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4xhab ich gern gelesen
geschrieben 2021 von Nordlicht.
Veröffentlicht: 22.06.2021. Rubrik: Fantastisches


Die Armee

Langsam rückte die Armee vorwärts. Der General war nervös. Aber das durfte er sich nicht anmerken lassen. Normalerweise musste die feindliche Armee langsam in Sicht kommen. Doch es war immer noch keine Meldung von den Spähern gekommen.
Allmählich wurde es dunkel. Sie hatten vor gehabt, die feindliche Armee mittags zu überrennen und abends ein Lager aufzuschlagen, sich zu regenerieren und vielleicht schon am nächsten Morgen wieder aufzubrechen. Voraussetzung dafür war, dass sie die andere Armee finden müssten. Sie zu finden, darüber hatte der General keinen Zweifel gehabt. Sie hatten Berichte erhalten, dass sie ihr Lager am Fluss aufgebaut hatten. Sie würden sicher ebenfalls von dem anrückenden Heer informiert worden sein. Die Luft war klar und erlaubte eine gute Sicht. Sie würden sich aufstellen und die Armee erwarten, oder ihnen entgegenkommen.
Aber jetzt waren sie fast am Fluss angekommen und noch immer war die feindliche Armee nicht in Sicht. Hatten sie die Flucht ergriffen? Sie waren deutlich in der Minderheit. Deswegen war sich der General auch so sicher gewesen, die Schlacht noch heute zu gewinnen. Sein Heer verfügte über fast doppelt so viele Mann wie die anderen.
Hatten sie also den Rückzug angetreten oder planten sie einen Hinterhalt?
Endlich kam ihnen ein Späher entgegen geritten.
Er berichtete, dass die andere Armee immer noch am Fluss lagerte und sich nicht formiert hatte.
Konnte es sein, dass sie sie noch nicht bemerkt hatten?
Der General konnte sich keine Unentschlossenheit leisten. Er lies sein Heer weiter vorwärts rücken.
Am Himmel zogen dunkle Wolken auf. Würde es jetzt auch noch zu regnen anfangen? Und wenn schon, der Boden war fest und etwas Regen würde ihnen sicher nicht im Weg stehen. Zusammen mit der herein brechenden Dunkelheit, wäre es vielleicht etwas beschwerlicher, aber sie waren doch immer noch in der Überzahl.
Er ritt vorweg. Selbstbewusst und ohne Zweifel. Das lies er zumindest seine Leute glauben.
Sie müssten nur noch über den Hügel vor ihnen, dann würden sie die Armee sehen können. Er hatte ihnen einen schnellen Kampf versprochen. Eine klare Sache. Die sie ja auch war.
Auf dem Hügel vor ihnen wurde ein Reiter sichtbar.
Er war komplett schwarz gekleidet und auch sein Pferd war schwarz.
Die Wolken über ihm auch.
Sie wurden immer mehr. Immer gewaltiger türmten sie sich auf.
Der General zögerte. Ohne es zu wollen, wurde er langsamer.
Das Pferd auf dem Hügel tänzelte. Es stand hoch im Blut.
Erste Blitze durchzuckten die Wolken über ihm und das Pferd bäumte sich auf, während der Reiter versuchte, es an Ort und Stelle zu halten.
Die Wolken begannen sich auszudehnen. Und, so schien es dem General, das nur in eine Richtung. Die Wolken flogen ihnen entgegen. Ein großer Blitz schoss, aus den Wolken auf den Reiter zu. Oder schoss der Blitz aus dem Reiter?
Dem General lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Sein Pferd begann zu tänzeln.
Es donnerte und der nunmehr schwarze Himmel wurde von Lichtgeflacker durchzuckt.
Der schwarze Reiter sah ihn an und dem General war, als könne er, selbst über die Distanz, goldene Funken in seinen Augen erkennen.
Dann brach das Chaos aus.
Blitze durchzuckten die Luft. Das schwarze Pferd, mit dem schwarzen Reiter, stieg und lies die Hufe durch die Luft wirbeln. Wie in einem Albtraum, sah der General, wie um ihn herum Menschen von Blitzen nieder gestreckt wurden. Die Luft knisterte. Immer mehr weiße und violette Blitze flackerten auf. Menschen schrien und Pferde wieherten.

Dann endlich begann es zu regnen. Der Regen löschte die ausgebrochenen Feuer und kühlte die Luft ab. Es war still. Nur das Rauschen des Regens erklang. Doch den konnte der General nicht mehr spüren.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Winterrose am 22.06.2021:
Sehr spannend geschrieben!




geschrieben von Nordlicht am 24.06.2021:
Danke.




geschrieben von Susi56 am 25.06.2021:
Ja, spannend und mal ganz etwas anderes. Gefällt mir sehr gut!




geschrieben von Nordlicht am 28.06.2021:
@Susi56 Das freut mich

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