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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2017 von Christine Todsen.
Veröffentlicht: 23.12.2017. Rubrik: Nachdenkliches


Im Stall zu Bethlehem

Der Ochse konnte es nicht fassen. In seinen Stall waren Eindringlinge gekommen! Eine hochschwangere Frau, ein Mann und ein Esel.

Kaum hatten die drei den Stall betreten, machte sich der Esel bereits über das Heu in der Krippe her. „Moment mal“, rief das Rind, „bist du verrückt? Das ist MEIN Heu!“

„Tut mir leid, aber ich bin fast am Verhungern“, erwiderte das Grautier. „Wir kommen von Nazareth und laufen seit Stunden hier in Bethlehem herum, um eine Unterkunft zu finden. Dein Stall war unsere letzte Rettung. Es geht jetzt nämlich los…“

*

Maria und Josef betrachteten glücklich das neugeborene Jesuskind, und auch die beiden Tiere waren angerührt von seiner Schönheit. Als jedoch Maria ihren Sohn in die Krippe legte, erwachte erneut ein Unmut im Ochsen und diesmal auch im Esel. Die gemeinsame Interessenlage hatte sie zu Verbündeten werden lassen.

„In die Krippe hat sie ihn gelegt! Wie sollen wir denn jetzt ans Heu kommen?!?“

Obwohl Maria und Josef die Sprache der Tiere nicht verstanden, merkten sie, dass etwas sie beunruhigte. „Ich glaube, sie haben Hunger“, meinte Josef schließlich.

„Ach ja, die Krippe! Da ist ja ihr Futter drin!“ Maria überlegte. „Das Kind braucht das Heu als Lager, aber es ist ja ziemlich viel… ich werde etwas davon wegnehmen und den beiden hinlegen.“

Und so ging es fortan jeden Tag, bis zur Flucht nach Ägypten. Als die Heilige Familie und der Esel sich schweren Herzens vom Ochsen verabschieden mussten, war in der Krippe immer noch so viel Heu, dass er sich daran sattfressen konnte.

Später sprachen Maria und Josef manchmal über die Krippe: „Seltsam, als wir hinkamen, war sie zwar voller Heu – aber dass es SO viel war, hätten wir nicht gedacht.“

Und rund drei Jahrzehnte danach, als Jesus mit wenigen Broten und Fischen tausende Menschen speiste, dachte Maria – Josef war inzwischen verstorben – wieder an das Heu in der Krippe und fragte sich: „Ob das sein allererstes Wunder war?“

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