Veröffentlicht: 08.03.2026. Rubrik: Unsortiert
Amanitin auf Sahnehäubchen. Ein Kurzkrimi
„Können Sie sich ausweisen?“
Die Frau zog eine Ausweiskarte hervor und hielt sie dem Kommissar hin. Der nahm das Dokument, beäugte es. Mathilda da Castro, geboren 1972 in Las Palmas, Gran Canaria, z. Zt. wohnhaft in ...
Der Beamte sah die Frau an. Ziemlich robuste Figur. Gesicht wie ein Kirchenfenster: Blonde Haare, ein Auge grau, das andere braun, grün getuschte Wimpern, rosa Wangen, rubinroter Mund, schwarze Ohrclips. Und Schminke, dicke Schminke ...
„Ziemlich ungewöhnlich, Ihre verschiedenen Augenfarben“, sagte er. „Links grau, rechts braun.“
„Gehört zu meinem Syndrom.“
„Syndrom?“
„Ja, Syndrom, Krankheitsbild.“
„Und welche Krankheit haben Sie, wenn ich fragen darf?“
„Dürfen Sie. Ich bin ein so genannter Mosaiktyp.“
Der Kriminalbeamte blickte seinen Kollegen am anderen Ende des Tisches vielsagend an.
„Wir hatten schon die verschiedensten Typen hier. Aber ein Mosaiktyp war nicht darunter.“
„Reden Sie keinen Schwachsinn! Dazu ist die Sache zu ernst.“
„Entschuldigung. Nun gut, Frau da Castro, was wollen Sie gestehen?“ Man setzte sich. Der Kollege schaltete das Aufnahmegerät ein.
„Ich gestehe, den staatenlosen Jaromir Muzikrawitsch kaltblütig mit einem vergifteten Cappuccino-Sahnehäubchen ermordet zu haben.“
„Mit einem Sahnehäubchen?“, fragte der Kommissar verblüfft.
Die Frau griff in ihren weitläufigen Overall, brachte eine kleine weiße Dose mit rotem Deckel zum Vorschein und stellte sie auf den Tisch. „Hier, die Tatwaffe.“
„Was ist das?“
„Eine Dose mit getrockneten und pulverisierten grünen Knollenblätterpilzen.“
„Um diese Jahreszeit? Wo bekommt man denn da grüne Knollenblätterpilze her?“
Die Frau verdrehte die Augen. „Herrgottnochmal! Seid ihr immer so schwerhörig? Hab ich frische gesagt? Ich sagte getrocknete! Vom letzten Herbst. Hält sich ewig, das Gift und lässt sich in geringem Mengen verabreicht kaum nachweisen.“
Der Kollege zog ein Tuch hervor und machte Anstalten, die Dose aufzuschrauben.
„Das lassen Sie mal schön sein! Wenn ich sage, da ist Pilzpulver drin, dann ist da Pilzpulver drin und kein Hasch! Anscheinend wissen Sie nicht, wie gefährlich das Zeug ist.“
„Und das gefährliche Zeug tragen Sie immer bei sich“, sagte der Kommissar.
„Nein, nicht immer, aber immer öfter. Ich bin Hausmeisterin in diesem historischen Bauencemble im Wasserviertel, und da gibt es reichlich Ratten.“
„Na schön, Sie geben an, diesen ... äh ... Jaromir Muzikrawitsch getötet zu haben. Wo befindet sich nun die Leiche?“
„Ich denke, bereits in der Gerichtsmedizin.“
Wieder griff die Frau in ihren Overall und zauberte ein Paar Handschellen hervor, die sie auf den Tisch klimperte. „Damit Sie mir glauben, dass ich keinen Stuss quatsche.“
Der Kommissar richtete seine germanischblauen Augen mit höchster Aufmerksamkeit auf die 'Kundin'. „Frau da Castro, wollen Sie damit sagen, Sie hätten –“
„Genau das will ich. Ich bin die Mörderin des noch nicht identifizierten jungen Mannes unbekannter Herkunft. Ihre Leute werden unschwer feststellen, dass die Metallsplitter an den Handgelenken des Verstorbenen mit dem Material der Schellen übereinstimmen.“
„Woher haben Sie denn diese Handschellen?“, wollte der Kollege des Kommissars wissen.
