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2xhab ich gern gelesen
geschrieben von Kater Moritz.
Veröffentlicht: 03.04.2026. Rubrik: Satirisches


Freddy und Oscar - Das Tablet

Hallo Freunde. Lasst mich mal kurz erklären, mit wem ihr es hier zu tun habt. Also, ich bin Freddy, meines Zeichens Pferd. Genauer gesagt das Prachtexemplar eines schweren Warmbluts, mit fast 1,80 m Widerrist und schönem braunen Fell. Einem, dem die Stuten nur so hinterher wiehern. Durch eine kleine chirurgische Gemeinheit, die mir ein Jahr nach meiner Geburt vor 9 Jahren, angetan wurde, kann ich die Pferdedamen zwar nicht mehr so beglücken, wie sie es von einem Kerl wie mir eigentlich erwarten, aber das Leben bietet ja auch einem Wallach noch eine Menge anderer schöner Momente.

SatirepatzerSatirepatzerEiner davon war sicherlich meine Begegnung mit Oscar, meinem - seiner Ansicht nach - dominantem Besitzer und Reiter. Seit sechs Jahren gehen wir nun schon unseren gemeinsamen Weg, beziehungsweise schleppe ich ihn über Stock und Stein. Und genau so lange schüttet er mir sein Herz aus. Wenn er im Sattel sitzt, scheinen ihn meine zwei Lauscher wie ein Kummertelefon vorzukommen, in das er sein ganzes Elend hineinweinen kann. Manchmal versucht er auch, mich von seinen Weltrettungsplänen zu überzeugen, die er aber scheinbar nur mir anvertraut, denn soviel ich weiß, ist bisher keiner seiner genialen Visionen jemals umgesetzt worden …

Ach, da kommt er ja. Ich werde mal zu ihm hinübertraben, darüber freut er sich immer soooo seeehr.

„Na mein Freddchen. Du kommst ja wieder über die Koppel geflogen. Kannst es wohl gar nicht erwarten, mich zu begrüßen? Hier, hast du ein paar Leckerlies.“

Freddchen - sehe ich denn aus wie ein Iltis? Und an den Leckerlies klebt wieder der Rotz vom Taschentuch. Wann wirst du sie endlich mal in die andere Hosentasche stecken oder in deinen Rucksack, wenn du ihn schon umgeschnallt hast?

„Tja, lass es dir erst einmal schmecken. Gleich werde ich dir etwas zeigen, da wirst du so überrascht sein, dass du sogar das Fressen vergisst.“

Aus deinem Rucksack hast du noch nie etwas gezaubert, was mir den Appetit verderben konnte.

„Schau dir mal an, was der gut alte Oscar da mitgebracht hat.“

So ein Ding habe ich tatsächlich noch nicht gesehen. Da werde ich mal das tun, was du jetzt von mir als Fluchttier erwartest, nämlich scheinbar erschrocken zur Seite springen.

„Freddchen, ein Riese wie du, kann doch nicht vor so einem flachen Winzling Angst haben? Komm wieder her. Er wird dir nicht weh tun!“

Leg mir das Ding vor die Hufe und ich werde dir zeigen, wie viel Furcht es mir einjagt. Wenn ich es gleich beschnuffle, wirst du dich darüber aufregen, dass ich so neugierig bin. Deshalb bleibe ich einfach drei Schritte von dir entfernt stehen. Länger als eine Minute wird es ja nicht dauern, bis du mit dem Flachmann zu mir herüberkommst.

„Der Klügere gibt nach. Aber spring ja nicht wieder davon, sonst stecke ich es weg und du wirst nie erfahren, was es ist.“

Jetzt fuchtle mir doch damit nicht vor den Augen herum, sondern erkläre mir einfach, was du dir da wieder hast aufschwatzen lassen. Du musst mich auch nicht am Halfter festhalten, den obligatorischen Fluchtversuch habe ich ja bereits absolviert. Nun, was sehe ich: Es ist flach, überwiegend schwarz und hat einen weißen Rand. Zum Fressen wird es nichts sein. Zum Reiten wahrscheinlich auch nichts. Oh, auf der schwarzen Fläche passiert etwas. Sie wird hell und Bilder tauchen darauf auf. Vielleicht sollte ich wenigstens erschrocken den Kopf hochreißen?

„Stell dich nicht so ängstlich an. Ich will dir ja nur zeigen, wie es funktioniert. Dazu lasse ich jetzt das Halfter los. Und du bleibst hier! Das Gerät nennt sich Tablet-Computer oder einfach nur Tablet. Damit komme ich fast überall ins Internet. Auch hier. Und im Internet finde ich das gesammelte Wissen der Menschheit. Alles, was ein Mensch sich niemals merken kann, ist dort gespeichert. Absolut genial.“

Mein lieber Oscar, genial ist, dass ich als Pferd einen so großen Kopf habe, dass alles, was ich wissen muss, da hineinpasst. Und mir war schon immer klar, dass die Köpfe der Menschen viel zu klein sind, um viel Verstand beherbergen zu können. Es erschüttert mich allerdings zutiefst, wenn du hier zugibst, dass selbst dieses flache Tablet-Ding klüger als ihr Zweibeiner ist.

counter2xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Rautus Norvegicus am 05.04.2026:
Kommentar gern gelesen.
Sehr gern gelesen, spannend geschrieben . Mir fiel aber auf, dass angehäuftes Wissen nichts mit Klugheit zu tun hat😉. Aber sehr einfallsreich und locker erzählt.

Österliche Grüße🥚
🐀
Rautus

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