Veröffentlicht: 26.02.2026. Rubrik: Persönliches
Die Gedanken vor der Lesung
Am 26. Februar, am Abend, liegen die Manuskripte nicht auf dem Schreibtisch – sie atmen dort.
Ich stehe in der Küche, die Teetasse in der Hand, und höre mir selbst zu, wie der Kühlschrank summt, als wäre er ein Metronom für Gedanken, die zu schnell laufen. Morgen. 27.02., 18:30 Uhr. dasgute.haus Friedberg. Ein Raum, der nach Wohnzimmer klingt, nach Menschen, die nicht kommen, um zu bewerten, sondern um zu bleiben.
Ich gehe zurück zum Stapel Heftchen, streiche über die erste Seite, als müsse ich prüfen, ob die Wörter noch da sind. Natürlich sind sie da. Und trotzdem flackert diese kleine, kindische Sorge: Was, wenn ich ausgerechnet an der Stelle stocke, die ich selbst am liebsten habe?
Ich lache leise. Es ist nicht Angst. Es ist diese Mischung aus Lampenfieber und Vorfreude, die sich anfühlt wie das Summen vor einem Start – nicht groß, nicht heroisch, eher … persönlich. So, als würde man gleich etwas öffnen, das man lange in sich getragen hat, und es für einen Abend in fremde Hände legen.
Neben dem Manuskript liegt ein Gedanke: Erlös komplett an dasgute.haus. Ich habe ihn mir vorhin noch einmal bewusst gemacht. Ich habe es zugesagt – und es liegt mir am Herzen. Draußen wird die Straße langsam dunkel und still, aber dieser Gedanke macht den Abend hell. Nicht, weil Geld plötzlich die Welt rettet – sondern weil ein Abend, der ohnehin geteilt wird, noch etwas mehr teilt als nur Geschichten.
Ich probe im Flüsterton eine Begrüßung, verwerfe sie, probiere eine andere. Zu steif. Sei locker. Keine Begrüßung vorbereiten. Morgen wird es ohnehin anders klingen. Morgen werden Gesichter da sein, Blicke, Atempausen, ein Lachen an einer Stelle, die ich nicht erwartet habe. Vielleicht auch nur eine Handvoll Menschen – und genau das macht es gut. Keine Bühne, kein Scheinwerfer. Nur ein Raum, ein Text, eine Stimme. Und wenn es mehr Leute sind, als auf Sofas und Sessel passen, dann stellen wir einfach Stühle dazu. Ich rücke auf dem Sessel zusammen, mache Platz für noch jemanden – oder wir setzen uns an die Tische, im Kreis, so wie es eben passt.
Kurz vor dem Abendessen stelle ich die Manuskripte in einer Kiste in den Schrank, obwohl es lächerlich ist. Als könnten sie über Nacht verschwinden. Dann bleibe ich einen Moment stehen, die Finger am Griff, und spüre, wie die Aufregung kippt – weg von Was, wenn … hin zu Wie schön, dass …
Wie schön, dass es morgen nicht nur um Welten geht, die ich erfunden habe, sondern um eine echte kleine Welt in Friedberg, die Menschen auffängt.
Später werde ich das Licht ausmachen.
Und in der Dunkelheit wird das Morgen nicht mehr wie eine Prüfung wirken, sondern wie ein Versprechen.
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