„Na woher wohl! Aus ´nem Sex-Shop.“
Eine Weile herrschte bis auf ein paar undeutliche Außengeräusche Stille. Dann fragte der Kommissar: „Kaffee?“
„Gerne.“
„Milch, Zucker?“
„Schwarz.“
Der Kommissar schaltete das Mikro wieder ein. „So nun schildern Sie uns doch mal den Tathergang.“
„Da gibt’s nicht viel zu schildern. Ich streute reichlich Pilzpulver auf das Sahnehäubchen seines Cappuccinos. Er löffelte es, und achtundvierzig Stunden später war er tot.“
„Das müssen Sie uns schon genauer erklären. Ich weiß, das Gift dieser Pilze ist sehr gefährlich. Da war erst neulich der Fall, wo sich damit eine komplette Asylantenfamilie umbrachte. Stand ja dick in der Zeitung. Aber die haben wohl kräftig zugelangt und sind dann, als sich die ersten Symptome zeigten, nicht zum Arzt gegangen. Doch eine Prise Pilzpulver ... Ich bitte Sie, von einer Prise stirbt man doch nicht.“
Die Frau lachte dröhnend. „Ha! Da sind Sie aber wieder einmal nicht im Bilde! Und habe ich Prise gesagt? Ich zeig Ihnen mal was.“ Sie zog ein Foto hervor und hielt es dem Kommissar vor die Nase. „So sah er aus.“
Der Kommissar nahm das Foto und betrachtete es. „Ist das dieser Muzikrawitsch?“
„Genau, das ist er. Hübsch, nicht?“
„Kann ich das Foto behalten?“
„Nein.“ Die Frau griff blitzschnell zu. „Um das Foto geht auch es nicht. Ich wollte Ihnen etwas ganz anderes zeigen, nämlich, dass Sie zu gutgläubig sind. Während Sie das Foto anstarrten, hab ich Ihnen unbemerkt eine Prise Pilzpulver in den Kaffee gestreut.“
Der Kommissar blickte ungläubig in seine Tasse. „Ich ... ich sehe nichts.“
„Natürlich nicht! Ich hab es ja auch nicht wirklich getan, aber ich hätte es tun können! Diese Prise, wie Sie in Ihrer heiligen Einfalt sagen, hätte ausgereicht, Ihnen das Leben in den nächsten acht Tagen zur Hölle zu machen, möglicherweise wären Sie sogar gestorben. Noch nicht mal Ihr Famulus hätt´s bemerkt. Und mit dem, was da noch in der Dose ist, könnte ich diese gesamte Behörde flach legen.“
Auf der Oberlippe des Kriminalbeamten bildeten sich kleine Schweißperlen.
Die Frau schüttelte den Kopf. „Ich glaub, es hat keinen Zweck.“ Plötzlich kreischte sie los. „Halten Sie mich für eine Idiotin, die sich nur wichtig tun will und einen Mord gesteht, den sie nicht begangen hat? Und Dinge behauptet, die nicht stimmen? Ich sag Ihnen was: Wenn Sie nicht aufhören, meine Worte anzuzweifeln, stehe ich auf und gehe, und Sie haben einen Cold Case mehr. Denn beweisen können Sie mir nichts, absolut nichts. Dazu war der Mord zu gut geplant.“ Dann, ruhiger: „Könnte ich noch einen Kaffee haben?“
„Sicher doch. Frau da Castro, erzählen Sie weiter.“
„Wenn einem nach einer selbst gesammelten Pilzmahlzeit schlecht wird, dann weiß man, woran es liegt. Wenn aber jemand mitten im Hochsommer einen Cappuccino mit Sahnehäubchen trinkt beziehungsweise löffelt, und ihm wird Stunden später speiübel, dann denkt er an weiß Gott was, aber nicht an eine Pilzvergiftung. Dazu kommt noch: Die Wirkung des Amanitins lässt nach einiger Zeit nach, und wie der Mensch so ist, er denkt, hei, war wohl nichts Ernstes, kippt noch ein, zwei Magenbitter und geht zur Tagesordnung über. Aber gerade das ist falsch, denn Alkohol verstärkt die Wirkung des Giftes – wie übrigens auch Coffein. Und wenn dann um Mitternacht die Schmerzen erneut losgehen und er sich mit ´nem Bauch voll Milch die Seele aus dem Hals kotzt, dann ist es bereits zu spät. Seine Leber ist schon so weit geschädigt, dass nur noch eine Transplantation helfen könnte. Aber woher nehmen und nicht stehlen, hä? Geeignete Lebern liegen nicht auf der Straße! Von Nieren ganz zu schweigen.“
Der Kaffee kam, und Frau da Castro schlürfte genüsslich.
