Veröffentlicht: 16.04.2026. Rubrik: Fantastisches
Die ausgestoßene Gestaltwandlerin, Teil 1
Kapitel 1: Eine Idee
Kyraya erwachte aus ihrem unruhigen Schlaf. Für einen Moment wusste sie nicht mehr, wo sie war, doch dann fiel es ihr wieder ein. Sie war zwar noch immer im Wald der Wandler, welcher ihre Heimat war, doch sie hatte gestern ein Schlafquartier fernab der Wandler erhalten. "Damit du uns nicht mit deiner Drachenmagie schaden kannst!", hatte Lioran, der König gesagt. Drei Tage, drei verdammte Tage war es her, dass das 18-jährige Mädchen ihre wandelhaften Kräfte entwickelt hatte. Drei Tage, in denen sich alles veränderte, denn sie verwandelte sich nicht in einen Wolf, Fuchs, Tiger oder eine der anderen Formen, welche hier im Wald existierten. Nein, sie wurde zu einer Drachin! Dann ging alles ganz schnell, denn die Wandler und die Drachen verstanden sich nicht miteinander. Ein Rat wurde einberufen, und ein Urteil über Kyraya wurde gefällt. Das Urteil besagte, dass sie zwar im Wald bleiben durfte, aber sich weit von der Wandlerbevölkerung entfernenmusste. Die wahren Drachen, also jene, welche sich nicht verwandelten, sondern nur als Drache lebten, bekriegten die Wandler schon seit Jahrzehnten. Keiner wusste so genau, warum, zumindest wurde es im Unterricht für Wandlerkinder nicht genauer erklärt. Die Drachen lebten etwas weiter südlich in einer trockenen Wüste dicht bei einem Vulkan. Traurig sah Kyraya nun durch das Fenster in den Himmel und sah die Sonne, welche gerade dabei war, aufzugehen. "Vielleicht sollte ich zu den Drachen gehen", dachte sie, und ein weiterer Gedanke manifestierte sich. "Vielleicht kann ich sie davon überzeugen, den Krieg gegen uns Wandler zu beenden!" Frohen Mutes erhob sie sich und verließ die Hütte, in welcher sie geschlafen hatte. Plötzlich tauchte ein riesiger Adler neben ihr auf, landete und verwandelte sich in ihren besten Freund Astarius. "Was machst du hier?", fragte Kyraya leise und wollte ihn mit einer Geste verscheuchen. "Wenn dich jemand erwischt ..." Ihr Freund schüttelte den Kopf. "Ich werde schon nicht erwischt, aber ich lasse mir nicht verbieten, dich zu sehen!", flüsterte er. "Ich habe eine Idee, wie wir Frieden zwischen den Wandlern und den Drachen herstellen können. Wir sollten zu den Drachen fliegen." Kyraya war immer wieder verblüfft darüber, dass sie und ihr Freund oftmals die selben Ideen teilten. "Diese Idee hatte ich auch schon", antwortete sie schließlich. "Dann verwandle dich, und wir fliegen los." Noch etwas unsicher leitete das Mädchen ihre Verwandlung ein, denn sie hatte etwas Angst davor, ihre Drachenkräfte nicht kontrollieren zu können. Sobald sie in ihrer Drachengestalt war, flog sie los.
Kapitel 2: Die Drachen
Die beiden Freunde waren etwa acht Stunden geflogen, da tauchte die Drachenfestung vor ihnen auf. Vor der Festung flogen zwei Drachenwächter. Als diese Astarius entdeckten, sahen sie ihn feindselig an, doch als ihr Blick auf Kyraya fiel, stutzten sie. "Eine Drachenwandlerin!", rief einer von ihnen. "Die Prophezeihung ist wahr! Sie ist das Bindeglied zwischen Drachen und Wandlern!" Sofort versammelten sich mehrere Drachen um Kyraya. "Wir kommen in guter Absicht und möchten gerne wissen, weshalb die Drachen seit so vielen Jahren Krieg mit den Wandlern führen", sagte Kyraya, als das Stimmengewirr verstummt war. "Das kann euch am besten der Drachenkönig erklären", sagte der Wächter. Dann blickte er Astarius an. "Es ehrt euch, dass ihr als einfacher Wandler ohne Drachenmagie ebenfalls diesen Weg auf euch genommen habt, um den Krieg zu beenden, aber ich darf nur Kyraya, die Drachenwandlerin, zum König vorlassen." Astarius sah seine Freundin skeptisch an, doch diese nickte entschlossen. "Ich schaffe das schon alleine." Mit diesen Worten flog sie dem Wächter hinterher, während der zweite Wächter am Eingang zurückblieb. Überall in der Festung schienen Feuer zu brennen, und Kyraya bemerkte schnell, dass diese ihre Magie stärkten. Sie flog einen langen Gang entlang, bis der Wächter vor einer riesigen Höhle innehielt. Eine Feuerwand glitt zur Seite, und goldene Drachenaugen musterten Kyraya. Sie konnte die starke Macht dieses Drachen deutlich spüren, und irgendetwas sagte ihr, dass dies der König sein musste. "Komm herein, Kyraya", befahl seine tiefe Stimme, und sie flog in den Raum hinter der Feuerwand. Nachdem sie sich verneigt hatte, musterte der König sie für einige Minuten schweigsam. "Ich freue mich, dass du gekommen bist", brach er schließlich das Schweigen. "Welches Anliegen hast du?" Kyraya überlegte kurz, wie sie es am besten formulieren sollte, ohne den König der Drachen zu verärgern. "Ich möchte gerne erfahren, weshalb ihr Krieg mit den Wandlern führt", antwortete sie schließlich. Der König sah sie nachdenklich an. "Ich weiß nicht, ob ich dir diese Wahrheit anvertrauen kann", meinte er. "Wer sagt mir, dass du damit nicht sofort zu den Wandlern gehst und ..." "Ich bin ausgestoßen worden", erwiderte Kyraya schnell. "Ihr habt nichts zu befürchten." Für einen Moment sagte niemand ein Wort, dann nickte der König. "Gut, ich werde euch die Wahrheit sagen, wenn ihr sie geheimhalten könnt. Diese Wahrheit habe ich noch nicht einmal meinen Kriegern gesagt, um sie nicht zu beunruhigen. Seid ihr bereit für diese Wahrheit?" Sie nickte.
Fortsetzung folgt
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