Veröffentlicht: 20.08.2026. Rubrik: Unsortiert
Anna - Der geheimnisvolle Briefkasten (5)
Schnell vergingen zwei liebevoll glückliche und zugleich arbeitsreiche Jahre.
Es war Kaffeezeit, wie jeden Nachmittag. Johann wartete auf Anna.
Als sie hereinkam, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, verkündete sie gleich:
„Johann, ich bin schwanger.“
Überglücklich umarmten sich die beiden. Johann tanzte vor Freude mit Anna durchs Wohnzimmer und rief:
„Wir werden Eltern!“
Ab diesem Moment achtete Johann besonders gut auf Anna. Auch Marie, ihre beste Freundin, beauftragte er, auf Anna aufzupassen.
Maria und Hans, die sonst nur gelegentlich kamen, wenn viel zu tun war, schauten nun jeden Tag vorbei, um nach dem Rechten zu sehen.
Oben in der Wohnung nahmen die drei Anna tagsüber vieles ab.
Abends war Johann da, der Anna liebevoll umsorgte.
An den Abenden, an denen es bei Johann spät geworden war und es in der Wohnung ganz still wurde, lag der kleine Heinz bei Anna und lauschte an ihrem Bauch. Innerlich wünschte er sich, es möge ein Mädchen werden.
Die Zeit verging schnell. Johann wollte unbedingt die letzten Wochen ganz bei Anna sein.
Er schickte alle in den Urlaub.
Ein Schild hing im Laden, das manchen zum Schmunzeln brachte:
Urlaub
Für unbestimmte Zeit geschlossen.
Johann kontrollierte und inspizierte noch einmal alles in der Gärtnereihalle. Ein kleines Holzhäuschen, das sein verstorbener Onkel einst dort aufgestellt hatte, hatte er schon lange keiner Beachtung mehr geschenkt. Ein Samenpäckchen und eine Schere lagen darin, verschiedene kleine Tierfiguren standen verstreut herum, dazwischen ein paar Spielfiguren.
Er nahm eine in die Hand. Dabei bemerkte er, dass das Dach schief hing, und holte Nägel und Hammer. Doch der Nagel schlug schief ein – das Holz war bereits morsch.
Ein Wispern aus dem Inneren des Dachstuhls konnte Johann irritiert hören.
Verärgert schimpfte eine feine Stimme:
„Musste das sein?!“
Als Johann hineinblickte, sah er ein kleines Wesen, dessen Rock vom Nagel festgehalten wurde.
„Das muss doch ein Traum sein“, dachte Johann, während er sie behutsam befreite.
Verwirrt und verwundert nahm er das kleine Mädchenwesen auf und steckte es vorsichtig in seine Jackentasche.
Oben in der Wohnung holte er sie behutsam hervor. Auf seiner flachen Hand saß sie.
Johann lachte verschmitzt.
„Jetzt weiß ich es. Jetzt verstehe ich dein Geheimnis.“
Das Heinzelmännchen schaute sofort neugierig herüber.
Johann setzte das Heinzelmädchen beim Puppenhaus ab. Die beiden kleinen Wesen fielen sich wortlos in die Arme – und wurden unsichtbar.
Als sie langsam verschwanden, schien es, als hörten Anna und Johann einen leisen Hauch wie von einem Glöckchen.
Beide sahen sich an, ob sie es wirklich gehört hatten.
Johann nickte langsam. Sanft schob er Anna in Richtung Schlafzimmer. Die letzten drei Schritte eilte er voraus, um das Kissen aufzuschütteln und die Bettdecke zurückzuschlagen. Er half Anna ins Bett, denn in ihrem hochschwangeren Zustand fiel es ihr schwer, sich alleine hinzulegen.
Sie gaben sich noch ein Küsschen und lächelten sich glücklich an.
In der Nacht weckte Anna Johann.
„Es geht los!“
Alles ging ruckzuck. Die vorbereitete Tasche stand im Flur gepackt bereit. Als Johann den Kofferraum öffnete, lag darin ebenfalls eine vorbereitete Tasche. Er grinste.
„Sicher ist sicher!“
Er half Anna auf den Rücksitz und fuhr rasch, aber vorsichtig los. Schnell erreichten sie das Geburtshaus.
Natürlich kam Johann mit.
Zur Frühstückszeit wachte Anna neben dem Baby, der kleinen Lisa, auf.
Die Stationsschwester bemerkte schmunzelnd:
„Ihr Mann kommt auch gleich aus dem Vaterzimmer.“
Anna sah sie fragend an.
„Ihr Mann hat sich ein Bett im Nebenzimmer genommen. Er hat darauf bestanden.“
In diesem Moment glitt Johann mit einem feinen Lächeln ins Zimmer.
Die Stationsschwester mahnte freundlich:
„Das war aber nur ausnahmsweise für diese Nacht!“
Behutsam schob Johann das Kinderbett mit der kleinen Lisa neben sich her und nahm Anna am Arm, um mit ihr in den Frühstücksraum zu gehen.
***
Eine Woche später zu Hause verwöhnte Johann seine beiden.
Auch die Hubers und ihre beste Freundin Marie ließen es sich nicht nehmen, ihnen fast alles abzunehmen.
Anna war eine liebevolle Mutter. Draußen mit dem Kinderwagen kam es regelrecht zu einem kleinen Gerangel, und Johann übernahm stolz den Wagen. Anna schüttelte innerlich den Kopf und dachte bei sich:
Schade, dass das Heinzelmännchen das nicht sieht.
Ein paar Wochen später beobachtete Anna aus dem Fenster, wie Johann ein Schaukelgestell aufstellte.
Sie öffnete das Fenster und rief hinunter:
„Johann, das ist doch noch zu früh! Sie ist doch noch ein Baby!“
Johann zuckte mit den Schultern.
„Die Zeit geht so schnell vorbei. Außerdem baue ich daneben am Baum noch eine breite Eltern-Holzschaukel. Dann können wir die Kleine auf unserem Schoß schaukeln.“
Dabei pfiff er fröhlich vor sich hin.
Anna schüttelte lächelnd den Kopf und freute sich darüber.
Auch die Heinzelmännchen beobachteten das Geschehen.
„Dann können wir auch mitschaukeln!“, riefen sie mit feinen Stimmen.
Daraufhin nickte Anna ihnen zu.





