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geschrieben von die Juditha.
Veröffentlicht: 26.03.2020. Rubrik: Persönliches


ein gutes Gespräch

Vor ein paar Tagen, als ich an unserer Kirche vorbeigekommen bin, klinkte ich die Türklinke hinunter. Ich wollte nur mal sehen, ob sie tatsächlich geöffnet ist. Zur Zeit haben viele in unserer Gemeinde einen trifftigen Grund für einen Spaziergang. Ich komme auch gerade vom Jogging, das unbedingt genau jetzt sein musste. Jedenfalls ließ sich die Tür tatsächlich öffnen. Ich trat ein und staunte darüber, dass unsere protestantische Kirche sehr schön gestaltet ist. Ich ging vor zum Altar und zündete für mich und meinen Sohn eine Kerze an. Wo ich schon mal da war, unterhielt ich mich kurz mit Gott. Er gab mir ein Rätsel auf. Ich hatte es gelöst und wollte es mit ihm gesprechen. Neben mir machte jemand durch ein Räuspern auf sich aufmerksam. Ich sah ihn an und erkannte den Pfarrer. „Guten Tag Frau Schumann. Wollen wir uns kurz setzen?“ Verdattert sah ich ihn an: „Sie kennen mich?“ „Natürlich. Ziemlich viele aus unserer Gemeinde kennen Sie. Sie haben das Lesecafé unten an der Ecke.“ „Sie waren aber noch nicht in meinem Buchladen. Ich muss zugeben, dass ich Sie nicht kenne.“ „Wollen wir uns trotzdem kurz setzen? Was führt Sie in die Kirche? „Gern.“ Wir setzten uns in die dritte Reihe der Kirchenbänke. Ich fing gleich an zu erzählen: „Eines Tages, ungefähr vor einer Woche hatte ich auf einmal die Worte: Ora et Labora! im Kopf.“ „Bete und Arbeite!“ unterbrach mich der Pfarrer. „Ja. Der Leitspruch des Benediktiner Ordens im 12. Jahrhundert.“ „Wie kamen Sie darauf?“ „Das habe ich mich auch gefragt. Vor allem was soll ich mit diesen Worten heutzutage? Warum denke ich sie genau jetzt?“ „Vielleicht kann man sie in diese Zeit übersetzen mit: Bespreche dich erst mit Gott und handle dann.?“ „Ja. Oder: Bedenke dein Tun.“ „und handle entsprechend.“ Da musste ich lächeln. „Genau.“ sagte ich noch. „Was glauben Sie, warum Sie das gerade jetzt denken?“ „Erst habe ich einfach danach gehandelt. Wie ein gärtnernder Benediktiner Mönch arbeitete ich emsig in meinem Garten. Es ist Zeit für den Frühjahrsputz. Umgraben. Hacken. Jäten. Unkraut entfernen. Rasen mähen. Rasen harken. Und ich bin noch nicht fertig... Die Worte ließen mir keine Ruhe. In der Ruhe der Kleingartenanlage merkte ich, dass ich immer in Bewegung sein muss. In Bewegung um die Balance zu halten. Bei Balance denke ich an Waagen oder Wippen. Sie haben ihre feste Stärke in der Mitte. Aus meiner Mitte finde ich Halt und Antworten. Antworten, die mir Gott gibt, wenn ich mit ihm spreche. Gerade geht es einfach ums Sein. Und ich bin. Ich bin – wenn nicht Mutter, dann traurig und allein. Aber es ist mein Leben – bedeutungslos – dafür selbstbestimmt, unabhängig und vor allem meins. Es war schwer hierher zu kommen. Ich hab es geschafft. - Ich schweif ab... -“ „Warum sagen Sie bedeutungslos?“ „Weil es niemanden gibt, der ihm Bedeutung beimisst.“ „Das glaube ich nicht.“ Da lächelte ich nur. Mir selbst kam es wehmütig vor. „Ich glaube, dass Gott mir ein Rätsel aufgegeben hat mit dem Leitspruch der Benediktiner. Und ich hab es gelöst. Sei einfach, handle besonnen aus deiner Mitte heraus und lass dich nicht von Medien und Einflüssen lenken. Selbst wenn sie dich gerade überschwemmen und viel zu viele Möchte-Gern-Influencer dich beinflussen wollen.“ „Gefällt mir. Warum sind Sie gerade hier?“ Da schaute ich ihn überrascht an und meinte nur: „Na! Rätsel gelöst. Garten vorbereitet. Meine Aufgaben habe ich erfüllt. Jetzt frage ich ihn nach den nächsten.“ Da lachte er nur kurz auf.

Am darauffolgenden Sonntag ging ich zum Gottesdienst. Ich war spät dran und setzte mich in die letzte Reihe. Der Pfarrer begann seine Rede mit einem nachdenklichen: Ora et Labora! Heute würde man sagen: Bedenke erst dein Tun, dann handle....“

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