„Aber manche überleben doch!“, warf der Kommissar zaghaft ein, „es gibt da heutzutage Mittel und Möglichkeiten –“
„Mann, was reden Sie da für´n Dummdeutsch! Natürlich überleben viele! Aber was ist das für ein Leben, he? Mit einer kaputten Leber und zwei angeschlagenen Nieren! Das ist kein Leben, das ist elendes Dahinvegetieren! Ich erspare Ihnen Einzelheiten.“ Sie setzte die Tasse ab. „Sehen Sie, und deshalb habe ich ihn, als ich merkte, dass das Gift Wirkung zeigte, gefesselt und an ein Heizungsrohr im Keller von Fünfzehn A angekettet, damit er nicht zum Arzt fahren konnte. War ja keine Schwierigkeit, so schwach auf den Beinen wie er schon war. Ein solches Leben wäre sogar für das, was er mir angetan hat, zu grausam gewesen. Er sollte eine begrenzte Zeit leiden und dann sterben. Ein Leben lang sich herumquälen – nein, schließlich bin ich kein Unmensch.“ Sie zog ein kariertes Taschentuch hervor und wischte sich über die Stirn.
„Frau da Castro“, sagte der 'Famulus', „wenn Ihnen zu warm ist, dann frage ich mich, warum läuft diese Frau bei fünfunddreißig Grad im Schatten hochgeschlossen und langärmelig herum? Krempeln sie doch wenigstens die Ärmel hoch.“
„Genau das hatte ich gerade vor.“ Sie schob einen Ärmel hoch. „Na, meine Herren, wie finden Sie das?“
Die Beamten prallten regelrecht zurück. Der Arm war von oben bis unten mit schwarz-braunen spinnenartigen Flecken übersät – es sah aus, als habe sich dort ein Heer Schwarzer Witwen eingenistet. „So sehe ich am ganzen Körper aus, mehr oder weniger. Kein schöner Anblick, wie? Ein Scheiß-Anblick! Beruht angeblich auf einer Chromosomen-Anomalie mit einem unaussprechlichen Namen, die auch bei Katzen vorkommt. Meine Mutter war eine Weiße, mein Vater ein Schwarzer. Normalerweise gibt’s dann Mischlinge. Doch in ganz seltenen Fällen bleiben die Hautfarben nebeneinander bestehen, fragen Sie mich nicht warum. Deshalb auch die verschiedenen Augenfarben.“ Sie lachte trocken. „Ich bin eben ein seltener Vogel! Wenn Sie´s genau wissen wollen, können Sie gerne im Internet unter Mosaiktyp nachschauen. Und damit wären wir beim Mordmotiv, das Sie sicherlich brennend interessieren dürfte.“
Sie ließ den Ärmel wieder herunter.
„Frau da Castro“, sagte der Kommissar, „das geht mir alles zu schnell. Vorerst würde ich gerne einmal wissen, warum Sie das Gesicht des Muzikrawitsch mit Säure übergossen haben. Das waren doch Sie, oder täusche ich mich da?“
„Sie täuschen sich ausnahmsweise keineswegs, Herr Kommissar, und ehe Sie fragen: Er war schon tot, bevor ... Hmm ... Warum, ja warum ... Wie soll ich sagen ...“
„Sagen Sie es doch einfach und schlagen Sie nicht unsere Zeit tot.“
Die Frau fuhr hoch. „Oha! Nein, nein, Herr Kriminalmeister, nicht so! Nicht in diesem Ton! Sie wollen etwas von mir, nicht ich von Ihnen! Also bitte immer schön ruhig bleiben!“
„Wenn Sie mir weiterhin dumm kommen, stecke ich Sie für achtundvierzig Stunden in U-Haft. Die Indizien reichen aus.“
„Ha! Wollen Sie mir auch noch drohen? Und dann auch noch mit U-Haft! Pah, da kann ich nur lachen! U-Haft –“
Die Frau schwieg plötzlich; dann massierte sie stöhnend ihren Leib.
