 15 Uhr Cherry - Lounge. E"
Er krümmte sich und doch glimmt etwas Hoffnung in ihm auf.
Er duschte sich gründlich, dann zog er Jeans und ein hellblaues Hemd dazu Sneakers an und verlies das Haus mit Sonnenbrille, noch nicht gewillt es Tag werden zu lassen, so lange wie er noch verloren hatte.
Die Cherry-Lounge lag nicht weit von ihm und so konnte er mit dem Rad fahren,
er wünschte, er hätte es nicht getan. Wie von Sinnen fuhr er durch den Verkehr,
schließlich angekommen, bekreuzigte er sich und dankte Gott für seinen Schutz.
In der Lounge saß sie bereits, Ellis, ihre Schwester.
Als sie voreinander waren, erhob sie sich und es folgten Küsschen auf die Wangen.
Ellis war schon immer sehr stark im Charakter gewesen, aber niemals kühl.
"Setz dich", sagte sie und wies ihm einen Sessel neben sich.
Er setzte sich und sah sie mit einer Mischung aus angespannt, besorgt und wie ein geprügelter Hund an.
"Warum?", fragte Ellis.
"Ich weiß es nicht." Antwortete er wahrheitsgemäß.
"Willst du den ohne sie Leben?"
„Niemals! Sie ist die Liebe meines Lebens!“
"Warum hast du dann angenommen?", fragte Ellis nun und sah ihn direkt in die Augen.
"Weil ich ein Idiot bin."
"Wäre es eine Idee gewesen, sie vielleicht vorher mal zu fragen, was ihre Pläne sind, bevor du eigene machst, die auch ihr Leben empfindlich beschneiden?"
Er räusperte sich … " Nun,..Ja."
Ellis: "Und wirst du Idiot nun zu ihr fahren und mit ihr sprechen?"
Er: "Um ihr was zu sagen?"
Ellis: "Dass du ohne sie nicht leben kannst." Sie blickte für einen Moment aus dem Fenster, dann sagte sie: "Und Alvin, überlege dir gut, ob deine Sportkarriere wichtiger ist, als mit ihr an einem Ort zu sein, falls sie nicht mitkommen kann oder möchte."
Er erhob sich, küsste sie zum Abschied noch mal auf die Wangen und radelte ebenso kopflos wie zuvor durch den Verkehr davon, nur diesmal zu ihr.
Der Weg kam ihm ungewöhnlich lang vor, alles, was ihm begegnete, jeder Hydrant, die Mäuerchen auf der Brücke, Bäume und kleine Läden, alles wirkte merkwürdig in den Hintergrund gerückt, unwirklich, so als wäre er schon längst nicht mehr ein Teil davon, als wäre er schon weg, noch während er da war, aber wo würde sie sein? Bei ihm?
Er hoffte so.
Und doch, wenn sie nicht mit kam, er schwörrte, würde er all diese Hydranten, Mäuerchen und Bäume wieder lebendig und Farbig machen.
Der Zugang zu ihrer Wohnung lag etwas versteckt im Hinterhaus, dann durch eine Türe und um eine Ecke.
Er stieg die zwei Stufen hinauf und klingelte.
Es passierte nichts.
Er entfernte sich ein Stück und sah zum Fenster hinauf.
Es brannte Licht.
Alvin suchte nach einem kleinen Stein, fand keinen und ging wieder zur Tür, klingelte.
Sie öffnete mit Handtuchturban auf dem Haupt.
Ihr Lächeln gefror in der Sekunde, als sie ihn sah, doch sie ließ ihn herein kommen.
Sie setzte Tee für sich auf, bot ihm aber keinen an.
Er sammelte seinen ganzen Mut aus allen Ecken, in denen er in ihm verstreut lag, und setzte zum Sprechen an,
doch es kam nur ein.
"Nessa.."
Er wurde kreidebleich, als er ihren distanzierten Blick sah.
"Nessa..." Er stützte sich am Tisch ab, ihm wurde schwindelig.
Sie bemerkte dies und sie kam einen Schritt näher, beobachtete ihn, ohne es sich anmerken zu lassen.
"Was willst du sagen?" fragte sie, weder warm noch kalt.
„Nessa, ich hab aufs Dümmste gehandelt und dabei die erste Priorität meines Lebens, nämlich dich mit deinen Wünschen, aus den Augen verloren. Ich habe zugesagt fürs Sportstipendium ins Morlufatz mit dem festen Glauben das du mitkommen würdest, ohne dich vorher zu fragen. Es tut mir so leid!"
Sie schwiegen einige Minuten.
Dann sagte sie, dass sie im Moment nichts dazu sagen möchte.
Als er aufstand, um sich im Flur seine Jacke anzuziehen, hörte er, wie sich ihre Schritte ihm näherten.
Sie stand vor ihm mit einer frischen Tasse Tee und hielt sie ihm hin.
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Textanmerkung: Manchmal machen wir große Fehler, deshalb ist unsere Liebe nicht weniger real. Nicht selten gibt es wieder ein Aufeinander-zu, wenn man von Herzen aufrichtig miteinander ist und dem Anderen seinen Raum für seine eigenen Lebensentwürfe/Wünsche lässt, nicht um zwangsweise auseinanderzutriften, sondern weil kein Entscheid über einen Anderen das Richtige sein kann. Freiheit einander geben heißt, Möglichkeiten geben, frei aufeinander zuzugehen, und das können die beiden jetzt in der Geschichte frei entscheiden, wie es mit ihnen und ihren Leben weitergeht.
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Autorin: Meine Geschichten sind von Gott inspiriert und von mir Herbstsonne niedergeschrieben.
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Geschichte Nummer 11325



