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geschrieben von DER WORTKOTZER.
Veröffentlicht: 27.05.2021. Rubrik: Märchenhaftes


DIE RIESEN VON PUSILLUS: Die Verwandlung

Alkohol war der Grund dafür gewesen, dass Emotius unbedingt die Erde hatte besuchen wollen. Sowohl Schelmicus als auch Charmanticus hatten ihm immer wieder von der ganz fantastischen Wirkung manch alkoholischer Getränke vorgeschwärmt. Seinen ruhigen, sensiblen und eher zurückhaltenden Charakter wollte er deshalb auch zuhause lassen, um auf der Erde mal so richtig über die Stränge zu schlagen. Eine kleine Pension, in der Nähe ein Biergarten, hatte ihn gastfreundlich aufgenommen. Bereits nach wenigen Tagen aber kam Unmut in Emotius auf. Nicht nur, dass ihm der ausgeschenkte Alkohol gar nicht so gut schmeckte wie er angenommen hatte, auch seine Wirkung auf die Verkostenden, vor allem nach größeren Mengen, ließ doch stark zu wünschen übrig. Anstatt fröhlich und ausgelassen zu sein, wurden die meisten nur stinkig und übellaunig. Und nicht selten endete solch ein Umtrunk gar in einer handfesten Rauferei. Das hatte er sich nun wirklich ganz anders vorgestellt. Die Hendl, mit Pommes und Salat schmeckten zum Glück auch zu Mezzomix, einem Getränk, das vor langer Zeit schon mal jemand auf Pusillus erwähnt hatte. Und wie er nun eines Abends mal wieder allein im ansonsten gut besetzten Biergarten saß, wurde er plötzlich ganz in seiner Nähe eine laute Stimme gewahr.

„Au, au, au!“, zeterte eine ziemlich aufgetakelte Alte. „Dieser verdammte Stein. Schon wieder habe ich mir meine frisch pedikürten Zehen daran gestoßen! Herr Wirt! Herr Wirt!“

Schnellen Schrittes eilte der Gerufene herbei.
„Wie darf ich ihnen zu Diensten sein, gnädige Frau?“

„Es ist jetzt schon das dritte Mal, dass es dieses graue, unglaublich hässliche und noch dazu völlig unnütze Mörderding auf mich abgesehen hat. Was also gedenken der Herr Wirt in dieser Angelegenheit zu unternehmen?“

„Ich, ja, also,“ stotterte dieser leicht überfordert. „Schon morgen in der Früh werde ich eine Arbeiterkolonne bestellen, die sämtliche Mörderdinger des gesamten Anwesens beiseite räumt. Möchten gnädige Frau, dass ich jetzt die Ambulanz rufe, oder darf ich sie stattdessen, als Wiedergutmachung sozusagen, auf einen Heurigen einladen?“

Arm in Arm verließen die Zwei den Ort des heimtückischen Anschlags.

Emotius aber schlich sich des Nachts heimlich in den Biergarten und bemalte jedes Mörderding das er finden konnte mit einer die Zunge herausstreckenden Fratze. Am nächsten Morgen traute der Wirt seinen Augen nicht. Aus den grauen, unglaublich hässlichen und noch dazu völlig unnützen Mörderdingern waren über Nacht lustige, possierliche Gesellen geworden. Doch anstatt sie zu entsorgen, platzierte er sie einfach seitlich der Wege. Und schon bald darauf waren diese in aller Munde. Jeder, vor allem die Kleinsten, wollte sie sehen. Emotius aber freute sich diebisch darüber, das dreifach Mörderding gerettet und der zeternden Alten eins ausgewischt zu haben. Jeden Abend setzte er sich fortan ganz in seine Nähe und genoss die Reaktion der Gäste.

Und immer wenn diese aufgetakelte Alte vorbeikam, schien er seine Zunge noch ein bisschen länger herauszustrecken.


BECU


DIE RIESEN VON PUSILLUS beruhen auf einer Fotogeschichtenschreibgruppe. Leider wird das Foto nicht angezeigt:
Ein Stein, bemalt mit einer, die Zunge herausstreckende, Fratze.

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