„Was ist mit Ihnen, geht es Ihnen nicht gut?“
„Doch, doch, es geht schon wieder ... Eine kleine Magenverstimmung ... Könnte ich vielleicht noch eine Tasse Kaffee haben?“
„Gern. Also weiter. Der Säureanschlag.“
Frau da Castro betupfte sich die Stirn. „Sie haben doch eben sein Bild gesehen. Sieht er nicht aus wie ein Engel? So muss Christus in seinem Alter ausgesehen haben, rein und unschuldig. Seine Qualen hatten ihm eine geradezu überirdische Schönheit verliehen.“
„Frau da Castro, bitte!“
„Ist ja schon gut! Ich wollte nicht, dass Ihre amtlich bestellten Leichenfledderer in sein Gesicht sehen und es als Fahndungsfoto womöglich noch auf verdreckten Bahnhöfen zur Schau stellen! Niemand mehr sollte sein Engelsgesicht sehen ... Der Anblick gehörte mir allen ... Nicht nur sein Körper, auch sein Gesicht sollte nur mir gehören!“
„Verstehe ich das richtig? Er war ihr Geliebter?“
„Ja was denken Sie denn? Solch eine Gelegenheit lässt sich eine Frau wie ich doch nicht entgehen! Ich bin eine Katze, aber keine Nonne.“
„Wie alt war er denn da?“
„Ich wusste, dass Sie das Fragen! Sechzehn, sechsundzwanzig, sechsunddreißig, sechsundneunzig? Was weiß ich? Sein Ausweis war gefälscht. Spielt das jetzt noch eine Rolle? Und wenn er sechshundert Jahre alt gewesen wäre... Wichtig war, dass er der erste und einzige Mann war, der mich so nahm, wie ich bin. Angeblich, weil ich ihn an jemanden erinnerte, den er sehr geliebt hatte, bevor die Rebellen kamen und seine Familie umbrachten – angeblich. Mehr sagte er nicht, und mehr interessierte mich auch nicht.“
„Wann und wo haben sie den jungen Mann denn kennengelernt?“
„Vor sechs Wochen auf dem Parkplatz in der Rackerstraße. Ich wollte gerade ins Auto steigen, da kam er angerannt. Schnell, fahren Sie los, keuchte er, sie sind hinter mir her!, und schon saß er auf dem Beifahrersitz. Wer ist hinter dir her, fragte ich, als wir fuhren. Der albanische Geheimdienst! Aha, dachte ich, na sowas, der albanische Geheimdienst! ´ne schrägere Erklärung konnte dir wohl nicht einfallen! Dabei sah ich ihn an. In dem Moment sprang der Funken über und ich stellte keine Fragen mehr. Zunächst wollte er nur bei mir übernachten, dann blieb er zwei Tage, schließlich zog er ein. Den Nachbarn erzählte ich, er sei ein entfernter Neffe, der an der Uni studiere und noch kein Zimmer habe.“
„Schöne Geschichte ... Nur, ich verstehe nicht ... Wenn das die große Liebe war, warum haben Sie ihn dann umgebracht?“
Plötzlich sahen die Augen der Frau um Jahre gealtert aus. „Weil er immer mehr Geld von mir wollte und sich gleichzeitig immer rarer machte. Gut, ich hätte es noch eine Weile ertragen, denn welche Rolle spielt schon Geld, wenn man sich wie im Paradies fühlt. Doch dann, vor etwas acht Tagen –“
Ein Zittern lief durch den Körper der Frau, ihre Finger krampften sich an der Tischkante fest. Der Kommissar sprang auf. „Frau da Castro, brauchen Sie wirklich keinen Arzt?“
„Nein, nein, es geht vorüber ...“ Sie lächelte ihn an. „Sehen Sie, schon vorbei!“
Der Kommissar setzte sich. „Okay. Was war vor acht Tagen?“
„Da sah ich ihn zufällig Hand in Hand mit einer anderen Frau.“ Frau da Castro trank mit zitternder Hand die kalte Neige des Kaffees. „Ich war wie betäubt. Es war ein Höllensturz, und zwar mit dem Kopf voran. Pah! Das Geld war mir egal. Scheiß doch aufs Geld! Schließlich hatte er dafür auch reichlich gegeben, zumindest in der ersten Zeit. Doch was ich nicht ertragen konnte ... Ich hätte seinen herrlichen Körper, sein schönes Gesicht mit einer anderen Frau teilen müssen... Und dann, irgendwann, hätte er mich verstoßen ... Dieser Gedanke machte mich wahnsinnig! Denn welcher Mann will so eine wie mich denn wirklich haben? Für eine Nacht, in irgendeinem muffigen Darkroom, ja schon! Aber darauf kann ich mehr als verzichten! Ich wäre wieder in die Hölle der Einsamkeit zurückgestoßen, eine Aussätzige, eine Paria, eine ... Ich musste meine gesamten inneren Kräfte aufbieten, um ihm meine Enttäuschung nicht spüren zu lassen. Und dann, als er wieder mehrere Tage nicht nach Hause kam, fasste ich den Entschluss, ihn zu vergiften.
