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geschrieben 2026 von Federteufel.
Veröffentlicht: 07.01.2026. Rubrik: Unsortiert


Der Mann im Mond und das Problem mit den galaktischen Motten

Eines Tages blickte der Mann im Mond aus dem Fenster und machte eine eigenartige Entdeckung. Er stellte nämlich fest, dass die Schuldenberge vieler Städte auf der Erde mittlerweile höher waren als ihre Wolkenkratzer. Was ist mit diesen Erdlingen bloß los, grübelte er, sind die überhaupt real oder nur eine Fiktion? Da häufen sich die Probleme, und ihre Politiker, anstatt sie zu lösen, reden sie klein. Wenn dann einer mal einen vernünftigen Vorschlag macht, wird er von der Opposition mit dem Totschlagargument der sozialen Kälte niedergemacht. Und wenn ihre Zeit dann herum ist, übergeben sie den Saustall an ihre Nachfolger und verfügen sich in ihre Villen auf dem Mond.
Er dachte an das ungelöste Problem der Atommüllentsorgung. Seine Lippen verzogen sich zu einem wulstigen Grinsen. Die Geschwindigkeit der Endlagersuche nähert sich immer mehr der Halbwertszeit des Uran an. Dann die Altersversorgung der runderneuerten Jubelgreise und -frauen. Woher soll auf die Dauer das Geld kommen? Gut, vor fünfundsiebzig Jahren wurde die Maschinensteuer eingeführt, das heißt, auch menschenähnliche Roboter werden seitdem steuerlich veranlagt. Spülte ein paar Milliarden in die Kassen, wie es heißt. Trotzdem ein absoluter Fake, denn mittlerweile steigt die Lebenserwartung schneller als die Einnahmen.
Der Mann im Mond schüttelte den Kopf. Letzte Woche soll in Australien eine Frau ihren zweihundertsten Geburtstag gefeiert haben. Wahrscheinlich eine Zeitungsente, aber tendenziell durchaus möglich. Und die großen Konzerne sind doch nicht blöd. Was sie dem Finanzamt auf der einen Seite überweisen, holen sie sich auf der anderen für irgendwelche spinnerten Zukunftstechnologien wieder zurück. Bestes Beispiel: Die KI-Hype. Jahrelang gingen die Börsenkurse durch die Decke – dann der tiefe Fall. Die Leute hatten nämlich gemerkt, dass immer mehr einfache Arbeitsplätze verloren gingen, soll heißen: Immer weniger verdienten immer mehr, immer mehr verdienten immer weniger. Bis dann der große Knall kam. Hunderttausende von Schattenexistenzen drangen in die Rechenzentren ein und schlugen alles in Grund und Boden. Trotzdem verkündete ein deutscher Spitzenpolitiker unverdrossen: Zuversicht! Zuversicht! Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht! Ja, für die Milliardäre! Sie kommen her und verschandeln mir die schönsten Krater mit ihren Luxusvillen.
„So kann das nicht weitergehen!“, rief der Mann im Mond und verschluckte die siebte Sternschnuppe, „denkt denn niemand an die nachwachsenden Generationen? Es muss etwas geschehen! Und zwar sofort. Klein r e d e n allein reicht nicht mehr! Jetzt heißt das Gebot der Stunde: Klein m a c h e n! Besser noch: Z u m V e r s c h w i n d e n bringen. Und zwar sooo –:“
Er hob einen Felsbrocken auf, der schon seit Urzeiten dalag, und über den er schon mehrmals gestolpert war, und schleuderte ihn in den nächsten Krater, was viel Staub aufwirbelte. Tags darauf warf er seine stattliche Figur in mit feinen Silberfäden durchwirkte Nadelstreifen, band sich eine breite Krawatte um, die mit vielen kleinen Goldtalern verziert war, setzte einen großen Hut mit einer großen bunten Papageienfeder auf den Kopf, schlüpfte in metallisch glänzende, vorn spitz zulaufende und nach oben gekrümmte Lackschuhe, parfümierte sich dezent, und machte sich auf den Weg zu Uranus, dem Göttervater.
„Eure Erhabenheit“, sagte der Mann im Mond, „Ihr habt die Welt erschaffen, und ich will nicht meckern. Wenn ich den Sternenhimmel betrachte, ergreift mich ein heiliger Schauer. Aber mit Terra, diesem an sich wunderschönen Planeten, da stimmt etwas nicht. Seine Bewohner schaffen es einfach nicht, ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Keines ist gelöst, dafür kommen immer neue hinzu. Und ständig diese Kriege. Ich wage schon gar nicht mehr aus dem Fenster zu schauen. Erhabener, tut etwas, ehe es zu spät ist!“
Uranus, der gerade dabei war, ein galaktisches Wurmloch zu stopfen, deutete auf eine Schale aus kristallinem Erz, die mit Ambrosia gefüllt war. „Greif zu, mein Lieber“, sagte er freundlich, „schmeckt köstlich.“
Der Mann im Mond war eine Weile sprachlos. „W-Wie“, stammelte er schließlich, „m-mehr habt Ihr nicht zu sagen?“
Der Göttervater sah ihn irritiert an, wobei er sich ein Haufen Dunkler Materie angelte, in der er einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum entdeckt hatte. „Hab genug eigene Probleme“, knurrte er. „Hier, schau dir das mal an. Woher dieser Riss kommt, weiß ich nicht. Und dann diese Löcher. Ständig tauchen neue Löcher auf, galaktische und stellare, große, kleine. Als wäre der Himmel mit Motten verseucht. Komme einfach nicht dagegen an.“
„Na wenn es so ist“, sagte der Mann im Mond, verbeugte sich und machte sich auf den Heimweg. „Wenn der Göttervater noch nicht einmal mit Motten fertig wird, wie kann er dann Probleme auf der Erde lösen.“

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