Veröffentlicht: 20.02.2026. Rubrik: Persönliches
Alte Herren im Gespräch, wir treffen uns…
Gelesen, warum nicht mir gesagt, geh einfach mal hin am kommenden Donnerstag um 17:30Uhr. Sechs Herren, einer im Rollstuhl begrüßten mich wartend im Untergeschoss eines renovierten Gemeindehauses der ev. Kirche.
So fing es an und nach oben im Aufzug, wenige Schritte in einen hellen Raum mit Fotos an den Wänden begann das Treffen. Man stellte sich kurz vor und mir wurde gleich gesagt du bist der Jüngste von uns, dazu der Frischling. Die sechs Herren kannten sich seit ca.20 Jahren und waren übrig von einem größeren Kreis früher aktiver.
Sechs Herren im Alter von zumeist 85-89 Jahren die bis auf einen, den im Rollstuhl gebracht wurde, noch mit ihrem Auto kamen. Nach einem Jahr hatten sich die sechs verändert, waren nun noch vier die aber nicht regelmäßig alle 2x im Monat erschienen. Es gab zwischendurch neue die nur ein oder zwei Mal kamen danach nicht mehr, in meinem Alter waren. Ich hielt durch sah, aber lange geht es hier nicht mehr gut.
Was beschäftigt alte Herren um die 90 Jahre?
Bisher erwähnte ich nicht diese sechs waren gut betucht mit eigenen Häusern, einer von 89 lebte allein, erzählte oft wiederholt von seiner gleichaltrigen Freundin, seiner Haushaltshilfe die ihn einmal nach zwei Tagen in der Wohnung liegend fand. Krankenhaus für einige Wochen folgte. Da saßen sie nun nach einem Jahr und schwiegen sich an sollte ich nicht das Wort ergreifen. Was interessiert noch alte Männer die nur noch lückenhafte Erinnerungen haben, sie immer wieder erzählen. Thema Krankheiten stand nun an erster Stelle. Ich bat um Themenwechsel, machte Vorschläge, weil der Boss, so stellte er sich dar, seine NZZ mitbrachte und die anderen ablehnten über z.B. Israel und ferne Politik zu sprechen. Er hatte den Raum organisiert, er einst eine Führungskraft, nicht immer anwesend, ließ man durch Schweigen oft ins Leere laufen.
Sind wir hier die schweigenden alten Herren geworden fragte ich. Mein Themavorschlag Altersstarrsinn wurde außer von einem der lachte, mich verstand von allen anderen abgelehnt. Den folgenden Donnerstag saß ich alleine im Vorraum. Keiner erschien, keiner hatte per Mail abgesagt. Ein Neuer kam kurz bevor ich gehen wollte. Wir gingen nach oben, er blieb und meine Versuche die anderen telefonisch zu erreichen scheiterten. Kurz danach verstarb einer von ihnen. Ein Treffen folgte, wo ich fragte wo bleibt hier die Empathie, denn jetzt einige Worte über den stets netten Herrn zu sagen fand keiner der verbliebenen fünf für nötig. Dieses wir wussten ja, er war krank, litt an Parkinson und …
Meine am Ende des Treffens ausgesprochenen Klartext-Worte brachten ein teilweise lächeln auf ihre Gesichter. Ich verkündete begründend meinen Rückzug aus dieser Gruppe. Der Boss, nun 90 Jahre alt verkündete mir du passt nicht zu uns, bist zu jung, redest zu viel. Ich sah den mir gegenübersitzenden Harald seinen Kopf schütteln. Wir telefonierten am Tag danach und er sagte die Gruppe ist aufgelöst, ich will auch nicht mehr.
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