Sein Tod würde uns, in Schmerzen geläutert, wieder vereinen. Als der Entschluss stand, wurde ich ruhiger.“
„Nun gut. Nachdem das geklärt ist, eine letzte Frage. Warum schraubten Sie die Leiche an den Kleiderständer und stellten sie dann im Schaufenster dieses Bekleidungsgeschäftes aus? Das war übrigens der Punkt, der uns am meisten Kopfzerbrechen bereitete.“
„Es war reiner Zufall. Ich sah den ausgedienten Kleiderständer auf dem Hof und dachte: Hoppla, da könntest du ein Exempel statuieren! Als Abschreckung für alle treulosen Liebhaber! Da der Laden leer stand und ich die Schlüssel zu den Räumen habe, war das Aufstellen kein Problem.“
Der Kommissar schaltete das Diktiergerät aus. Dann sagte er: „Wie soll ich das verstehen? Sie meinten eben: In Schmerzen geläutert, und wieso würde Sie sein Tod wieder mit ihm vereinen?“
„Können Sie sich das nicht denken, Herr Kommissar? Wieder habe ich das bittere Gefühl, Sie nehmen mich nicht ernst. Das ist schade, sehr schade, geradezu jammerschade, denn ich hielt Sie für einen empfindsamen Mann. Nun gut, wenn es denn sein muss, sag ich es Ihnen. Ich glaube fest an ein Weiterleben nach dem Tode. Also trank ich, als Jaromir tot war, in seinem Angedenken einen Cappuccino mit Sahne –“
Die Faust des Kommissars krachte auf den Tisch; die Tasse machte einen kleinen Satz.
„Verdammt nochmal! Doch nicht etwa mit –“
„Aber sicher doch! Für wen halten Sie mich! Mit einem vergifteten Sahnehäubchen. Die Qualen der Vergiftung haben ihn geläutert, und sie werden auch mich läutern. Und dann werden wir auf ewig vereint sein.“
Der Kommissar griff zum Hörer.
„Bitte, lassen Sie das. Egal wohin Sie mich auch bringen – in U-Haft, ins Krankenhaus, meinetwegen in eine Irrenanstalt – es wäre vergebliche Liebesmüh. Ich befinde mich bereits im klinischen Endstadium. Das Einzige, worum ich Sie bitte: Bestellen Sie mir ein Taxi und gönnen Sie mir meine Qualen, damit ich als Gleichberechtigte vor Jaromir treten kann.“
Der Kommissar legte den Hörer wieder zurück.
„Mannomann“, sagte der 'Famulus', als die beiden Kommissare wieder allein waren. „Da hast du dich aber ganz schön in die Nesseln gesetzt! Das war mindestens unterlassene Hilfeleistung. Du hättest den Notarzt rufen müssen.“
„Weiß ich, und ich nehm´s auf meine Kappe! Was soll mir schon groß passieren? In vierzehn Tagen putz ich hier sowieso die Platte! Außerdem war die Frau doch schon so gut wie tot.“
„Was ich mich schon die ganze Zeit frage: Warum hat sie überhaupt das Geständnis abgelegt? So, wie die Dinge liegen, wäre sie als Täterin doch nie infrage gekommen!“
„Na du hast es doch gehört! Sie wollte uns einen weiteren Cold Case ersparen!“
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